St. Severin Kirche zu Keitum
                                                                                                                                                                                                  
 

   
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Keitumer Predigten 2006

Predigt am 4. Sonntag nach Trinitatis, 9. Juli 2006

WM 2006

(Pastorin Susanne Zingel)

Weisheit 8,2f

König Salomo sprach: Die Weisheit hab ich geliebt und gesucht von meiner Jugend an Sie habe ich zur Braut genommen, denn ihre Schönheit hab ich liebgewonnen.

Sie ist in Gottes Wissen eingeweiht und wählt aus, was Gott tut.

Ist aber Reichtum ein Gut, das man im Leben begehrt, was ist dann reicher als die Weisheit, die alles schafft?

Ist's aber Klugheit, die etwas schafft, wer in aller Welt ist dann ein größerer Meister als die Weisheit?

Matthäus 16,26

Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?

Gnade sei mit euch und Friede von dem der da war, der da ist und der da kommt. Amen

Liebe Gemeinde,

was für ein Glück, dass wir nicht Weltmeister geworden sind. Was wäre das gewesen, wir alle nicht nur Papst und Deutschland, sondern auch noch Weltmeister. So haben wir das Glück "Dritter" zu sein. "Dritter sein" das eröffnet viel mehr Raum zum Nachdenken. Das Beste an allem ist, dass das Ganze über den sportlichen Wettkampf hinausgekommen ist. Erster sein ist nicht alles. Es geht um mehr, als wer schießt das entscheidende Tor, für wen regnet es zuletzt Konfetti und wer nimmt den Pokal mit nach Hause. Viel wichtiger ist mit dabei zu sein, zu feiern, sich über ein Team zu freuen, dass so ein Miteinander der Völker möglich ist. Aus der Bibel passt als erstes gar kein Wort vom Laufen und Wetteifern, sondern ein Wort von Jesus: "Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, könnt ihr das Himmelreich nicht finden"

Auf dieser Weltmeisterschaft haben die Großen gefeiert, geweint, gelacht ausgelassen wie sonst nur Kinder sein können. Sie waren begeistert, haben sich verkleidet mit verrückten Kostümen, geschminkt und geschmückt mit Fähnchen. Die Kleinen waren natürlich auch mit dabei:

Unser kleiner Sohn kam mit Sprüchen wie: "Mama ich möchte auch ein Deutschtuch haben. Ich bin Deutschländer" und denkt noch nicht an das Würstchen dazu, auch nicht an die Patriotismusdebatte. Für die habe ich ein neues Wort gelernt: "Der intellektuelle Problembär", der einfach nicht mitbekommt, hier geht es um Spiel und naive Kinderfreude. Dass die ganze WM nah am Kinderfest ist haben wir hier in Keitum gespürt. Denn hier gibt es jedes Jahr einen Kinderkönig, eine Kinderkönigin. Ihre Wahl ist mindestens so aufregend wie die Weltmeisterschaft, - Es ist eine Ehre heute bei uns zu haben. Eine Königin Michelle Barthelmes: Bitte einen Tusch Gott save the queen. Du und Sean, ihr habt die Wettspiele gewonnen: Dann ging es mit Pferd und Wagen durch das Dorf mit Blumen und Musik. Im Pfarrgarten gab es ein Fest, und damit alle dabei bleiben, natürlich auch eine Fußballecke nicht nur für Väter. Da spielte es gleichzeitig auf zwei Ebenen: Zwei Kinder haben gewonnen, aber alle feiern mit. Denn alle müssen lernen wie das ist, gewinnen und verlieren. Wie es ist, erster zu sein, zweiter, dritter oder letzter. Es ist eine Kunst, beides verkraften zu können. In Niederlagen nicht zu verzweifeln, aufzupassen, dass Erfolg dir nicht zu Kopf steige, dir nicht zur Last wird, immer und immer gut sein zu müssen. Dass du frei von Neid bleibst, dich mitfreuen kannst, wenn anderen mehr gelingt.

Es bei der Weltmeisterschaft wunderbare Szenen, wo die Spieler geweint haben und wie Kinder getröstet wurden, wo die einen weinten, strahlten die anderen vor Glück. Und wussten im gleichen Augenblick, dieses Glück ist nicht zu halten, denn nach dem nächsten Spiel kann es genau andersherum sein.

Darum geht es immer wieder ein Leben lang. Von klein auf an, solange du bist. Und die Begeisterung bei dieser WM hat ganz bestimmt etwas damit zu tun, dass viel zu viele bei uns das Gefühl haben, "Ich spiele nicht mehr mit, die andern können alles besser, ich bin nicht gefragt." Die Menschen haben erlebt, B E G E I S T ER U N G ist nichts Passives. Die Begeisterung war zu hören, hat sie Spieler unterstützt, beflügelt, getragen und getröstet. Und man kann nur hoffen, dass aus der Begeisterung jetzt auch eine Kraft entsteht, die einem sagt, bleib nicht am Rand! Sieh zu, wie du selbst ins Spiel kommst, wie du im Spiel bleibst. Vielleicht anders als du denkt, vielleicht mit einer anderen Rolle, aber es gibt viele Möglichkeiten. Es ist natürlich fraglich, ob das gelingt, aber die Botschaft bleibt: "Jeder will mitspielen und jeder will dabei sein, jeder hat ein Recht darauf." Was war das für eine schöne Geste zum Schluss durften alle Spieler, die noch nicht zum Zuge gekommen waren, im letzten Spiel noch einmal auf den Platz. Und wenn es für zehn Minuten war, nur dass sie es erleben und spüren, ich war wirklich dabei.

Das ist wichtig, denn leicht wird man kein Weltmeister. Das Miteinander, die Auseinandersetzungen sind schwer. Wir haben nur einen kleinen Teil erfahren von dem, was da wohl alles hinter den Kulissen stattgefunden hat.

Bevor die deutsche Mannschaft auf den Platz ging, wurde vor jedem Spiel ein Stück von Xavier Naidoo gespielt:

Dieser Weg wird kein Leichter sein, dieser Weg wird steinig und schwer, nicht mit Vielem wirst du dir einig sein, doch dieses Leben bietet so viel mehr.

Manche treten dich, manche lieben dich, manche geben sich für Dich auf, manche segnen Dich, setz dein Segel nicht, wenn der Wind das Meer aufbraust.

So ist das. Was haben Trainer Klinsmann und die Mannschaft vorher nicht alles zu hören bekommen. Und wie viele trauen sich nicht nach vorn. Wie viele schrecken zurück, weil sie vorher wissen: Manche treten dich. Bleiben lieber am Rand, weil sie nicht das andere spüren, darauf vertrauen: manche lieben dich, manche geben sich für Dich auf, manche segnen Dich, möge dich Weisheit leiten, das auszuhalten. Mögest du ein Meister werden, eine Meisterin, trotzdem dabei zu bleiben,

In der Bibel kommen nur einmal die Begriffe "Welt" und "Meister" zusammen: König Salomo sagt in seinen Sprüchen, "So seht, In der ganzen Welt gibt es keinen größeren Meister als die Weisheit." Weisheit machte König Salomo, zum Friedenskönig. Unvergessen wie hell sein Königsstern leuchtete. Dabei musste er viele Kämpfe und Enttäuschungen bestehen. Als er jung war, hatte er mit sich selbst zu kämpfen, seinen Irrtümern, seinen Verfehlungen. Später als er weise war, aber auch alt und schwach, da standen seine Söhne auf, fingen an und kämpften um die Vorherrschaft. Salomo hat darunter gelitten, aber es half ihm zu erkennen: Manche Niederlage ist ein Erfolg, mancher Sieg ein Irrtum Manches Unglück führt dich zum Guten, und mancher Gewinn bringt dir Schaden.

Dieser Weg wird kein Leichter sein, dieser Weg wird steinig und schwer, nicht mit Vielem wirst du dir einig sein, doch dieses Leben bietet so viel mehr.

In Jesus hast du einen Meister, einen der wusste, du kannst dein Leben verlieren, und alles gewinnen. Jesus war einer, der den steinigen Weg gegangen ist und alles gewonnen hat, nicht für sich allein, sondern damit es dir aufgeht: Gottes Liebe trägt dich, Christus gab alles dran und sein Segen behütet dich.

Dass du an dich glaubst. Dir nicht einreden lässt, du bist zurück, nicht wichtig, wirst nicht gebraucht.

Dass du dir eine Vision bewahrst, eine große Hoffnung. Nicht nur für vier Wochen, sondern für ein ganzes Leben, die verrückte Hoffnung, dass es da gibt, ein Himmelreich auf Erden und sie werden kommen von Osten und Süden und Westen und Norden und sie werden zu Tisch sitzen im Himmelreich wir werden dabei sein und wir werden staunen, in welcher Fülle und Freude da gefeiert wird. Gebe Gott uns seine Klarheit, es schon heute es zu erkennen, gebe er seinen Segen, es zu leben und behüte er uns in seinem Frieden . Amen

 
 
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