St. Severin Kirche zu Keitum
                                                                                                                                                                                                  
 

   
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Keitumer Predigten 2006

Trinitatis, 11. Juni 2006

(Pastorin Susanne Zingel)

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen! Amen

Liebe Gemeinde,

"Gott ist einer und sonst keiner. Wir haben doch alle nur einen Gott. Warum machen es die Theologen so schwer?" Trinität ist nicht angesagt. Ist nicht hoch im Kurs. Drei Personen - ein Wesen - wer versteht denn so etwas? Wer braucht so etwas?

Hat Jesus nicht ganz einfach von Gott gesprochen? Einfach und klar, von seiner Güte und Liebe. Einfache Menschen konnten es verstehen. Da ist eine Sehnsucht nach einem einfachen Zugang zu Gott und ein Misstrauen gegen alles, was die Sache mit Gott kompliziert macht.

Nur das Leben ist nicht einfach. Es ist auch nicht kompliziert, aber vielfältig, manchmal abgründig, oft widersprüchlich.

So ist Gott einer, aber er ist nicht einlinig, nicht eindeutig, nicht eindimensional.

Kommst du nach St. Severin, dann erzählt die Kirche dir etwas davon, ganz einfach. Kommst du von der Wattseite. Dann spannt sie weiße Segel aus, drei Dreiecke und darüber steht der Turm. Dreimal drei entfaltet und der Turm steht da als einer. Ein Spiel mit der Dreizahl. Es ist durch Anbauten gewachsen. Und trotzdem hat es sich nicht einfach nur durch Zufall so ergeben.

Ganz sicher mit Umsicht gestaltet ist der Altar. Immer drei Apostel stehen nebeneinander. In der Mitte siehst du drei Gestalten Maria, Gott Vater, Bischof Severin. Aber schaust du genau hin, dann ist Gott Vater ja nicht allein - Vater, Sohn und Heiliger Geist. Früher schwebte eine Taube über ihnen.

Drei in der Mitte. Zwei daneben. Eine entfaltete Dreiheit.

Denn Gott ist niemals einsam und allein. Gott ist Liebe. Er redet nicht darüber, er schenkt sie nicht nur, er ist sie und lebt in ihr. Von allem Anfang an ist Gott in sich von Liebe bewegt. Da war am Anfang kein einsamer Schöpfer, der dachte bei sich, jetzt fange ich mal an. Und später als es so ganz anders lief, als er es sich vorgestellt hatte, schickte er Jesus, und irgendwie hat das auch noch mit Geist zu tun. Achtet einmal darauf, wenn gesprochen wird über Gott: Wie oft ist da die Vorstellung von einem einsamen Macher im Himmel. Dagegen sagt Trinität: Gott ist nicht einsam, sondern von Anfang an Vater und Sohn durch den Heiligen Geist in Liebe verbunden, bewegt, einer im andern. -

Gott ist in sich vielfältig, genau wie du, denn du bist ja sein Ebenbild. Du kannst viele Rollen einnehmen, bist jeweils ein anderer. Bist Sohn, Vater, Großvater, Mutter, Großmutter, Tochter, Kind. Bist erwachsener Mensch, trägst in dir immer noch ein Kind, bist Künstler, Träumerin, Geschichtenerzähler, bist ein anderer im Beruf, in den Ferien -

Du kannst dir selbst fremd werden. Bist selbst ein Ich und Du - das Fremde in Dir.

Du bist der Dirigent, Dirigentin in einem ganzen Orchester, kannst dich immer weiter üben in der Kunst, sich an Fülle zu freuen, die Vielfalt zu leben, in allen Menschen das Abbild Gottes zu erkennen. Denn alles was Trinität will, ist Liebe zu wecken, Frieden zu ermöglichen, und der Kraft aufzuhelfen, dass wir in Frieden mitenander leben.

Wir tun uns damit schwer. Gerade weil die Welt zerstritten ist, soll Gott Klarheit bringen. Das ist eine Sehnsucht: Die Klarheit des Himmels. Eindeutig möge alles sein, was von Gott ausgeht. Licht und Klarheit. Redest du aber vom Licht, hast du auch Schatten und Finsternis. Schon hast du ein Gegeneinander. Schon gibt es Kinder des Lichts, die Kinder der Finsternis. Hast du einen Gott, der absolut und eindeutig etwas will, dann gerät man zwangsläufig in ein Gegeneinander, einen Dualismus, die allergrößte Gefahr von Religion. Hinein in ein Gegeneinander. Wir sind mitten drin ,- sehen all den Schrecken. Im Großen wie im Kleinen. In Gott gibt es keine Kinder des Lichts und der Finsternis. Kein eindeutig gut und böse, erlöst oder verworfen. Gott ist nicht eindeutig, schon gar nicht dualistisch, das eine macht ihn einsam, das andere sät Zwietracht,

Er ist dreifaltig, er ist vielfältig, denn er ist lebendig. Und suchst du im Glauben den Weg zum Frieden, ist es gut zu bedenken, alle Religionen wissen: Wer Gott auf den Punkt bringt, hat ihn verloren. Alle Religionen üben sich darin, die Vielfalt Gottes zu denken. Auch im Islam - wo der Gedanke an die Trinität ja mit Schrecken verbunden ist - werden die 99 Namen Gottes verehrt 3x33, und die sind widersprüchlich. Die Hindus verehren Brahma, Vishnu und Shiva. Die Juden erzählen wunderbare Legenden. Was bei uns Heiliger Geist ist, ist bei ihnen die Schechina. Nachdem Adam und Eva aus dem Paradies vertrieben waren, war Gott so traurig, dass die Welt vergangen wäre. Da fand sich die ganze Schöpfung, und all ihre Schönheit zusammen, und sie wurde zu einer schönen Frau, der Schechina, die Seele der Schöpfung, die Geliebte Gottes, die ihn tröstet, wenn er an der Welt verzweifeln möchte. Manche Mystiker trauen sich, so von Gott zu reden.

Eine Ahnung verbindet alle Religionen: Gott ist in sich nicht einsam und allein. Gott ist in sich bewegt.

Wir Christen sagen Vater, Sohn und Heiliger Geist und müssen es füllen mit 99 Namen mit allen Geschichten der Bibel, mit Legenden, mit unseren Erfahrungen. Es lädt uns ein - Dreifaltigkeit hat etwas Spielerisches. Und es ist eine Freude zu spielen, die Dreizahl all überall zu finden, zu entdecken, zu ahnen, warum ist es wohl die heilige Zahl? Weil sich alles ergänzt, weil nichts allein ist: Sonne, Licht und ihr Wärme, Quelle, Fluss und Meer, Du selbst: Körper, Seele Geist,

In allem möge dir aufgehen: Das Leben beginnt nicht allein, nicht einsam, auch nicht zweisam, sondern zwei von Liebe erfüllt, bringen neues hervor. So schaffen Gott und Christus vom Geist bewegt eine wunderbare Welt.

Und neben ihnen stehen hier vorn auf dem Altar Maria, Severin und die Apostel. Und alles haben etwas in der Hand: Maria das Kind, Severin seinen Bischofsstab, die Apostel ein Symbol Johannes den Kelch, Jakobus die Muschel.-

Die anderen Apostel haben ihre Symbole verloren. Aber auch so predigen sie mit. Denn es ist offen, was du in die Hand nimmst, was Gott dir anvertraut: eine Aufgabe, dein Leben, einen Menschen, du und das andere, was du in die Hand in dein Leben hineinnimmst, es möge sich mit Liebe verbinden, du mögest in der Nähe Gottes sein, und seine Nähe möge dich mit seiner Liebe erfüllen, dass lebendig wird, Neues hervorbringt, was du in die Hand nimmst. Dass da nicht einfach nur neben dir andere sind, sondern ihr miteinander verbunden seid. Dass deine Gedanken nicht allein bleiben, sondern sich verbünden, hin und hergehen, mit Geist erfüllt. Das alles schenkt die Nähe Gottes, denn Gott ist so: Von Liebe erfüllt, bewegt und überfließend. Er gebe euch reichlich: Dreifaltig vielfältig und dazu seinen Frieden höher als alle Vernunft

Amen.

 


 
 
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