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Ein kleines Lied mit einem schönen Bild. Anfang und Ende liegen in den
Händen Gottes, liegen wie ein Kind, das sicher und vertrauensvoll in
den Armen seiner Eltern liegt.
„Anfang und Ende liegen bei dir, Herr, füll du uns die
Hände.“
Wunderschön ist aber auch das Bild von unseren leeren Händen, die
wir Gott genauso vertrauensvoll entgegen strecken, damit er sie mit Segen
füllt.
In der letzten Woche haben wir Abschied gefeiert. Fast 29 Jahre mit Pastor
Traugott Giesen und seiner Frau sind vorüber. Viele Erinnerungen aus
dieser Zeit wurden ausgetauscht und nun wird vielen klar: die Zukunft ist
für uns ungewiss. Der Kirchenvorstand und der Kirchenkreis sind sich
einig, dass diese Pfarrstelle gut und schnell wieder besetzt werden soll.
Doch wer wird es sein? Bleibt es im alten Sinn oder wird alles anders? Wir
haben Wünsche und Vorstellungen, doch genau wissen wir es nicht, was
auf uns zukommen wird. Wir Menschen haben nicht alles in der Hand. So sehr
wir für unser Leben zu sorgen haben, es gestalten, so sehr müssen
wir aber auch immer wieder erkennen, dass wir es letztlich dann doch nicht
in der Hand haben, sondern das Leben sich auch neben uns entwickelt, dass
wir auf vieles auch nur reagieren können, es hinnehmen müssen,
damit leben müssen. „Füll du uns die Hände...“
„Ausgang und Eingang, Anfang und Ende“ heißt es am Ende des
121. Psalm. Der fing an:
„Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe? Meine
Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.“
Doch was sind das für Berge, zu denen der Psalmbeter die Augen aufhebt?
Ursprünglich sprach da ein Mensch, der vorhatte, eine Reise zu machen,
und durch gefährliches Bergland gehen musste. Er wollte nach Jerusalem
und besorgt fragte er sich: „Wie komme ich da durch? Wer hilft mir?“
Also:
„Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen.“
Es müssen aber gar keine Berge aus Fels und Stein sein. Manche von uns
stehen vor einem Berg von Arbeit, der sich auf ihrem Schreibtisch
aufgetürmt hat; oder vor einem Berg von Problemen, die sie fragen lassen:
„Wie werde ich damit fertig werden?“ Da dürfen wir mitsprechen:
„Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe?“
Ich hebe meine Augen auf: ich schaue nicht nur bedrückt nach unten und
in die Vergangenheit, schaue nicht nur auf das, was vor den Füßen
liegt, also in direkter Nähe, sondern ich blicke auf. Das heißt
doch, ich darf nach vorne schauen. Den Blick auch weit nach vorne richten.
Hier ist das so einfach, wenn ich am Wasser bin, ist mein Blick grenzenlos.
So viel Weite und doch soviel Nähe. Den Blick nach vorne, immer weiter.
Das Leben geht einfach immer weiter, geradeaus. Da liegt ein Land, das ich
betreten darf, in dem Leben stattfindet, in dem für mich etwas bereit
liegt.
Der Anfang dieses Psalmes ist von dem Glauben geprägt, dass Leben nicht
nur in einem abgeschlossenen, behüteten Bereich stattfindet - wie z.B.
im Tempel, oder wir würden heute sagen in der Kirche. Nein, die Fülle
des Lebens, das Gott für uns bereit hat, liegt vor uns, immer weiter.
Das ist auf der einen Seite hoffnungsvoll, aber natürlich auch bedrohlich.
Die Ungewissheit lässt uns unsicher werden, macht Angst. Woher kommt
mir Hilfe? Ich will ja gehen, will mich diesem Leben anvertrauen, will es
für mich erobern und genießen, doch ich weiß auch, dass
dazu Hilfe nötig ist, weil ich es letztlich nicht alleine meistern kann.
Die Berge – wie auch die Dünen und das Meer - bergen eben auch
Gefahren, das Leben ist bedroht, immer in Frage gestellt. Deshalb: Woher
kommt mir Hilfe?
„Meine Hilfe kommt von dem, der Himmel und Erde gemacht hat.“ Wenn
ich mich ganz darauf verlasse, dass der, der Himmel und Erde in seinen
Händen hat, auch mich in seinen Händen hat, wenn ich dem vertraue,
der dieser Welt ihr Gesicht gegeben hat und die Schöpfung immer neu
entstehen lässt – auch mit jedem Kind, das geboren wird -, dann
kann ich mich auch darauf verlassen, dass er mir als der Schöpfer und
Bewahrer zur Seite ist, um mein Leben zu begleiten. Gott Jahwe ist mein
Hüter, mein Hirte. Und er geht jetzt mit mir, jeden Schritt, durch jedes
Tal. Wovor sollte ich mich fürchten müssen? "Und ob ich schon wanderte
durchs finstere Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei
mir..." (Psalm 23)
Jahwe, der Himmel und Erde geschaffen hat, er geht mit. Er kennt alle Berge
und Täler, alle Höhen und Tiefen, alle Glücks- und
Unglücksmomente von uns Menschen. Im Blick auf Gott – wofür
sollte ich mich fürchten müssen?!
„Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen. Der Hüter Israels
schläft nicht (wenn du unterwegs bist und ausruhen musst). Gott, der
Herr behütet deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit.“
Wer mag das einem anderen gesagt haben? Vielleicht macht da ein Sohn eine
Reise und der Vater verabschiedet ihn an der Haustür. Und der Sohn sagt:
„Ich sehe da hohe Berge vor mir, wie komme ich da durch?“ Und der
Vater sagt: „Keine Angst! Der dich behütet, schläft nicht.
Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen. Der Herr behüte deinen
Ausgang (wenn du jetzt gehst) und deinen Eingang (dort, wo du ankommst, oder
wenn du wieder zurückkehrst).“ Das erinnert an das Gleichnis vom
verlorenen Sohn oder wie es heute oft genannt wird: Vom Vater und seinen
beiden Söhnen.
Oder es wird einem Kind bei der Taufe gesagt, wenn es am Anfang seiner
Lebensreise steht
Oder es sagen vielleicht Eltern zu ihren heranwachsenden Kindern in der
Pubertät, wo es manchmal schwer ist, den gleichen Weg zu gehen. Oder
es sagt einer zu einem Kranken auf dem Weg zum Arzt, ins Krankenhaus, zur
OP.
Und wir beten so bei den Beerdigungen: „Der Herr behüte deinen
Ausgang (wenn du dieses Leben und diese Welt verlässt) und deinen
Eingang.“ Denn wir hoffen und glauben doch daran, dass es ein neues
Leben und einen neuen Eingang in eine neue Welt gibt.
So wurde dieser Psalm auch gesprochen, bevor ein Verstorbener aus dem Haus
getragen wurde. An der Türe des Hauses wurde ihm nachgerufen: „Der
Herr segne deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit.“ Diese
Sitte einer Aussegnung hat sich an manchen Orten auch bei uns bis heute erhalten.
Auch in der Kapelle auf dem Friedhof bei einer Beerdigung, bevor der Sarg
hinausgetragen wird, hören wir diese Reihenfolge, in der die ganze Hoffnung
für den Verstorbenen steckt: „Der Herr segne deinen Ausgang und
Eingang.“
Ach es gibt viele Situationen, in denen wir dies sagen könnten.
Vielleicht wurde dieser Psalm ja auch im Tempel gesprochen, wenn die Leute
nach dem Gottesdienst wieder nach Hause gingen. Dann wurden sie von dem Priester
an der Tür verabschiedet mit den Worten: „Der Herr behüte
deinen Ausgang (wenn du jetzt hier aus dem Tempel gehst und durch die Berge
musst oder hier besser, wenn du jetzt gehst und durch Wind , Wetter und Gewalten
musst) und deinen Eingang (wenn du zu Hause ankommst und dein Alltag wieder
anfängt).”
Das ist gut zu wissen, wenn man sich auf einen Weg macht, egal in welcher
Situation. Auf den Weg in eine neue Lebenssituation hinein, in das, was an
unbekanntem Land vor einem liegt. : „Der Herr behüte deinen Ausgang
und deinen Eingang.”
Damit können wir losgehen, hoffnungsvoll, mutig, mit Elan und Kraft.
Natürlich gibt es auf unserem Weg auch die Schlaglöcher und die
Stolpersteine, die Umwege und Sackgassen. Unser Leben ist auch ein Leben
in Schwierigkeiten, manchmal geht es uns richtig dreckig, dass wir keinen
Ausweg sehen. Krankheiten, Arbeitslosigkeit, Streit und Elend in der Familie,
immer wieder Lasten des Lebens, die wir zu tragen, die wir zu bestehen haben,
die wir zu bearbeiten haben. Da will ich nicht drum herum reden. Aber das
Psalmwort sagt uns eben auch: der Herr behütet dich. Das heißt
aber nicht, dass dem, der auf ihn vertraut, kein Haar gekrümmt wird,
aber ihm wird nicht die Seele, der Glauben, das Leben genommen. Gott ist
gegenwärtig und handelt an uns, nicht immer sichtbar, aber doch so,
dass wir keinen dauerhaften Schaden nehmen müssen.
Und leider kommen auf dem Weg auch Fragen und Zweifel auf uns zu, stellen
unsere Lebenserfahrungen diese Zusage immer wieder in Frage. Doch wir
dürfen unseren Lebensweg mit der Ermutigung beginnen – und immer
wieder korrigieren und neu beginnen, dass es eine Hilfe gibt, die mich Tag
und Nacht umgibt. Die Füße können auf dem Weg nicht wirklich
so ausgleiten, dass ich liegen bleibe und es nicht mehr weitergeht. Wir sind
in allem verbunden mit dem, der das Leben in der Hand hat und trägt.
Deshalb spricht der Psalmist diese Worte: der Herr schläft und schlummert
nicht oder wie es Jesaja sagt: Gott verspricht: Berge mögen von der
Stelle weichen und Hügel wanken, aber meine Liebe zu dir kann durch
nichts erschüttert werden. Das sage ich Gott, der dich liebt.
In unserer Zeit sind neben diesen jahrhundertealten Liedern neue Segenslieder
entstanden. Das ist auch gut so, denn es zeigt, wie wichtig uns der Segen
ist!
Zum Beispiel der Kanon, den wir gesungen haben: „Ausgang und Eingang,
Anfang und Ende“.
Oder das Lied: „Komm, Herr, segne uns, dass wir uns nicht trennen“.
Oder: „Herr, wir bitten: Komm und segne uns“. Es scheint einen
großen Bedarf zu geben für solche Lieder, die wir als Bitte um
den Segen singen können.
Auf eins dieser Lieder möchte ich noch ein bisschen genauer eingehen.
Das Lied heißt: „Bewahre uns Gott, behüte uns Gott“.
Wir wollen es auch nachher singen. So wäre es gut, wenn wir es jetzt
schon aufschlagen unter der Nummer 171.
In den 80er-Jahren machte der Offenbacher Pfarrer Eugen Eckert auf die
schwungvolle Melodie eines Liedes aus Argentinien mit der Bitte um Frieden
einen neuen Text. Und in dieser Form hielt es Einzug in viele Gemeinden und
dann auch in das neue Evangelische Gesangbuch.
Eugen Eckert benutzt in seinem neuen Text auch vertraute Bilder aus der Bibel.
Da ist die Rede von „Quelle und Brot in Wüstennot“, und jeder
erinnert sich an den Exodus, den Auszug des Volkes Israel aus Ägypten
und den Zug durch die Wüste, wo die Wandernden erst weder Wasser noch
Brot hatten, wo dann aber Wasser aus dem Felsen sprang und Manna als Brot
vom Himmel regnete. „Quelle und Brot in Wüstennot“ singen
wir und „Wärme und Licht im Angesicht“. Immer wieder hat das
alte Volk Israel diese Glaubenserfahrungen machen dürfen: Gott hat die
Tränen gesehen, die Seufzer und Gebete erhört, und dann am Berg
Sinai erneut zu ihnen gesprochen und ihnen und uns versprochen: Ich will
euer Gott sein, ihr sollt mein Volk sein.
So ist Gott ein Gott, dem es nicht zu gering ist, auf unser persönliches
Leben Acht zu haben. Wer von seinem heiligen Berg heruntergeht, und dann
durch Höhen und Tiefen, durch Einsamkeiten und Probleme des Lebens gehen
muss, der geht nicht allein. Gott geht mit ihm. Das sagt Gott uns heute,
jetzt erneut zu. Ich gehe mit! Glaubt und vertraut mir! Ihr hört es
doch nachher im SEGENsspruch am Ende des Gottesdienstes: "Der Herr segnet
dich und behütet dich, „... der Herr lasse leuchten sein Angesicht
über dir ... und gebe dir Frieden.“
Dieser Segen wird in der dritten Strophe beschrieben als eine „Kraft,
die Frieden schafft“. Das erinnert natürlich an die Friedensbewegung
in den 80er-Jahren, in denen ja auch dieses Lied entstanden ist, wo man den
Frieden gewünscht, erhofft und erbetet hat. Ich kann mich noch gut an
die große Friedensdemonstration auf dem Hamburger Kirchentag 1981 erinnern.
„Frieden schaffen ohne Waffen“, so hieß es damals auf beiden
Seiten. Die Kraft, die Frieden schafft, soll hier von Gott kommen.
Und im vierten Vers singen wir: „Dein Heiliger Geist, der Leben
verheißt...“. Ein Leben mit Ausgang und Eingang aus Gottes Hand,
„von nun an bis in Ewigkeit“.
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