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Keitumer Predigten 2006
Ostersonntag, den 16. April 2006
(Pastorin Susanne Zingel)
Die Kraft der Auferstehung
Gnade sei mit euch und ein Lachen, ein Lächeln! Christus ist auferstanden! Er zaubere Freude in dein Herz! Amen
Liebe Gemeinde,
Die Kirche ist voll, wenn ihr nachher auszieht, dann überlegt euch, ob ihr gleich ganz schnell hinaus müsst. Oder kommt noch einmal hier nach vorn und seht unseren Stein.
Auch ihr da oben, auf der Empore. Ihr könnt ihn ja gar nicht sehen. Ein großer grauer Stein aus Fels gehauen, verbunden mit unserem Taufstein. Das ist der Osterstein.
Das ist der Stein, den sie vor Jesu Grab gewälzt hatten. Damit dachten sie, ist es vorbei.
Dieser Stein trennt den Tod und die Lebenden. Er ist so massiv, er ist so schwer. Hier wird sich nichts mehr bewegen. Die Mächtigen können wieder ruhig schlafen. Jesus ist tot. Der wird keine Unruhe mehr stiften, keinen Ärger mehr machen.
Irgendwie waren sie wohl doch unsicher. Denn immerhin stellen sie auch noch Wachen davor, den Tod zu bewachen.
Auch die Frauen am Morgen auf den Weg zum Grab machen sich Sorgen. Wer wälzt uns den Stein vom Grab. Es ist unmöglich, was sie vorhaben. Wer soll ihnen helfen. Die Soldaten bestimmt nicht. Trotzdem: wer liebt, der glaubt an Wunder und geht los. Wer liebt, dem begegnen Wunder. So kommen die Frauen ans Grab und der Stein ist fort, beiseite gerollt. Ein Stein fällt ihnen vom Herzen. Aber ein Schreck fährt ihnen in die Glieder, denn es kann nicht sein. Ein Stein bewegt sich nicht von allein.
Die Jünger sagten, es kann nicht sein. Ein Stein bewegt sich nicht von selbst. Dann war es der Engel, sagten die Frauen. Aber wer hat schon mal gesehen, wie ein Engel einen Stein beiseite schiebt? Das gibt es nicht. Es dauerte lange, bis die Jünger den Frauen glaubten. Sie liefen später selber zum Grab, fanden den Stein beiseite gerollt. Aber es brauchte noch viele gute Geschichten, um sie zu überzeugen.
Also erzähle ich euch zwei Geschichten, die erste haben wir selbst erlebt, wir waren dabei und können es bezeugen:
Wenn ihr nach vorn kommt, dann werdet ihr sehen, unser Osterstein ist nicht aus Felsen gehauen. Wir haben ihn gebaut. Du brauchst eine Passionszeit, um so einen Stein zu bauen. Ihr könnt kommen und staunen und ihr werdet euch fragen wie macht man das? Es waren ja schon ein paar vorher hier, und alle sagten: "Ich dachte, das ist ein richtiger Stein, aber der ist ja gar nicht echt. Der ist ja ganz leicht." Und dann gucken sie enttäuscht. Der ist nicht echt. Aber was habt ihr denn gedacht? Das ist der Osterstein. Der ist leicht geworden durch die Auferstehung. Jesus hat ihn angerührt, das hat ihn so leicht gemacht. Nun kann ihn ein Kind beiseite rollen.
Unser Osterstein ist leicht, denn darin sind hundert bunte Luftballons verborgen. Und hundert sind zu wenig. Nimm zwei- nimm lieber dreihundert! Frage freundlich herum, und vielleicht bekommst du die Luftballons auch geschenkt, so wie wir. Und dann fängst du an. Ach so, du brauchst einen Gemeindesaal, Luftpumpen und jede Menge Kinder. Dann pustet ihr die Ballons auf. Dreihundert Luftballons! Dann kannst du sehen, was die Kinder damit anfangen. Es dauert lange, bis du alles wieder eingefangen hast. Aber das Bild vergisst du nicht: Es gibt ein Lachen und Leuchten, Eintauchen und Wiederauftauchen, ein fröhliches Durcheinander. Dann versucht ihr, die Luftballons einzufangen und in eine große Folie zu wickeln. Das wird nichts. Denn wieder fängt ein Spiel an. Du brauchst mehrere Anläufe, denn mit einem Mal habt ihr einen fliegenden Teppich, oben Luftballons unten die Kinder. Und wenn der "Teppich" reißt und die Ballons wieder durcheinanderwirbeln, rufen alle: "Noch einmal!"
Und damit sind wir schon in der zweiten Geschichte von unserem Osterstein. In seinem Inneren ist er bunt und fröhlich. Und damit ist es der ganz echte Osterstein. Denn so war es am allerersten Anfang, als Gott die Welt schuf, da wurde mit dem allerersten Licht die Weisheit geboren. Immer war sie bei Gott, um ihn herum. Sie spielte wie ein Kind, sie tanzte und lachte, und hatte tausend Ideen, sie war übermütig und sie lachten, ein Wort gab das andere. Es erschien am Himmel der erste Regenbogen und die Weisheit rief noch einmal. Die Weisheit lachte und Gott fiel immer etwas Neues ein. Denn es war ein Glück. Und eine Leichtigkeit. so wurde alles, aus einem Spiel, alles was lebt. Gott sprach nur ein Wort, und die Weisheit klatschte in die Hände. So schufen sie alles: Alle Farben, das Licht, den Wind, die Sterne, alle Pflanzen, die Tiere von der kleinsten Ameise, sie schufen den Menschen. Aber auch die Berge, die Flüsse, die Steine, und alles ist lebendig, in jedem Geschöpf Lust und Freude und Liebe verborgen.
So ist auch der Stein geworden. Er ist so alt, dass er diesen Anfang vergessen hat, auch wie es dann weiterging, wie er hervorkam aus dem Inneren der Erde, wie er durch Eis und Kälte getrennt wurde von einem Berg, wie er wanderte unter dem Meer, unter Gletschern und der Erde. Jeder Stein ist lebendig, hat eine lange Geschichte, kommt von weither und trägt das ganze Geheimnis der Schöpfung in sich. Den Zauber, die Freude, den Übermut des Anfangs.
Mach an dieser Stelle eine kleine Pause und bedenke, du bist kein Stein! Aber wie oft vergessen wir unseren Anfang, das Wunder, dass du da bist, lebendig? Kleine Kinder werden verzückt bestaunt. Sie sind ein Wunder, aber du bist es auch. Du bist verbunden, dein Anfang ist ein Wunder, in dir ist lebendig die Weisheit und die Liebe, mit der Gott alles geschaffen hat. Und diese schöpferische Kraft, sie wirkt am Ostermorgen. Diese Kraft ist stärker als der Tod. Er wird erzählt: Am Ostermorgen arbeitete die ganze Schöpfung mit. Die Erde tat sich auf, sie schwankte und bebte, die Steine kamen ins Rollen sie wurden leicht, die Engel kamen herab, denn sie wollten nicht hinnehmen, dass Gottes Sohn so endet. So wie Gott am Anfang sprach: "Es werde licht," so sprach er, "Du, mein Kind, sollst leben." Das Wunder der Auferstehung ist verbunden mit dem allerersten Anfang.
Denn Gott nimmt nicht hin, was Menschen, Menschen antun, dass wir das Leben vertreiben, versteinern und vergessen. Jesus kam und erzählte von Gottes Schöpferfülle, seiner Liebe. Und die Kinder riefen "Halleluja!" und die Alten sagten, die Kinder sollen ruhig sein. Jesus hat es gesagt, als die Kinder zu laut waren: "Wenn die ruhig sein sollen, dann werden es die Steine herausschreien!" Sie haben versucht, Jesus für immer zum Schweigen zu bringen. Aber wenn Menschen das hinnehmen, sich damit abfinden, die Schöpfung hat es nicht hingenommen.
Denn Gott hat mit ihr in Liebe angefangen und wird sie in Liebe vollenden. Und es liegt nicht fest, wer wir sein werden,
Tote sind nicht tot, Steine auch nicht, sie können ins Rollen kommen. Und wir können leicht werden und lachen, und unser Leben lieben.
Es liegt nicht fest, was du bist, was du wirst. Aber dass du lebendig bist und nichts und niemand dich trennen kann von der Quelle des Lebens, das ist wahr. Steine erzählen von Heil und Güte und Schöpferglück. Lass es dir erzählen, es ist deine Geschichte, erzähl es weiter, stimm einfach ein, denn es ist wahr: "Jesus ist unser Trost und unser Leben!"
Amen
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