Friedhof am Meer
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Der Friedhof von St. Severin zieht viele Besucher an. Während man die Wege zwischen den Gräbern entlang wandert, kann der Blick weit über das Wattenmeer schweifen. Immer wieder erscheint es verschieden bei Ebbe und Flut. Dieser Wechsel der Gezeiten kann zum Sinnbild für das schwindende und wiederkehrende Leben werden. Hier werden wir Zeugen einer steten Bewegung zwischen Himmel und Erde, Land und Meer. Im Thomasevangelium sagt Jesus: „Werdet Vorübergehende“, und meint: „Beheimatet euch nicht zu fest in dieser Welt. Bleibt nicht stehen, wenn sich um euch herum Himmel und Erde bewegen.“ Vor allem die Gräber der Seefahrer, die schönen Kunstwerke und die Kirche St. Severin als Orientierung für die Seefahrer erzählen Geschichten von Aufbruch und Heimkehr, von Untergang und Bewahrung, von Hoffnung, Widerstand und von Treue. Ohne große Worte verbreitet sich hier tröstlich und ermutigend die große Güte, von der Jesus spricht. Schon in vorchristlicher Zeit war der Platz um die Kirche ein heiliger Ort, hochgelegen mit einem guten Ausblick wurden hier germanische Götter verehrt und Tote bestattet. Ende des 12. Jahrhunderts wurde St. Severin erbaut. Die Kirche überstand Sturmfluten, Kriege und Katastrophen, erlebte glückliche und reiche Friedenszeiten. Übriggeblieben sind aus vergangenen Zeiten wertvolle Grabsteine. Sie alle erzählen von einer Hoffnung stärker als der Tod und verbinden uns mit Menschen weit vor unserer Zeit. Dieser Friedhof am Meer ist ein guter Ort. Er hilft, sich damit zu versöhnen, dass unser Leben begrenzt ist und gleichzeitig öffnet er ein Gefühl für Ewigkeit, in der wir aufgehoben sind. |
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Rund um die Apsis von St. Severin sind die ältesten Grab- und Gedenksteine des Keitumer Friedhofs zusammengetragen worden. Sie stammen aus dem 17. Jahrhundert. Lediglich das Todesjahr und die Initialen der Verstorbenen sind darauf zu lesen. |
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Auf der Südseite der Kirche sind auf einem Wall alte Grabplatten und Steine aufgereiht. Als stille Zeugen der Vergangenheit sollen sie auch zukünftigen Generationen einen Einblick in die Geschichte ermöglichen. |
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Die größten Grabplatten finden sich nördlich der Friedhofskapelle an einen Wall gelehnt. Kunstvoll behauene Steine mit reichhaltigen Verzierungen erzählen vom Leben und Wirken wohlhabender Keitumer Familien, darunter Seefahrer und Kapitäne |
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Harki Got Ehre Gott Dö Rogt Tue recht Wik Nomen. Weiche niemandem Der bedeutende Keitumer Dichter Jens Emil Mungard verspottete nicht nur in einigen seiner Gedichten die Nationalsozialisten, er weigerte sich auch, seine Gedichte vom Friesischen ins Deutsche zu übersetzen. Aufgrund seiner widerständigen Grundhaltung wurde er von den Nazis verfolgt und im Konzentrationslager Sachsenhausen 1940 ermordet. |
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Der Brunnenstein neben der Apsis ist vermutlich ein Kultstein aus dem vorchristlichen Heiligtum der Göttin Freya. Er wurde 1991 bei Pflasterarbeiten als Schwellenstein vor der Nordertür entdeckt . Vermutlich wurde dieser Stein nach der Erbauung von St. Severin als „Fussabtreter“ genutzt, um das Abstreifen des „alten Glaubens“ zu symbolisieren. |
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Die Skulptur „Totengedenken“ des Künstlers Ernest Hofmann Igl entstand in den 1980er Jahren. Am Westeingang des Friedhofs empfängt sie die Besucher auf einem Stein sitzend in Stille und Nachdenklichkeit . Igl wurde 1920 in Prag geboren, entwickelte sich nach dem 2. Weltkrieg zu einem der bekanntesten deutschen Grafiker und Designer. Lange Zeit lebte er in Kampen. Auch die Plastik ‚Totengedenken‘ im Turmraum und das Kanzelkreuz verdankt St. Severin Ernest Igl. |
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Die Figur ‚Boot‘ schuf der Hamburger Bildhauer Ludger Trautmann während der 5. Keitumer Skulpturtage 2006. Er schreibt dazu: Das Meer trennt Von Ludger Trautmann stammt auch die Engelsfigur in unmittelbarer Nähe. |
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Die Bronzeskulptur „Komtur“ wurde von der Künstlerin Anna Chromy, geb. 1940 in Krumau, Böhmen geschaffen. Sie gehört in einen Zyklus zu „Don Giovanni“. Die Gestalt trägt, ähnlich wie in Mozarts gleichnamiger Oper, einen „Mantel des Gewissens“, der sie als leere Hülle erscheinen lässt. Zwei weitere Abgüsse dieser Skulptur finden sich in Prag und vor dem Salzburger Dom. |
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An der Nordwand der Friedhofskapelle befindet sich das 1968 entstandene Fliesenbild „Garten Eden“ des Künstlers Dieter Röttger (1930-2003). An afrikanische Symbole erinnernd bietet dieses Werk im Gegenlicht der Sonne vielfältige Interpretations-möglichkeiten vom Werden und Vergehen. Dieter Röttger wirkte über Jahrzehnte in Keitum. Sein Grab befindet sich direkt gegenüber der Kapelle. |
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Der Bildhauer Ulrich Lindow, geboren in Mölln, gestaltete eine Holzskulptur im Rahmen der Keitumer Skulpturtage 2002. Sie hat Ihren Platz im Süd-Osten des Friedhofs gefunden. Er gestaltete auch den Orgelprospekt und den im Turmraum befindlichen Kerzenengel von St. Severin. |