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Keitumer Predigten 2006
3. Sonntag nach Trinitatis, 2. Juli 2006
(Pastorin Susanne Zingel)
1. Johannes 1,5- 7 Das Leben im Licht
Und das ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkündigen:
Gott ist Licht, und in ihm ist keine Finsternis.
Wenn wir sagen, dass wir Gemeinschaft mit ihm haben, und wandeln in der Finsternis, so lügen wir und tun nicht die Wahrheit. Wenn wir aber im Licht wandeln, wie er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft untereinander, und Christus macht uns rein von aller Schuld.
Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da war, der da ist und der da kommt. Amen
Liebe Gemeinde, wenn die allzu Frommen über Licht und Finsternis reden, wird es schnell schwierig, meist zu eng und oft gefährlich. Treten sie an, die Kinder des Lichts gegen die Kinder der Finsternis, dann bringt das immer Unheil hervor.
Darum seid klug, denn trotz frommer Verdrehungen:
Es gibt das Licht, und es gibt die Wahrheit. Es gibt die Finsternis. Lasst euch nicht einreden, Licht und Finsternis ist irgendwo, doch alles eins, und alles ergänzt sich irgendwie.
Finsternis, so wie im 1. Johannesbrief, meint nicht Schatten oder Dunkelheit. Meint nicht die Nachtseite, das Verschwiegene, Geheimnisvolle, dunkel Wundersame . . . Dies alles ist verbunden mit dem Licht, wie Licht und Schatten.
Aber Finsternis, die herrscht da, wo das Leben und die Schöpfung zerstört wird, wo Misstrauen gesät wird, das Miteinander bewusst mit Füßen getreten wird, wo kalte Berechnung sagt: "Es ist mir doch gleich."
Darum seid klug, dass ihr beides unterscheiden könnt: Licht und Finsternis.
Und dabei ist es gut, wenn ihr euch den Humor bewahren könnt.
Denn Humor kann finstere Gedanken entlarven und entmachten. Gestern ist einer gestorben, der das wunderbar verstand: Mit spitzer Feder, mit spitzer Zunge! Robert Gernhardt ist tot. Nur 68 Jahre ist er geworden. Von ihm habe ich dazu ein Gedicht gefunden:
"Was ich heute sah
Drei kleine Frösche sah ich heut,
die warn mit dem Teufel im Bunde.
Die hüpften über die Mauer breit
Und schrien aus einem Munde:
'Wir sind die Frösche der Dunkelnis,
äh, der Finsternis, äh, des Lichts.
Das heißt doch Licht, wenn kein Tag mehr ist,
alles schwarz und niemand hört nichts?'
So haben die teuflischen Frösche gefragt,
sie waren sehr schrill und sehr klein.
Ich habe nur halblaut "Schnüss" gesagt,
da hörten sie auf zu schrein."
So leicht geht das: Du musst nur "Schnüss" sagen und das Froschkonzert der Verwirrung hat ein Ende. - Die Frösche werden es uns verzeihen, dass sie herhalten müssen für unsere Gequake, Gerede, Getratsche, sehr schrill und klein. Das heißt doch Licht, wenn kein Tag mehr ist Alles schwarz und niemand hört nichts.
Die kleine Schummelei, die Notlüge, bekommt doch keiner mit, das Gerede hinter dem Rücken. Natürlich bekommen wir es mit, denn es verpestet die Atmosphäre. Auf vielerlei Weise: Die Tour de France sollte mit Spannung beginnen, und gleich am Anfang: Im Dunkeln wird gemauschelt, gedopt, betrogen. Wie kann man so dumm sein, fragt man. Hat denn niemand nichts gelernt? Kann das wahr sein. Wie sollte man sich freuen an solch einem Sieg?
Alle machen mit, sind wirklich alle mit dabei? Wie viele werden jetzt ohne Schuld mit verdächtigt. Auf jeden Fall: Das Spiel ist zerstört, die Lust und die Freude vorbei und muss immer wieder neu erfunden werden. Denn wir sehen ja auch in der Fußballweltmeisterschaft jetzt, wie bedürftig danach alle sind. Es ist ein großes Glück, wenn alle dabei sind, miteinander spielen und wetteifern, aber fair und offen und die Idee dabei ist, so könnte es auch zugehen auf der Welt. Das Betrügen, Intrigieren im Verborgen zerstört Beziehung, sät Misstrauen, und es schafft eine Atmosphäre, in der es schwer ist, offen zu sagen, was man denkt. Die anderen machen es alle auch so. In einer Atmosphäre vom Misstrauen behält jeder seine Gedanken für sich. Vorurteile, Tabus breiten sich aus. Und weil es so schwer wird, offen und ehrlich zu reden, bleiben viel zu viele allein mit einem Kummer, einem Schmerz, ihren Fragen, einfach weil keine Atmosphäre da ist, die von Vertrauen getragen wäre:
Kommt, lasst uns wandeln im Licht. Das heißt nicht, kommt, lasst uns anfangen und alle versuchen, noch rechtschaffener zu leben als wir es schon tun.
Es heißt: Komm tritt ein und lass über dir das Licht aufgehen, lass dich wärmen, lass dich erleuchten und einhüllen, denn Licht und Wahrheit ist all über all. Gott ist Licht. Gottes Liebe ist wie die Sonne, Gott selbst ist Sonne und Schild. Die Sonne ist eine unglaubliche Energiequelle. Sie wärmt unseren Kosmos, Ihre Kraft scheint unerschöpflich. Ohne Ende blüht in ihrem Licht alles auf, entfaltet sich und leuchtet in allen Farben. Die Wärme der Sonne lässt sich speichern. Sonnenstrahlen sind zu schmecken als Süße in Früchten, Trauben, Öl, Wein und machen jeden Menschen schön. Nach einem Tag am Strand kann man die Sonne spüren, die den Mensch ganz verändert.
So kann die Gegenwart Gottes einen Menschen verändern. Wärmen, trösten, beleben, und leuchten lassen, nicht nur für einen Augenblick, sondern tief von innen, für weite Wege, für lange Zeiten, ein ganzes Leben lang. In Gottes Licht lässt sich alles anschauen, auch die Fehler, die Irrtümer, wo versagt wurde: In seinem Licht ist es freundlich.
In seiner Gegenwart gibt es das Glück, einen Menschen zu finden, dem einer sich anvertrauen kann. Und wenn einer sich traut zu erzählen, wahrhaftig, von Erfahrungen, von Fehlern, von Enttäuschungen, wenn Tränen fließen dürfen und dann durch all das hindurch, wieder ein Leuchten, ein Lächeln aufgeht, dann ist das ein Stück Himmelslicht, und alles ist gut. Es ist möglich, zu diesem Punkt zu kommen.
Das war das Wunderbare an Jesus: Kein Unglück ist so groß, um nicht innezuhalten zu können, zu erzählen, dich beleuchten zu lassen, barmherzig zu werden mit dir und anderen, andere zu sehen im Lichte Gottes.
So ist in Gott keine Finsternis, wohl das Geheimnisvolle, Dunkle, aber keine Kälte, keine Gemeinheit, keine Intrige. In Gott ist dir alles zum Heil bestellt, dass du wachsen kannst im Glauben, widerständig werden kannst gegen Finsternis. Und widerständig meint nicht, du musst dagegen ankämpfen, Du kannst einfach "schnüss" sagen, und es ist nicht mehr. Wie die Sonne aufgeht und die Finsternis weicht, so ist ein Mensch, der daherkommt im Licht Gottes.
Dazu eine Geschichte von Max Frisch: In China sah er einen Heiligen und fragte, was machen sie da:
Und sein Begleiter antwortete: Sie sitzen so da - zum Beispiel, wenn die Sonne untergeht über den violetten Hügeln der Wüste und schauen die Sonne, nichts weiter. Sie schauen. Sie denken nichts anderes als eben die Sonne, so sehr, so innig, so ganz und gar, dass sie die Sonne noch immer sehen, wenn jene, die wir die wirkliche nennen, lange schon untergegangen ist. So sitzen sie da: Sie können sie jederzeit wieder aufgehen lassen. Das können sie.
So lasse Gott lasse leuchten sein Licht über dir, er sei dir Sonne und Schild, damit du leuchten kannst und helfe dir, die Sonne aufgehen zu lassen, für dich, für andere, wann immer du willst. Wann immer es ein anderer braucht.
Amen
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