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Keitumer Predigten 2007
Predigt am 18. März 2007
(Pastor Jörg Reimann)
Freiheit
Predigttext: Galater 51-6
Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!
2 Siehe, ich, Paulus, sage euch: Wenn ihr euch beschneiden lasst, so wird euch Christus nichts nützen.
4 Ihr habt Christus verloren, die ihr durch das Gesetz gerecht werden wollt, und seid aus der Gnade gefallen.
5 Denn wir warten im Geist durch den Glauben auf die Gerechtigkeit, auf die man hoffen muss.
6 Denn in Christus Jesus gilt weder Beschneidung noch Unbeschnittensein etwas, sondern der Glaube, der durch die Liebe tätig ist.
13 Ihr aber, seid zur Freiheit berufen. Allein seht zu, dass ihr durch die Freiheit nicht dem Fleisch Raum gebt; sondern durch die Liebe diene einer dem andern.
Liebe Gemeinde!
Was bedeutet uns Freiheit. Wichtig wird sie uns, wenn sie fehlt. Wir leben doch recht frei. Freiheit war im Alten Testament besonders das Freiheitsstreben des Volkes Israel aus der Unterdrückung in Ägypten. Und der Weg, der dann zur besonderen Gottesbegegnung und Gottesbewahrung in der Wüste wurde und das Volk Israel mit Gott für alle Zeiten verband, dem Gott der sie aus Ägypten herausgeführt hat. Wie im erstem Gebot im vollständigen Text: „Ich bin der Herr dein Gott, der dich aus Ägyptenland geführt hat, du sollst keine anderen Götter haben neben mir.
Eine großartige Geschichte der Freiheit die da mit Gott beginnt. Aber mit der Freiheit ist es nicht so leicht. Das Volk Israel hat manche Unfreiheiten erleben müssen, durch die Perser und Babylonier beherrscht und ins Exil geführt, durch die Römer unterdrückt.
Aber dann kommt ein ganz besonderer Mensch, Jesus von Nazareth, gottgleich, ein Hoffnungsträger der Freiheitskämpfer, in der Bibel angekündigt als neuer Herrscher. Und viele denken, er bringt die Freiheit des Volkes von der Fremdherrschaft. Doch er stirbt, verraten, verurteilt, gequält, der letzten Freiheiten beraubt einen grausamen Tod.
Doch das ist erstaunlicherweise nicht das Ende der Freiheit, sondern der Anfang der Freiheit. Paulus schreibt hinterher: „Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschat auflegen.“ Dabei ging es um die Frage ob die Menschen damals erst Juden werden sollten um Christus für ihr Leben annehmen zu können. Und Paulus sagt: „Nicht schon wieder neue Gesetzte. Zur Freiheit hat Christus uns berufen. Es ist nicht nötig, dass ihr euch beschneidet, nicht rituell, und nicht in den Gedenken beschneidet unter das Gesetz der Thora. Denn das ist kein eigener Wert, sondern es gilt bei Christus der Glaube, der durch die Liebe tätig wird.
Wie ist es mit unserer Freiheit heute. Wir halten uns für frei, Glaubensfreiheit Pressefreiheit, Aufenthaltsfreiheit (in bestimmten Grenzen), freie Wahlen, jedenfalls bei uns.
„Freiheit, ist das einzige was zählt,“ singt Marius Müller Westerhagen und sein Lied wird mit besonderer Leidenschaft von allen gesungen, die die Wendezeit hautnah miterlebten, als dt.-dt. Unfreiheit aus Mauer und Todesstreifen aus Überwachung durch Staatssicherheit und Zensur überwunden wurden.
Aber im Alltags-Leben, in West und Ost nicht anders das tägliche Arbeitspensum, Schule, für den Partner oder die Familie sorgen, die Raten abbezahlen, Altersversorgung sichern, mit den Nachbarn auskommen. Wovon sind wir denn frei?
Immerhin frei von der Unterdrückung der Herrschenden, die Menschen wie Leibeigene oder Sklaven halten. Eine Herrschaftsform, seit Urzeiten. Weder Paulus, noch Martin Luther noch die Aufklärung haben dies überwinden können, bis zum Ende des Sklavenhandels in Amerika.
Aber hier setzt Christus ein. Der Wert der Menschen vor Gott ist gleich. Paulus schreibt: In Christus sind die Unterschiede aufgehoben. Es gibt nicht mehr Herr oder Knecht, Freie oder Sklave, Mann oder Frau als unterschiedliche Wertkategorien, ihr seid befreit zum Leben, bei Gott gibt es diese Unterschiede nicht. Vor Gott keine Angst zu haben, sondern, wie Jesus auffordert: „Sprecht zu Gott: ABBA, lieber Vater und sagt Gott, was ihr auf dem Herzen habt.“
Und so wie Paulus Gott durch Jesus den Menschen nahe bringt, so entdeckt Luther das wieder. Er selber, der so darunter gelitten hat unter dem Bild eines Gottes, der Gerechtigkeit fordert, dem keiner, der noch so asketisch lebt und im Gebet verweilt, alles einhalten könnte, was die 10 Gebote fordern. Luther hat daran gelitten, dass er immer wieder von Gott entfernt, sprich: sündig wurde.
Und die Kirche hatte diese Angst geschürt und hat dafür Ablasszahlungen propagiert. Da könnte man mit etwas Geld die Freiheit von den Sünden erkaufen für sich und sogar für die, die schon verstorben sind. Luther gelingt der Wandel. Er begreift, dass dieser Gott ganz anders ist. Nicht unsere Taten machen uns vor Gott gerecht, machen uns in Gottes Augen gut und richtig, sondern der Glaube. Nicht was der Mensch tut, sondern dass er sich in Verbindung zu Gott sieht, dass heißt: Glaubt, das ist das Wichtige.
Aber selbst dieser Glaube kann mir abhanden kommen.
Und das ist mir so wichtig für mich neu: Nicht durch Taten sondern durch Glaube, meint nicht nur meinen Glauben, sondern GOTT GLAUBT AN MICH, glaubt an meine Fähigkeiten, an das Gute in mir, was er in mich hineingelegt hat, Gott glaubt an mich, weil er weißt wie ich bin und wer ich bin, sein geliebtes Kind. Selbst wenn meine Taten nicht dem entsprechen was Gott sich für ein gutes Miteinander aller Menschen denkt.
In der Schrift Luther „Von der Freiheit eines Christenmenschen, 1520“ finden sich die zentralen Sätze: “Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarere Knecht aller Dinge und jedermann untertan.“
Bisher habe ich von der FRIEHT WOVON gesprochen, Freiheit von Unterdrückung, Abhängigkeiten und Angstmachen im Glauben. Diese Worte Luthers lenken zur FREIHEIT WOZU.
Frei sein „von“ ist eben nur eines, frei sein „zu“ ist worauf es ankommt. Wozu nutzte ich die Freiheit. Wozu nutze ich die Freiheit in meinem Leben. Wozu nutzte ich die Freiheit im Glauben, dass ich nun keine Angst mehr vor Gott haben muss, das er mein Tun für zu gering zu wenig oder falsch erachtet. Wozu nutze ich diese Freiheit. Und Luther hat das beantwortet: Zum Dienen, für die die es nötig brauchen, dass meint „jedermanns Knecht sein“.
Leider ist die Entscheidung in der Neuzeit oft anders ausgefallen. Da haben die Aufklärer so zur Freiheit aufgeklärt, dass das zur Freiheit von Gott wurde. Einer Freiheit die in den freien Raum führt und unsere Fragen nach dem WOHER und WOHIN ohne einen Gott nur notdürftig löst.
Paulus spricht vom Gesetz Christi unter dem wir stehen, und das meint die Nächstenliebe. Die tätige Hilfe und Fürsorge.
Auf der Wartburg, die Lutherstube wo Luther die Bibel ins deutsche übersetzte, damit Menschen in ihrer Sprache mitreden können und sich nie wieder Angst machen lassen vor Gott.
Auf der Wartburg aber auch für Hilfe und Fürsorge ein großes Beispiel in Bildern bewahrt, Elisabeth von Thüringen, geb. am 1207, also in diesem Jahr vor 800 Jahren. Wurde als ungarische Prinzessin mit dem Thüringischen Herrscher auf die Wartburg verheiratet und konnte mit ihrem Glauben nicht vereinbaren, dass sie in Reichtum lebte und um sie herum, die Menschen hungerten und krank waren ohne Arzt und Medizin. Sie verschenkte ihr Erbe, trug heimlich unter ihrem Gewand hinunter von der Burg zu den Armen was sie tragen konnte und brachte so die feine Gesellschaft gegen sich auf. (Rosenwunder). Als ihr Mann früh starb, wurde sie vom Hof verdrängt, der Sohn und Erbe, starb auf ungeklärte Weise aber immerhin durfte Sie in Marburg ein Hospital einrichten, 24-jährig starb sie. Ihre Weise zu helfen war wurde anerkannt, schon 4 Jahre nach ihrem Tod wurde sie heilig gesprochen und in aller Welt gibt es heute Elisabeth-Krankenhäuser, Heime, und Kirchen.
Obwohl sie nicht frei war hat sie die Freiheit genutzt. Die Freiheit eines Christenmenschen zu dienen zu helfen.
Und das kann uns anregen nachzudenken. Wofür nutzte ich meine Freiheit, meine freie Zeit, mein Geld, setzte ich es für die nächsten ein, wenigstens die Nächsten in meine Familie und in der kommenden Generation, wie setzte ich mich für die Gesellschaft ein außer den Steuern zu denen ich gezwungen bin, wie nutzte ich meine Freiheit für die Erhaltung der Natur, für die Bewahrung der Schöpfung von Gott und den Kampf gegen Hunger, Ungerechtigkeit und Armut.
Aber nicht weil ich Gott gefallen will und durch Werke, frei sein will von Sünden und Gewissensqualen, nicht als Handel mit Gott, sondern weil es Gott gibt, weil er mich liebt bin ich frei von Angst und frei zu handeln.
Dietrich Bonhoeffer Pastor der Bekennende Kirche in Nazideutschland, tätig im Widerstand. Ihm wird die Freiheit genommen, wie 100.000senden in den KZs auf grausamste und menschenverachtendste Weise. (Auch da in den Arbeitslagern hergestellte Raketen werden trickreich durch Sabotage untauglich gemacht.) Bonhoeffer wird verhaftet. Er nutzt sogar die Unfreiheit im Gefängnis, schreibt theologische Bücher mit einer großen Kraft bis heute, schreibt Briefe, betet, tröstet die Mitgefangenen und tritt dann aus der Zelle heraus, als er abgeholt wird zur Erschießung, aufrecht, wie ein freier Mann, so berichten Mithäftlinge, in einer Weise, die ihn als Freien dastehen lassen und die Schergen der Macht als Unfreie entlarven.
Wir haben die Freiheit des „wozu“, trotz der Zwänge und Unfreiheiten, Pflichten, Sachzwängen, Verantwortungen.
Nicht „davon“ frei zu werden ist das Ziel, sondern „darin“ frei zu werden zum Tun. Gott gibt uns diese Freiheit. Wir müssen sie uns nur nehmen. Frei zu werden von Sorge und Angst. Frei zu werden zum Tun, zur Hilfe, zur Nächstenliebe, zum Gebet, das Gebet hilft dabei so sehr. So erfüllen wir das Gesetz Christi, die Nächstenliebe.
Und ich möchte es noch einmal sagen, man kann es nicht oft genug hören, nicht die Tat ist die Voraussetzung für die Freiheit von Sünde, entfernt sein von Gott, sondern der Glaube ist die Verbindung zu Gott. Der unsichtbare Faden von dir zum Allerhöchsten.
Gott glaubt an dich.
NUTZE deine Freiheit. AMEN
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