St. Severin Kirche zu Keitum
                                                                                                                                                                                                  
 

   
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Keitumer Predigten 2006

Gründonnerstag, den 13. April 2006

(Pastorin Susanne Zingel)

Ein Vorgeschmack auf's Himmelreich

Lukas 22, 14-20

"Und als die Stunde kam, setzte er sich nieder und die Apostel mit ihm. Und er sprach zu ihnen: Mich hat herzlich verlangt, dies Passalamm mit euch zu essen, ehe ich leide. Denn ich sage euch, daß ich es nicht mehr essen werde, bis es erfüllt wird im Reich Gottes. Und er nahm den Kelch, dankte und sprach: Nehmt ihn und teilt ihn unter euch; 18denn ich sage euch: Ich werde von nun an nicht trinken von dem Gewächs des Weinstocks, bis das Reich Gottes kommt.

Und er nahm das Brot, dankte und brach's und gab's ihnen und sprach: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das tut zu meinem Gedächtnis. Desgleichen auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird!"

Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da war, der da ist und der da kommt.

Liebe Gemeinde,

es ist noch nicht so lange her, da wurde in evangelischen Gemeinden Abendmahl nur an zwei Tagen gefeiert, nur am Karfreitag und am Buß- und Bettag. Liest man Gebete und Agenden von damals, dann geht es im Abendmahl ausschließlich um Sündenschuld, Beichte und Vergebung.

Eine düstere Stimmung breitet sich aus, Karfreitagsstimmung: Durch Jesu Tod, durch sein Blut wird der Sünder wieder rein. So sicher kann er aber sich da auch nicht sein. Tritt einer unwürdig an den Tisch des Herrn, dann isst er es sich zum Gericht.

Mit solchen Gedanken hat man viele verschreckt und abgeschreckt. Da kann man eigentlich froh sein, dass es nur zweimal im Jahr so gefeiert wurde, sonst hätte sich diese Haltung dem Abendmahl noch weiter durchgesetzt. Denn so wird das Abendmahl verdreht und entstellt. Wie auch immer es zu verstehen ist: Jesus hat es eingesetzt als eine Quelle von Heil und von Trost, seinen Jüngern eine Hilfe, eine Erinnerung, ein letztes Wort, das so tief die Seele berührt, dass es einen nicht wieder verlässt.

Wir haben die Lesung gehört. Haben Sie da etwas gehört von Sündenvergebung? Bei Lukas wird davon nichts überliefert. Auch nicht bei Markus, Johannes, oder Paulus. Nur bei Matthäus heißt es: "Trinket alle daraus: Das ist mein Blut des Bundes, das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden." Bei Matthäus kommt der Gedanke auf, denn in seinem Evangelium geht es um den Weg der Gerechtigkeit.

Bei den anderen neutestamentlichen Berichten spielt es dagegen gar keine Rolle. Dafür haben sie alle gemeinsam einen Gedanken, der aber ganz verloren ging.

Da sagt Jesus: "Mich hat herzlich verlangt, mit euch dies Passamahl zu essen. Es ist für mich das letzte Mal, aber wir werden es wieder feiern im Reich Gottes."

Und genauso sagte er: "Kommt, trinkt mit mir aus diesem Kelch. Ich trinke ihn jetzt zum letzten Mal, aber ich werde ihn wieder trinken mit euch im Himmelreich."

Bei Lukas ist es am deutlichsten, aber allen anderen auch noch zu sehen.

Wenn Jesus Abendmahl feierte, ist die Vergangenheit gegenwärtig, Gottes Güte vom Anfang, Gottes Segen für sein Volk, das ist gegenwärtig. Aber auch alles, was kommt. Die Zukunft ist jetzt schon da. Die Ewigkeit im Raum. Das, was bleibt in alle Ewigkeit. Gott selbst ist gegenwärtig.

So hat Jesus gelebt und gefeiert. Das Abendmahl war ja kein einmaliges Ereignis. Wo Jesus war, versammelten sich Menschen um einen Tisch. Sein Ruf eilte ihm voraus. Es gab Leute, die überschlugen sich, ihn einzuladen. Die einen fanden es schick. Es soll Frauen gegeben haben, die ihr ganzes Vermögen ausgaben. Andere, wie Zachäus, wurden völlig überrumpelt. "Steig vom Baum herunter, heute will ich bei dir einkehren." An diesen Abenden erzählte er seine Gleichnisse, zB das Gleichnis vom großen Gastmahl:

Die geladenen Gäste kommen nicht, sie haben gerade geheiratet, ein Stück Land gekauft, ein Paar Ochsen. Sie bitten: Entschuldige mich! So geht und holt alle, die da sind, holt sie von den Hecken und den Zäunen. Und so kam jeden Abend ein buntes Volk zusammen. Und mehr als einmal sagte Jesus: "Seht, wie wir hier zusammen sind. So wird es sein im Himmelreich. Sie werden kommen von Osten und Westen, von Norden und von Süden und sie werden sitzen alle an einem Tisch im Reiche Gottes. Und selig, wer sein Brot isst im Reiche Gottes."

Jesus hat geglaubt, dass das Reich Gottes unmittelbar bevorsteht. "Kehrt um und glaubt an das Evangelium, denn das Himmelreich ist nahe." Die nach ihm kamen, glaubten das auch. Manche noch viel glühender, manche wurden sogar fanatisch, denn sie konnten nicht das, was Jesus konnte: Die Zukunft in die Gegenwart holen.

Wenn du weißt, wie es sein wird im Himmelreich, dann kannst du jetzt damit anfangen. Nichts und niemand kann dich hindern. Du wirst die Kraft Gottes spüren und seine Gegenwart. Seine Liebe, Fülle, auch Vergebung. So lud Jesus Menschen an einen Tisch. Und als sie zusammen saßen: Menschen, die sich sonst nicht ansehen, und plötzlich zusammen redeten, lachten, sich das Leben gönnten, war das Himmelreich mitten unter ihnen.

Jesus konnte das. Er hat es sich nicht ausgedacht. Er war verbunden mit den alten Geschichten. Er kannte die Passageschichte: Das Volk zieht in die Freiheit, sie sitzen noch einmal um den Tisch herum, das Brot ist nicht fertig geworden, aber es schmeckt schon wie das Brot der Freiheit. Sie sitzen in Hut und Mantel, brechen auf, und sie werden ankommen. Denn die Seele sieht schon jetzt das Land der Freiheit.

Und deine Seele soll es sehen, wenn du Abendmahl feierst.

Christus konnte weit über sich hinaussehen.

An seinem letzten Abend sah er in großer Klarheit Zukunft und Heil. Er sah aber auch seine Jünger ohne ihn. Er sah die Tische immer kleiner werden, nur die Freunde, nur Vertraute, nur die Familie, nur der Priester nimmt den Kelch, das ganze nur noch zur Vergebung der Sünden. Aber so ist das kein Vorgeschmack aufs Himmelreich.

Und er nahm das Brot, und er nahm den Kelch. "Einmal noch teile ich es mit euch. Es war für mich das Kostbarste, das Schönste. Erinnert euch daran und tut es zu meinem Gedächtnis!

Ich selbst war wie ein Brot. Ich habe alles hingegeben. Am Ende habe ich nichts in der Hand. Und doch, Gott selbst wird vollenden, was ich hier begonnen habe.

Mein Leben war wie ein Kelch voll Wein. Alle konnten kommen: Kommt zu mir. Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke."

Und wie viele sind gekommen, und zuletzt… was bleibt davon . . .

Ich sage Euch, es war erst der Anfang. Kommt trinkt mit mir den letzten Kelch, den nächsten wird uns Gott in seinem Reich füllen!

So tröstete Christus seine Jünger und machte ihren letzten gemeinsamen Abend zu einem Fest. So ist er bei uns, wenn wir Brot und Wein teilen. Es ist nicht einfach vergangen, es ist gegenwärtig, und es lässt uns ahnen, was kommt, wenn Gottes Verheißungen sich erfüllen.

Amen

 

 


 
 
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