St. Severin Kirche zu Keitum
                                                                                                                                                                                                  
 

   
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Keitumer Predigten 2007

Trinitatis, 03.06.2007

Der dreifaltige Segen

- Nach den Protesten im Vorfeld des G8 Gipfels in Heiligendamm -

(Pastorin Susanne Zingel)

Predigttext: 4.Mose 6,22-27

Und der HERR redete mit Mose und sprach: Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet:

Der HERR segne dich und behüte dich;
der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;
der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.
Denn ihr sollt meinen Namen auf die Israeliten legen, daß ich sie segne.

Gnade sei mit Euch und Friede von dem, der da war, der da ist und der da kommt.

Amen.

Liebe Gemeinde

Segen Gottes - dreifaltig. Schon das war eben ein dreifaltiger Segen: Gott, der da war, der da ist und der da kommt. Der von Ewigkeit zu Ewigkeit die Zeit in seinen Händen hält: Vergangenheit, diesen Augenblick - jetzt und alles, was kommt. Heil und Segen in Fülle erbitten wir hier und wünschen es für so viele Orte. Wünschen es Euch hier im Urlaub. Im Urlaub hört man ja oft intensiver, hat mehr Zeit, Zeitung zu lesen und es kommt einem noch näher, was gestern Abend in Rostock los war. Bilder von einer Demonstration, die an keine Demonstration, sondern eher an einen Kriegszustand erinnert. 400 verletzte Polizisten - Demonstranten sind schwerer zu zählen und man hat noch gar nicht das Ausmaß von dem, was da geschieht, erfasst. Tausende friedliche Demonstranten waren unterwegs. Das ist gut, denn der Friede in dieser zerrissenen Welt, der wird ja nicht von einigen wenigen oder irgendwelchen, die sich für allein bestimmend halten, gefördert und gehalten, sondern von ganz, ganz vielen. Bei dem G 8 Gipfel werden sie aber alle draußen gehalten und wir alle verfolgen das Geschehen nur über Nachrichten und Bilder im Fernsehen oder Radio. Hinter der Zeitung, die Du liest, sitzt Du erst einmal ganz allein für Dich. Du bist allein mit diesen Nachrichten. Die Medien haben da eine große Kraft und Macht - bestimmen und können Meinungen machen, auch Ängste: Fahr bloß nicht nach Heiligendamm, da kannst Du ein blaues Wunder erleben. Wie wichtig ist es aber, dass Menschen sich einsetzen, aufstehen für den Frieden!

Ein ganz anderes Bild: Die Medien haben ihre Macht. Haben Sie es auch mitbekommen und verfolgt, die Aufregung der letzten Tagen? In den Niederlanden wird eine ganz neue Spielshow eingeführt? Angefangen hat das sehr weit zurück. Heute schmunzelt man bei der Erinnerung, wo man sich in Shows noch um Toaster und Waschmaschinen bemühte. Heute geht es um Reisen und horrende Summen, ein ganz neues Leben, eine neue Frau, einen neuen Mann und jetzt geht es auch um eine neue Niere, die drei Kandidaten, jeder todkrank, ganz dringend brauchen. Es gibt eine Spenderin, die wird beraten von dem Publikum, das mit SMS-Handy-Nachrichten ihr Empfehlungen sagen kann, wen von den Dreien sie wohl wählen soll. Der Moderator führt unterhaltsam durch die ganze Sendung und erst ganz zum Schluss kommt heraus, das ganze war eine große Inszenierung und gar nicht wahr. Alle sollten aufgerüttelt werden. Sie sollten sich selbst ertappen dabei, dass sie mit dem Handy über Leben und Tod entscheiden wollen und einfach mitspielen. Die Kandidaten waren eingeweiht, die Spenderin gar nicht krank und gar keine Spenderin, das ganze inszeniert zum Aufrütteln und Wachmachen.

Wie oft wünschen wir uns zu Geburtstagen und anderen Tagen Glück und Segen und vor allem Gesundheit, so sagen wir dann. Und wie weit geht man damit? Glück und Heil und Segen!

Damit soll niemand allein bleiben. Ein ganzes Volk geht das an - Heil und Heilung und Segen und Frieden und dass diese Schöpfung bewahrt wird, das ist nichts Einsames und nichts, was Zwietracht säen soll, nicht einsam, nicht zwiespältig, Zwietracht, sondern mindestens dreifaltig, dass wir zusammenkommen und reden und uns austauschen und vielfältig entdecken, wozu Gott uns berufen hat. Jeden auf seine Weise und jeder begabt, daran mitzuwirken, Heil und Segen zu bringen.

Wir haben den aaronitischen Segen gehört als Lesung. Der ist so vertraut, man könnte ihn fast mitsprechen. In jedem Gottesdienst wird er am Ende über die Gemeinde gelegt. Die Pastorin, der Pastor wünscht den Segen der ganzen Gemeinde. Hier im Predigttext, wenn man hinschaut, sieht man, so ist das hier nicht.

Das Drumrum ist entscheidend, wenn man so einen Vers herausholt, geht was verloren. Der Anfang: Gott redete mit Mose und sprach: Sage Aaron und all seinen Söhnen: So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet, Aaron und seine Söhne, das sind die Leviten, ein ganzer Stamm von den 12 Brüdern, Josefs Brüder, alle zusammen einer, das sind die Leviten. Und sie sollen dem Volk nicht die Leviten lesen, sondern sie sollen sie segnen. Und zwar das ganze Volk ist angesprochen, Gott segne Dich, Dich, Du ganzes Volk und behüte Dich. Gott lasse sein Angesicht leuchten über Dir, Du ganzes Volk und sei Dir gnädig. Gott erhebe sein Angesicht auf Dich und gebe Dir, Du ganzes Volk, er gebe Dir seinen Frieden. Dafür braucht er jeden und alle miteinander.

Denn Ihr sollt meinen Namen auf das ganze Volk legen und ich will sie segnen. Ich weiß gar nicht wie Ihr das hört, wenn der Segen im Gottesdienst gesprochen wird? Jeder kann sich ja mal fragen, wenn das gesagt wird: Gott segne Dich und behüte Dich, Du da ganz allein für Dich …. Nach einer Stunde Gottesdienst. In der Du ganz still für Dich dasitzt , mitsingst, mitbetest, Deine Gedanken kommen und gehen, zum Schluß wirst Du gesegnet für Deinen Weg wieder zurück in Deinen Alltag. -

Wir brauchen nur einmal Luft zu holen und merken, es gibt Dich nicht ganz allein, Dich mit Deiner Geschichte, … Deinem Leben, Deinem Glück, .. Deinem Kummer, .. Deinen geliebten und nahen Menschen, .. Deinen Feinden, wenn Du welche hast, - das adelt einen auch, wenn man einen hat, mit dem man einen echten Streit wagt. Du mit Deinem Mut und Deiner Kraft, Du bist hier nie und niemals allein: Gott segne Dich und behüte Dich, er behüte Dich, Du seine ganze Gemeinde - das weiter gedacht heißt: Du in Deiner Gemeinde, sie ist Gottes ganzes Volk.

Hier in St. Severin in den Gottesdiensten kommt diese Idee sehr schön wieder ins Leben: "Grüß Gott" sagten manche als sie hereinkamen, Grüß Gott!".So seien alle, gegrüßt, die einen weiten Weg hinter sich haben und aus Süddeutschland angereist sind. Gegrüßt alle, die nahe von Rostock kommen, gegrüßt die diese Tage aus Köln sich aufgemacht haben, weil der Kirchentag ihnen vielleicht zuviel wird und sie lieber in Frieden und still für sich am Meer mit Abstand doch hindenken jetzt nach zuhause.

Hier in den Gottesdiensten kommen wir aus vielen Gemeinden, Landeskirchen, über Konfessionsgrenzen hinweg zusammen als Schwestern und Brüder. Wir feiern jeden Sonntag und unter der Woche einen kleinen Kirchentag. Feiern zusammen ein Fest und spüren: sie sind allüberall zu finden: Menschen guten Willens, gesegnet unter Gottes Schutz. Über Dir, Du seine Gemeinde, ist gelegt der Name Gottes. Ihr hört schon beim Vorlesen es geht immer hin und her. Luther hat übersetzt: Der Herr segne Dich, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir, der Herr erhebe sein Angesicht über Dich. Der Herr, immer der Herr. Ganz verwandt mit "Kyrie eleison" - Herr erbarm Dich über uns und segne uns. Das wird aber auch übersetzt: Gott segne Dich, Gott lasse sein Angesicht leuchten über Dir, Gott hebe sein Angesicht auf Dich …Der Herr Dein Name ist auf uns gelegt - wie ist denn der Name Gottes? - der geheimnisvolle Name, den Mose im brennenden Dornbusch hörte, unaussprechlich, zu übersetzen: Der da war, ich bin der ich bin, ich werde mit Dir sein und ich werde Dich segnen. Das ist der Name Gottes. Ich war bei Dir und schaust Du Dich um, wirst Du es sehen. Gutes und Barmherzigkeit sind da. Ich bin bei Dir und bin so wie ich war, treu und verlässlich und Du kannst darauf vertrauen, ich werde da sein. So legt Gott seinen Namen auf uns. Und das hat etwas Herrliches, Wunderbares, von oben herab wie Regen und Sonnenlicht. Es hat auch was Dienendes, ganz Demütiges, uns immer wieder aufhelfendes. Und es hat etwas, was sich nicht festhalten lässt, frei wie der Wind, denn wo ist es? Wo ist es zu spüren? Der lebendige Gott ist nicht eindeutig, Du kannst ihn nicht halten und nicht fassen, aber er ist da. Ausgelegt wurde dieses Dreifaltige denn auch. Schon im brennenden Dornbusch war zu hören: Gott der Vater, Gott der Sohn, Gott der Heilige Geist. Und es passt doch auch: Der Schöpfer behüte Dich, das Licht Christi leuchte in Dir und der Heilige Geist gebe Dir Frieden. Ja, das passt, es passt , weil Gott tausendfältig, vielfältig einfach zu sich passt. Es passt natürlich nicht immer. Nicht alles, was sich auf dem Markt der Möglichkeiten tummelt passt mit Gott zusammen. Aber wo es echt und wahrhaftig ist und Segen den Menschen wirklich aufhilft, da ist Gott der Eine und immer neu und vielfältig. So hält er uns zusammen und so verbindet er uns. Das Medium Gottes ist der Segen, darauf setzt er. Und im Segen Gottes ist und kann niemand einsam bleiben, denn Gottes Segen verbindet. Ein Mensch, der sich behütet weiß "Gott segne Dich und behüte Dich", ein Mensch, der beleuchtet ist, der leuchtet und strahlt, lächelt, sich freut oder von innen her ganz leise leuchtet, ein Mensch, der im Frieden ist mit sich selbst, der bleibt nicht allein, selbst wenn er sich still irgendwo hinsetzt, werden andere auf ihn aufmerksam und er wird in Kontakt kommen. Und das ist es, worum es Gott geht mit seinem Segen, dass wir nicht allein bleiben, sondern unter uns fließend und lebendig verbünden. Da ist Gottes göttlicher Kraft gegenwärtig. Seine Kraft, die Leben schafft und heilt und uns begabt, Liebe zu geben und Liebe zu nehmen, uns gegenseitig zu helfen und mutig zu sein und auf dem Weg zu bleiben und zu sehen, wir sind lange noch nicht fertig und erschöpft in unseren Möglichkeiten, denn Gottes schöpferische Kraft ist mit uns. Sein Name ist Segen, seine Gegenwart ist Fülle und sein Friede ist höher als alle Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserm Herrn. Amen!

 

 

 


 
 
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