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Keitumer Predigten 2006
15. Januar 2006
(Pastorin Susanne Zingel)
Predigttext 1. Korinther 2,1-10
Liebe Geschwister erinnert euch, als ich zu euch kam, kam ich nicht mit hohen Worten und hoher Weisheit, euch das Geheimnis Gottes zu verkündigen. Denn ich hielt es für richtig, unter euch nichts zu wissen als allein Jesus Christus, den Gekreuzigten.
Und ich war bei euch in Schwachheit und in Furcht und mit großem Zittern; und mein Wort und meine Predigt geschahen nicht mit überredenden Worten menschlicher Weisheit, sondern in Erweisung des Geistes und der Kraft, damit euer Glaube nicht stehe auf Menschenweisheit, sondern auf Gottes Kraft. Wovon wir aber reden, das ist dennoch Weisheit bei den Vollkommenen; nicht eine Weisheit dieser Welt, auch nicht der Herrscher dieser Welt, die vergehen. Sondern wir reden von der Weisheit Gottes, die im Geheimnis verborgen ist, die keiner von den Herrschern dieser Welt erkannt hat; denn wenn sie die erkannt hätten, so hätten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt. Sondern es ist gekommen, wie geschrieben steht (Jesaja 64,3): "Was kein Auge gesehen hat und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben."
Uns aber hat es Gott offenbart durch seinen Geist; denn der Geist erforscht alle Dinge, auch die Tiefen der Gottheit.
Friede sei mit euch von dem, der da war, der da ist und der da kommt
Liebe Gemeinde!
Die heiligen drei Könige, die Weisen aus dem Morgenland sind unterwegs wieder auf ihrem Weg nach Hause. Wie werden sie das ihren Leuten zu Hause erklären? Wir haben ein Kind im Stall gefunden. Wir haben es gesehen und wir wussten, es ist der Heiland der Welt. Wer wird ihnen glauben? Für die meisten zu Hause haben sie sich zum Narren gemacht, sind Narren um Christi willen. Aber sie sind nicht die ersten. Davor steht schon Josef: "Dies Kind macht mich zum Gespött im ganzen Dorf", fürchtet er und schläft ein voller Sorgen. Er schlief und träumte, und ein Engel kam und sagte: Dies Kind ist ein Kind von Gott gesandt. Du bist der Vater, der Gott auf die Welt hilft. Und Josef glaubte und ließ die anderen reden.
Gottesgeschichten erzählen immer wieder davon: Wie Menschen, die sich auf Gott einlassen, die Christus annehmen, ihm nachfolgen, wie die sich zum Narren machen.
Paulus sagt: "Ich bin zum Gespött der Leute geworden, aber was kümmert es mich, wenn mich die Weisheit Gottes behütet." Paulus war ja der vornehme Weise, der sich alles reiflich überlegte. Er war theologisch fein gebildet, in seinen Kreisen wohl geachtet. Dann trifft ihn ein Blitz, er steht auf und verkündet Christus, den Gekreuzigten, zieht über Land auf die Märkte, wird ausgelacht, macht sich zum Narren und hält unbeirrt daran fest: "Christus gekreuzigt und auferstanden, ist die Weisheit Gottes, von der die Welt nichts hören will. In all ihrer Klugheit hat die Welt die Weisheit Gottes nicht gefunden."
Es geht schon damit los, dass wir in der Weisheit immer etwas Altes sehen. Der Weise ist alt. Es ist ein weiter Weg, ein schwerer Weg, Übermut und Leichtsinn, vieles musst du in dir überwinden, mäßigen, kultivieren, verstehen, das dauert, darüber wird einer alt, glauben wir.
Jesus sagt dagegen: "Wisst ihr nichts von der Weisheit der Kinder? Sie erzählen von Gottes Wahrheit." Die Weisheit Gottes war da von allem Anfang an. Im Buch der Sprüche wird es erzählt, sie war bei Gott wie ein kleines Kind, sie spielte und tanzte. Und alles war sehr leicht. Am aller ersten Anfang wurde die Weisheit in Gott geboren. Gott und die Weisheit haben alles geschaffen, und es war keine Arbeit Es war ihnen ein Leichtes. Die Weisheit tanzte. Sie spielten zusammen. Sie erzählten sich ihre Ideen, und ein Wort gab das andere. Die Weisheit war übermütig, anmutig. Es erschien am Himmel der erste Regenbogen, und die Weisheit rief noch einmal. Die Weisheit lachte, und Gott fiel immer etwas Neues ein. Sie erfüllte Gott mit Liebe, mit Lust und Freude.
Warum uns diese Leichtigkeit verloren gegangen ist, ist nicht zu erklären. Es ist so wenig zu erklären, wie das verlorene Paradies, aber die Ahnung, was es ist, die bleibt, und die Weisheit ist nicht verschwunden. Sie sieht nur anders aus, als wir meinen. In all ihrer Klugheit dieser Welt sind wir nicht weise geworden. Davon wäre lange zu reden:
Ihr könnt heilen, aber die Kranken können sich die Medizin nicht leisten.
Ihr habt Speicher ohne Ende, aber die Menschen hungern.
Ihr wisst von allen Schrecken der Kriege und lernt doch nicht den Frieden.
Ihr könnt die Gewalten und Kräfte der Schöpfung erkunden und glaubt doch, ihr steht darüber.
In all ihrer Klugheit hat die Welt die Weisheit Gottes nicht gefunden. Und so wird alles schwer, macht ihr es euch schwer.
Es wird erzählt, dass Gott, um die Welt zu ertragen, jeden Tag sich eine Stunde frei nimmt. Dann spielt er im Meer mit den Walen. Hätte er das nicht, würde er die Freude verlieren und die Kraft.
Die Leichtigkeit der Weisheit Gottes geht nicht um in der Welt.
Und doch ist sie da, die Kinder können euch davon erzählen, und wenn ihr die nicht hören wollt, dann werden es euch die Steine erzählen. Die ganze Schöpfung weiß etwas von der Weisheit Gottes. Und die ist einfach und leicht: Dieses Leben ist ein Geschenk, eine Gnade, du bist hier, du wirst nichts mitnehmen, alles ist ein Geschenk. Das Kleine ist in Gottes Augen groß und kostbar. Gott ist in den Schwachen mächtig und sein Erbarmen ohne Ende.
Mit dieser Weisheit Gottes kam Christus in diese Welt. In ihm wählte Gott die Weisheit der Narren, um uns zu gewinnen, unser Herz zu bewegen, unsere Sicht der Dinge zu verändern: So kam Jesus. Wie ein Hofnarr verspottet er Benimm und jede Sitte. Wie ein wandernder Troubadour weiß er morgens nicht, wo er abends schlafen wird. Wie in einer großen Zirkusfamilie wird nicht gefragt nach Verwandtschaft, sondern aus Huren, Bettlern, Zöllner wird eine große Familie Gottes. Wie der Narr am Hof des Königs sagt er die Wahrheit, die keiner sich zu sagen traut. Seine Gegner müssen zornig abtreten, denn ein Wort gegen ihn, und sie machen sich selbst lächerlich
Wie ein Clown bei der Zirkusparade zieht er auf einem Esel in Jerusalem ein, er lacht über die Mächtigen. Zum Schluss wird er zum Spott in königliche Gewänder gekleidet, ein König ohne Macht, ein Reich nicht von dieser Welt - und doch die Wahrheit: Der Könige aller Könige, und sein Reich ist ohne Ende.
Wir richten uns ein in dieser Welt, und doch erzählen wir diese Geschichte bis heute. Wir versuchen, sie uns so zurechtzulegen, dass es zu uns passt: Aber diese Geschichte hat ein Eigenleben, denn sie ist wahr. Paulus weiß davon etwas zu erzählen. Sie kann dein Leben auf den Kopf stellen.
Gott ist ein lebendiger Gott, er kann Herzen bewegen, Menschen überreden und gewinnen. Das kann man nicht mit großen Worten machen, es ist einfach wahr. Das Kreuz ist kein Zeichen des Todes, sondern Weisheit zum Leben. Du musst weit heraustreten, um das zu begreifen. Und doch ist es ganz nah. - Es gibt kein heiles Leben. Und das, was andere, - was du an dir irritierend, beunruhigend, lächerlich, empfindest, das, was du schon hundertmal abstreifen wolltest, es kann gut sein, dass es dich tiefer mit Christus verbindet als alle frommen Gedanken. Dass es wachsen will, angenommen, geliebt, nicht nur ein kleiner Teil von dir, sondern deine Quelle von Weisheit und Liebe . . .
Wenn wir ein Kind taufen, dann segnen wird es mit dem Zeichen des Kreuzes: "Nimm hin das Zeichen des Kreuzes, denn du gehörst zu Jesus Christus, der war tot und lebt in alle Ewigkeit und du mit ihm."
Und jeder Gottesdienst endet mit dem Segen, das Kreuz über deinen Weg geschlagen: Geh im Frieden, denn Christus geht mit dir, - der König ohne Reich, der Menschen überredetet, der fischen ging, als es nichts zu fangen gab, der Paulus zum Narren gemacht hat. Da redete er und die Weisen und Klugen haben nur gelacht und gespottet Er findet nicht die richtigen Worte, aber wie soll man reden vom Geheimnis des Glaubens, ohne ins Stocken zu kommen? Wie soll man erklären, was höher ist als alle Vernunft, dass du im Kreuz die Kraft Gottes findest, den Anfang einer neue Welt? Wie soll man erklären, dass die Torheit Gottes weiser ist als alle Weisheit der Welt?
Sicher ist, je mehr der König ohne Reich, der Narr, von Gott gesandt dich in sein Reich hineinzieht, je mehr du dich ziehen lässt, umso weniger wirst du dich einordnen in die allgemeinen, schiefen Ordnungen dieser Welt.
Wer dem lebendigen Christus folgt, wird ein Anstoß sein, irritierend, beunruhigend, lächerlich. Ein Narr bin ich um Christi willen geworden, - da haben die anderen etwas zum Wundern, zum Spotten, zum Lachen. Aber was macht das dem, der schon schmeckt und sieht und fühlt die Seligkeit, die Jesus versprochen hat.
Die gebe uns Jesus in Fülle und in seinem Frieden, welcher höher ist als alle Vernunft, halte er uns verbunden in dem lebendigen Gott.
Amen
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