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Keitumer Predigten 2006
Rogate, 21. 05. 2006
Pastorin Susanne Zingel
Seid beharrlich im Gebet und wacht in ihm mit Danksagung! Betet zugleich auch für uns, daß Gott uns eine Tür für das Wort auftue und wir das Geheimnis Christi sagen können. Lesung: Kolosser 4,2-3
Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da war, der da ist und der da kommt. Amen
Liebe Gemeinde!
Habt ihr gesehen, wie hell heute die Leuchter strahlen?
Sie sind wie neu. Sie sind hindurchgeputzt durch dreihundert Jahre. Nun strahlen sie wie am ersten Tag. Die Caritas, die Barmherzigkeit, leuchtet wieder. Die Putten und Engelchen haben geputzte Öhrchen und Hände. Und Zeus schwingt seinen Donnerkeil, dass man glaubt, gleich fängt es an zu blitzen. Die Leuchter strahlen so sehr, dass Ihr euch darin spiegeln könnt.
Unsere Kronleuchter strahlen wieder. Das haben wir Elske Vissen zu verdanken. Sie ist aus Emden angereist und hat dies kleine Wunder aus Tiefenglanz und Licht vollbracht. Ganz nebenbei hat sie uns dabei etwas gelehrt über das Geheimnis und die Kraft des Gebets.
Beten heißt ja: Du hältst inne. Du öffnest dich für die Gegenwart Gottes, stellst dich in sein Licht, in der Hoffnung, dass es dich verwandelt. Das Gebet ist wie das Putzen etwas sehr schlichtes. Du brauchst dafür nichts besonderes, einfach nur Zeit, innezuhalten, die Hände zu falten, stille zu werden. Und doch liegt im Gebet eine wunderbare geheimnisvolle Kraft.
Das Geheimnisvolle fasziniert heute viele. Aber die Lichtseite scheint nicht so spannend wie die dunkle Seite. Das erleben wir in der ganzen Aufregung um den Film zum "Sakrileg". Die Geheimnisse der Kirche bewegen Millionen. Dabei soll es um Abgründe gehen, Verrat und Verschwörung, geheimnisvolle Botschaften. Das hat es alles gegeben, wenn auch nicht so reißerisch. Aber die eigentlichen Geheimnisse des Glaubens bleiben so außen vor.
Denn da ist es sehr viel schlichter und geht doch um Abgründe. Nur meistens um ganz alltägliche. Denn die Jahre und die Zeit können viele Menschen in Abgründe treiben, können sie bitter machen. Der Gram der Jahre kann Menschen krank machen, ihr Leben verdunkeln. Das Gebet ist dagegen eine widerständige Kraft. Es hilft, dass die Seele keine trübe Patina ansetzt, dass sie lebendig bleibt und leuchtet, hofft und glaubt und liebt. Sich das zu bewahren ein Leben lang, dazu gehört Geduld und Liebe, Kraft, Genauigkeit, und dazu konnte man im Leuchterputzen viel lernen.
Seid beharrlich im Gebet, seid geduldig.
Man muss es gesehen haben, wie viel Geduld und Zeit und Liebe es braucht, bis eine kleine Krone, ein Engelchen wieder strahlt. Du musst es viermal putzen. Du wirst dabei einen feinen Widerstand spüren. Wenn der nicht mehr da ist, dann bist du auf der ursprünglichen Oberfläche. Dann musst du sofort aufhören, sonst verletzt du den Glanz. Es gab viele, die schauten herein und sagten, für so etwas gibt es doch heute Maschinen. Und dann wurde immer wieder von einem Tauchbad geredet. Reden wir nicht darüber, wie viel das kostet. Keine Maschine ist so fein wie ein Mensch mit Gefühl, Fingerspitzengefühl. So etwas Kostbares, vermacht von Vorfahren, braucht Liebe und Genauigkeit. Und darin spiegelt sich, wie Gott mit uns umgeht, uns zum Glänzen bringt. Fein und genau, zurückhaltend. Er ist vorsichtig mit uns und kennt unsere Widerstände. ER wartet geduldig auf uns. Gott kennt uns besser als wir uns selbst, unsere Dunkelheiten, unsere Hoffnungen und Lichtseiten.
Gott will dir helfen zu leuchten von innen und außen. Es sind ja nicht nur Worte: Ihr seid das Licht der Welt. Ein Mensch, der etwas in sich trägt vom Lichte Gottes, ist ein Segen. Und dieser Segen kann langsam wachsen, ein Leben lang im Öffnen für das Gespräch mit Gott, im Schweigen vor Gott.
Wieoft wird heute, wenn die Verkrampfung der Seele krankmacht, nach schneller Heilung gerufen. Sie kann gern etwas kosten. Sie soll nur schnell, effizient, gezielt wirken. Teure Therapie, Wunderheiler, Spezialist! Dabei braucht so vieles einfach nur Zeit, Aufmerksamkeit, einen der zuhört, der da bleibt.
Oft gilt es einfach nur, die Kränkung auszuhalten, dass es nichts Großartiges braucht. Es braucht nur Zeit, die Seele zu putzen, zu reinigen, sich Zeit zu nehmen für dich selbst und Gott dabei sein zu lassen. Es braucht Geduld, denn Gott ist kein Eins-zwei- drei- Wunderdoktor. Er kennt dein Leben von Anfang und Ende, er selbst ist von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Unsere Leuchter sind sehr alt, mitgebracht haben sie Kapitäne, die zurückkamen, die die gefährliche Fahrt durch das Nordmeer überstanden haben. In den Niederlandenh aben sie die Leuchter gekauft. Sie sind sehr kostbar. Nach langer Reise haben sie sie der Kirche gestiftet als Dank für eine glückliche Heimkehr. In jedem dieser Leuchter spiegeln sich ungezählte Gebete, Segenswünsche bei der Abreise, beim Abschied, Stoßgebete auf See. Die Familien hier, Frauen, Eltern, die Kinder, haben um Bewahrung gebetet, zu Hause, am Meer, hier in der Kirche. Und alle Dankgebete waren verbunden mit der Erinnerung, wie viele andere auf See geblieben sind.
Seid beharrlich im Gebet und wacht in Danksagung.
Wie viele lange Nächte haben Frauen, Mütter hier wohl wach gelegen, vom Sturm geweckt, haben zu den Sterne geschaut und gefragt, wie es um die Männer weit draußen steht. So sind unsere Leuchter ein Zeichen von Verbundenheit. Menschen weit voneinander getrennt sind doch im Gebet miteinander verbunden. Es ist die Liebe, die einen dabei wach hält, die einen dazu bringt zu hoffen und zu beten. Diese Liebe kann größer werden kann, wachsen und reifen. Sie kann durch das Gebet größere und immer weitere Kreise ziehen kann, so dass es dich verbindet nicht nur mit deinen Liebsten, sondern mit Menschen auf der ganzen Welt.
Ich finde es gut, dass unsere Kapitäne ein wenig daneben gelangt haben. Was haben sie sich bloß gedacht, als sie Leuchter mit dem Donnergott Zeus oder wohl mit Thor erstanden.
War das ihr Bild von Gott auf rauer See? Wollten sie ihren Pastor ein wenig herausfordern? Wollten sie ihm zeigen, Du weißt doch gar nicht, wie es da draußen zugeht, was da wirklich zählt. Oder war es damals einfach modern?
Es ist wie es ist. Und für uns gut. Denn wenn wir hier beten, dann sind wir verbunden mit Menschen in der ganzen Welt. Die beten auf vielerlei Weise, aber wo immer der Geist Gottes dabei ist, da beten sie um Frieden, um Bewahrung. Und je mehr sie beten, und je mehr wir uns der Kraft des Gebets anvertrauen, umso mehr hat Gott eine Chance zu wirken, barmherzig, voller Liebe und Geduld.
So bete ich, dass eine Tür aufgetan werde.
So dazu als letztes: Die ganze Kirche ist in den großen Leuchterkugeln zu sehen.
Sie wird verändert. In der goldenen Kugel wird sie zu einer kleinen Welt. Das ist wie ein Zeichen: Was wir hier tun in dieser kleinen Kirche, kann doch die ganze Welt umgreifen. Wir können Glaube, Hoffnung und Liebe aussenden und uns verbünden mit Menschen rund um die Welt, die ihre Bitten um Heil und Frieden vor Gott bringen. Wir können zu Gott beten, der die ganze Welt in Händen hält, und bitten um seinen Frieden höher als alle Vernunft. Amen
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