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Keitumer Predigten 2007
Predigt am Sonntag Sexagesima am 11.02.2007
(Pastorin Susanne Zingel)
Das Wort, das lebendig macht Jesaja 55, 7-10
Der Gottlose lasse von seinem Wege und der Übeltäter von seinen Gedanken und bekehre sich zum HERRN, so wird er sich seiner erbarmen, und zu unserm Gott, denn bei ihm ist viel Vergebung. Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der HERR, sondern soviel der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken. Denn gleichwie der Regen und Schnee vom Himmel fällt und nicht wieder dahin zurückkehrt, sondern feuchtet die Erde und macht sie fruchtbar und läßt wachsen, daß sie gibt Samen, zu säen, und Brot, zu essen.
Gnade sei mit euch und Friede von dem der da war, der da ist und der da kommt. Amen
Liebe Gemeinde,
Das eigene Wort,
wer holt es zurück,
das lebendige
eben noch
ungesprochene
Wort?
Wo das Wort vorbeifliegt
verdorren die Gräser,
werden die Blätter gelb,
fällt Schnee.
Ein Vogel käme dir wieder.
Nicht dein Wort,
das eben noch ungesagte,
in deinen Mund.
Du schickst andere Worte
hinterdrein,
Worte mit bunten, weichen Federn.
Das Wort ist schneller,
das schwarze Wort.
Es kommt immer an,
es hört nicht auf,
anzukommen.
Besser ein Messer als ein Wort.
Ein Messer kann stumpf sein.
Ein Messer trifft oft
am Herzen vorbei.
Nicht das Wort.
Am Ende ist das Wort,
immer
am Ende
das Wort.
Hilde Domin beschreibt eine Realität: Verletzende Worte entfalten eine viel größere Kraft unter uns als andere Worte. Verletzende Worte bleiben immer haften,
Verletzende Worte lassen spüren, wie viel Kraft und Macht in Worten liegen kann. Sie können einen verfolgen, bringen dich um den Schlaf. Sie tauchen viel später noch aus irgendwelchen Tiefen immer wieder auf. Es ist vergeblich, andere Worte hinterherzuschicken, Entschuldigungen, Erklärungen: "es war unbedacht, nur herausgerutscht." Es kann dir noch so leid tun. Du bekommst es nicht zurück.
Verletzende Worte graben sich am tiefsten ein.
Dabei können Worte auch heilen und trösten. Sie können einen anderen Menschen schön machen. Worte können befreien und erlösen und heilen. Aber darin sind wir keine Meister. Es scheint oft genug, als wenn wir alle dagegen an arbeiten. Als wenn wir uns überreden wollen, dass Worte nicht so wichtig sind, dass wir sie nicht so wichtig nehmen sollen. Das tun wir - paradoxerweise - indem wir weiter und weiter und weiter reden. Wir reden und reden und reden. Es gibt heutzutage eine Inflation der Worte. Noch nie wurde soviel kommuniziert, kommentiert, getratscht und geklatscht. Mit dummem Gerede kann man viel Geld verdienen in Talkshows und Containern. Es ist auch nicht umsonst, SMS zu verschicken. Das Handy klingelt allüberall. Das meiste, was da hin und her geschickt wird, ist überhaupt nicht wichtig. Wir glauben nicht mehr, dass das, was wir sagen, wichtig ist.
Es gibt soviel Gerede, das zuletzt gar nichts mehr bleibt.
Und trotzdem: Jedes Wort hat eine Wirkung, und wenn es nur sinnlos weiterwebt einen grauen Klangteppich, auch das ist eine Wirkung.
Jesus sagt: "Jedes Wort, das du sagst, hat eine Wirkung. Am letzten aller Tage wirst du gefragt nach jedem unnützen Wort."
Am letzten aller Tage wirst du gerechtfertigt aus deinen Worten. Wir glauben das nicht, sonst würden wir achtsamer sein mit unseren Worten. Wir schätzen das Wort nicht so hoch. Wir kennen die Vorstellung: Gerechtfertigt aus Glauben. nicht aus Werken. Aber aus Worten? Das ist vergessen.
Jedes deiner Worte hat Gewicht und zählt. Jedes Wort verhindert etwas, oder es ermöglicht etwas. Jedes deiner Worte bewegt etwas zum Guten oder bewirkt, dass diese Welt im Oberflächlichen, im Banalen einfach stecken bleibt.
Das ist keine neue Geschichte, sondern ist Menschengeschichtsalt. Schon im Exil in Babylon predigt der Jesajaprophet an gegen ein trostloses Gerede. Er hielt seinen Leuten vor: mit all eurem Gerde redet ihr an gegen die Verheißungen Gottes. Ihr redet und redet, um euch zu überzeugen, es gibt keine großen wahren Worte, keine Verheißung. Ihr redet, weil euch ein seltsamer Zwang beherrscht, sich die große Hoffnung auszureden, die Wahrheit klein zu reden.
Aber Gott spricht: Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, sondern soviel der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken. Denn gleichwie der Regen und Schnee vom Himmel fällt und nicht wieder dahin zurückkehrt, sondern feuchtet die Erde und macht sie fruchtbar und lässt wachsen, dass sie gibt Samen, zu säen, und Brot, zu essen, so soll das Wort, das aus meinem Munde geht, auch sein: Es wird nicht wieder leer zu mir zurückkommen, sondern wird tun, was mir gefällt, und ihm wird gelingen, wozu ich es sende.
Das Wort Gottes ist niemals vergeblich. Gott redet nicht so einfach vor sich hin, plaudert hier ein wenig, unterhält sich dort ein Weilchen, äußert eine Idee. guckt, wie sie bei uns Menschen ankommt, versucht es mit einer anderen Idee. Gottes Wort bleibt und verfehlt seine Wirkung nicht: Gott sprach: "Es werde Licht. Und es ward Licht." "Am Anfang war das Wort und am Ende ist das Wort." Zu lesen auf der Titelseite der ZEIT, dieser Woche und zugleich ein Zitat aus dem Hilde Domin Gedicht, dazu auch eine Variante zu Johannes 1: Am Anfang war das Wort. Am Ende ist das Wort. Gottes Wort A und O, Anfangund Ende.
Gott spricht wie wir und doch ganz anders, himmelhoch. Gottes Wort geschieht, indem Gott spricht. Wir sind da, weil Gott uns in dieses Leben gerufen hat, und er sagte: Ja, ich will, und ich will auch etwas von euch und mit euch.
Bei Gott gibt es kein Gerede, kein hin und her, kein Vielleicht, kein Könnte und Wollte und Hätte. Sein Wort ist schärfer als ein Schwert, es klärt und unterscheidet und hält souverän fest: Mein Wort wird nicht leer zurückkommen, sondern wird tun, wozu ich es sende.
Dass wir nicht in in einem fort gegenanreden, und lieber festhalten an dem Gefühl von Vergeblichkeit, als an der besonderen Würde, die Gott uns verleiht. Der Würde, dass seine Gedanken einen Widerhall in unserem Denken haben, dass uns etwas bewusst werden kann von seinen Wegen, und wenn wir es nicht zerreden, sondern innehalten, Stille zulassen, kann es sein, dass es uns aufgeht.
Dass da immer noch etwas in uns ist, was glaubt. Es ist nicht unmöglich, dass Menschen im Frieden miteinander leben, es ist nicht unmöglich, das zu leben, was du wirklich willst. Es ist möglich, im Einvernehmen mit der Schöpfung zu leben. Der Weg zum Himmelreich mag weit sein, aber er ist nicht unmöglich, denn Gott hat es für sich beschlossen als Ziel seiner Wege, und Gott kommt an, das steht fest.
Dass auch wir mit dabei sind, dazu gebe Gott uns seinen Geist und seine Klarheit, dass wir ihm nicht im Wege stehen, dass wir nicht wegreden und klein machen, sondern das unsere Gedanken und unsere Worte mitwirken, dass das was heute unmöglich scheint, wirklich wird durch seinen Frieden, der höher ist als alle Vernunft und unsere Herzen und Sinne bewahrt in Christus Jesus unserm Herrn. Amen
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