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Keitumer Predigten 22. April 2007
(Pastorin Heike Reimann)
„Büchertag“
Johannes 20,11-18: Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Während sie weinte, beugte sie sich in die Grabkammer hinein. Da sah sie zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, den einen dort, wo der Kopf, den anderen dort, wo die Füße des Leichnams Jesu gelegen hatten. Die Engel sagten zu ihr: Frau, warum weinst du? Sie antwortete ihnen: Man hat meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wohin man ihn gelegt hat. Als sie das gesagt hatte, wandte sie sich um und sah Jesus dastehen, wusste aber nicht, dass es Jesus war.
Jesus sagte zu ihr: Frau, warum weinst du? Wen suchst du? Sie meinte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm: Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast. Dann will ich ihn holen. Jesus sagte zu ihr: Maria! Da wandte sie sich ihm zu und sagte auf hebräisch zu ihm: Rabbuni!, das heißt: Meister. Jesus sagte zu ihr: Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu meinen Brüdern, und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott. Maria von Magdala ging zu den Jüngern und verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen. Und sie richtete aus, was er ihr gesagt hatte.
Liebe Gemeinde!
Vor vier Jahren war das Jahr der Bibel: Unter dem Motto „Suchen. Und Finden.“ sollte in einer großen ökumenischen Aktion das Bewusstsein der Menschen für das großartige Buch der Bücher gestärkt und die kulturelle Bedeutung der Bibel sichtbar gemacht werden.
Heute habe ich mir nicht ganz soviel vorgenommen. Nicht das Buch der Bücher, sondern ein Buch zum Weltbuchtag. Der Welttag des Buches (World Book and Copyright Day) ist seit 1995 ein von der UNESCO weltweit eingerichteter Feiertag für das Lesen, für Bücher, für die Kultur des geschriebenen Wortes und auch für die Rechte ihrer Autoren. Das Datum bezieht sich auf eine katalanische Tradition. An Sant Jordi, dem 23. April, wird in Katalonien traditionell der Tag der Verliebten und der Tag des Buches begangen. Man kauft Bücher für sich oder beschenkt auch seine Freunde mit einem Buch. Als Zeichen der Wertschätzung und Zuneigung schenkt man als Mann an diesem Tag seiner Frau, seinen (Paten-) Kindern, seiner Freundin etc. ein Buch und eine rote Rose.
Auf die Frage: Welches Buch lesen Sie am liebsten? Antwortete Bertolt Brecht: Sie werden lachen: die Bibel! So ähnlich geht es mir auch und so möchte ich Ihnen heute aus dem Buch der Bücher eine der bedeutendsten Frauengestalten im Neuen Testament, Maria Magdalena vorstellen, die mir immer viel bedeutet und Mut gemacht hat.
Wenn wir uns Jesus vorstellen, wie er in den Jahren seines öffentlichen Wirkens durch die Städte und Dörfer in Galiläa wanderte und Menschen vom Reich Gottes predigte, dann verbinden wir mit diesem Bild wohl meistens eine Gruppe von Männern, die mit ihm gemeinsam unterwegs war. Wir denken an die Jünger: Männer aus dem Volk, manche von ihnen Fischer von Beruf, die meisten aus der Gegend rund um den See Genezareth. Diese Männer folgten Jesus, weil sie von seiner Liebe und Barmherzigkeit zu den Menschen fasziniert waren. Sie ließen ihr eigentliches, ihr alltägliches Leben zurück, um Jesus ganz nahe zu sein.
Aber in dieser Gemeinschaft, die mit Jesus zusammen unterwegs war, gab es nicht nur Jünger. Es gab auch eine ganze Anzahl von Jüngerinnen, von denen wir nur einige namentlich kennen. So schreibt Lukas im 8. Kapitel seines Evangeliums in den Versen 1-3:
„ Und es begab sich danach, dass Jesus durch Städte und Dörfer zog und predigte und verkündigte das Evangelium vom Reich Gottes; und die Zwölf waren mit ihm, dazu einige Frauen, die er gesund gemacht hatte von bösen Geistern und Krankheiten, nämlich Maria, genannt Magdalena, von der sieben böse Geister ausgefahren waren, und Johanna, die Frau des Chuzas, eines Verwalters des Herodes, und Susanna und viele andere, die ihnen dienten mit ihrer Habe.“
Sehr knapp sind diese Informationen über die Jüngerinnen Jesu. Nur von dreien erfahren wir die Namen, obwohl, wie Lukas schreibt, noch viele andere mit Jesus unterwegs waren. Einige dieser Frauen müssen recht wohlhabend gewesen sein, denn sie „dienten mit ihrer Habe“, d.h. sie sorgten mit ihrem Geld für Essen und Trinken, Unterkunft und finanzielle Unterstützung für Jesus und seine Gefährten.
Das ist schon eine ungewöhnliche Situation: Frauen machen sich gemeinsam mit Jesus auf den Weg. Sie verlassen zumindest zeitweise ihre Familien, um sich ihm und seiner von Ort zu Ort wandernden Schar anzuschließen. Sie wollen dabei sein, wenn er Kranke heilt und den Armen das Evangelium predigt. Sie unterstützen ihn finanziell und gehen mit ihm nach Jerusalem. Unter ihnen ist Maria Magdalena.
Maria Magdalena oder besser gesagt: Maria aus Magdalena litt früher an einer schweren Geisteskrankheit. Sie lebte ein Leben wie unter schwarzen Schleiern. Sie hatte Depressionen. Maria hatte vermutlich Angst und war traurig, unfähig ihr Leben zu leben. Dann kam die Heilung. Und durch die Nähe Jesu, durch seinen Zuspruch ist der Bann von ihr gefallen. Die Heilung wurde zum Heil. Sie wurde wieder sie selbst, frei zu Gefühlen, Entscheidungen, frei, die Umwelt wieder zu erleben, frei, sich zu freuen und neu leben zu lernen. Aber sie kehrt nicht in ihr altes Leben, in die alten Verhältnisse zurück, sondern beginnt neu. Sie verlässt ihre Familie, ihre alte Existenz. Sie unterbricht nicht für einige Zeit ihren Beruf wie die Jünger, um Jesus auf der Wanderschaft zu begleiten. Sie gibt ihre ganze Existenz auf. Die Möglichkeit, irgendwann wieder nach Hause gehen zu können, wieder aufgenommen zu werden, ist für eine Frau damals nahezu unwahrscheinlich.
Maria ist beim Einzug in Jerusalem dabei und sie ist in der Nähe, als er beim Hohen Rat ist. Sie zeichnet sich aus durch Beständigkeit und Beharrlichkeit. Sie bleibt bei ihm, steht unter dem Kreuz. Und Maria bleibt auch, als sie den toten Jesus in Leinentüchern wickeln.
In der Bibel lesen wir, dass mit ihr nur noch zwei weitere Frauen unter dem Kreuz standen und Johannes. Ließen die Jünger Jesus in der Stunde seines Todes allein und nur die Frauen waren in seiner Nähe?
Richtig zu verstehen ist dies wohl nur, wenn wir uns vergegenwärtigen, wie die damalige Politik gegen alle als aufständisch Angesehenen aussah. Die Römer hatten als Besatzungsmacht das Sagen in Israel und als Strafe für Aufstand gegen die Besatzer wurde der Tod am Kreuz verhängt. Die Kreuzigung eines Menschen hatte schwere Konsequenzen für alle seine Verwandten und Freunde. Die Justiz bestimmte, dass ein gekreuzigter Verbrecher zur Abschreckung am Kreuz hängen bleiben sollte. Die Verweigerung der Bestattung war ein Teil der Strafe, die auch Freunde und Verwandte oder, wie im Fall Jesu, Anhänger treffen konnte. Deswegen wurden gekreuzigte Leichname von römischen Soldaten bewacht, damit niemand sie stehlen konnte. Wie die Bestattung, so war auch die Trauer verboten. Menschen, die über den Tod eines Hingerichteten öffentlich weinten, liefen Gefahr, selbst hingerichtet zu werden.
Zum Grab zu gehen war ebenfalls gefährlich, denn die Römer befürchteten, dass die Gräber hingerichteter Gegner des Reiches zur Wallfahrtsstätte von Gesinnungsgenossen werden könnten. Maria Magdalena machte sich auf den Weg, um den Leichnam Jesu zu salben. Eine letzte zärtliche Wohltat wollte sie damit dem geschundenen Leib Jesu erweisen.
Die Erfahrung, die Maria nun macht, haben sicherlich schon viele von uns gemacht. Die traurige Erfahrung, dass man für den geliebten Menschen nichts mehr tun kann. Nur seinen toten Leichnam kann man noch salben, ihm die letzte Ehre geben. Aber davon wird er nicht wieder lebendig. Immer wieder habe ich versucht, mir vorzustellen, wie es Maria ergangen ist. Immer wieder hat sie die Kreuzigung, den Tod Jesu vor Augen. Alle Hoffnung ist dahin. Vielleicht ist ihr Herz so schwer wie der Stein vor dem Grab. Es ist Nacht geworden. Nicht nur draußen, sondern auch innen in Maria ist es dunkel. Sie ist traurig, fast wie in der Zeit ihrer Krankheit. Sie ist einsam, denn Jesus fehlt ihr schon jetzt. Und noch im Dunkel vor dem Morgengrauen macht sie sich auf den Weg zum Grab. Dort möchte sie in seiner Nähe sein. Dort möchte sie sich vielleicht noch einmal an alles erinnern, was er gesagt und getan hat, kurz: an das Leben mit ihm. Dazu kann sie sich noch aufraffen. In aller Trauer und Verzweiflung sucht sie am Grab und in der Leichenpflege Halt und Sicherheit.
Noch hat sie keine Ahnung von der Auferstehung. Sie weint vor Trennungsschmerz: den Herrn ihres Lebens hat man ihr genommen. Als ob ihr der Tod erst jetzt ganz klar wird. Jesus ist nicht mehr! Noch schlimmer: auch sein Leib ist nicht mehr da. Und das bedeutet, dass sie nicht einmal hier am Grabe, an seiner letzten Ruhestätte zur Ruhe kommen kann, keinen Trost finden wird. Für Maria ist Jesus erst jetzt unwiederbringlich verloren und tot.
Plötzlich umstrahlt sie große Helligkeit. Licht von Gott dringt in ihr Dunkel. Zwei Engel, zwei Boten von Gott sitzen dort. Sie fragen Maria: Warum weinst du? Und Maria erklärt ganz genau, warum sie so entsetzlich traurig ist: Sie haben meinen Herrn weggenommen und ich weiß nicht, wo er ist. Und das ist das Problem! Mit dem Leichnam ist ihre letzte Hoffnung verschwunden. Alles Vertraute, alles woran sie festhalten konnte, ist verloren. Bis jetzt hat Maria den Schmerz ausgehalten, aber hier am offenen Grab verliert sie den Boden unter den Füßen. Nicht der tote Messias, erst jetzt der verlorengegangene Leib Jesu lässt sie verzweifeln.
Auf einmal steht Jesus vor ihr. Sie weiß nicht, dass er es ist. Auch er fragt sie: Warum weinst du? Wen suchst du denn? Maria ist blind vor Tränen. Sie kann gar nicht klar sehen. Sie tappt im Dunkel. Völlig verwirrt denkt Maria, es muss der Gärtner sein und deshalb fragt sie ihn: Hast du ihn fortgebracht? Sag es mir, damit ich hingehe und ihn hole.
Liebe Gemeinde! Das ist die Stärke und Beharrlichkeit Marias. Eben noch am Boden zerstört, flackert ein kleiner Hoffnungsschimmer in ihr auf. Sie will und kann nicht aufgeben. Sie kann ihn nicht lassen. Diese Hoffnung, die fast schon Utopie ist, diese Hoffnung, dass sich bis zum letzten Moment doch noch alles fügt, dass von irgendwoher doch noch Hilfe kommt. Und wenn es hier nur noch darum geht, den Leichnam wieder zu bekommen.
Da spricht Jesus sie an: Maria! Ein freudiger Schreck durchfährt sie. Jesus ruft sie bei ihrem Namen und daran erkennt sie ihn. Der vertraute Ton seiner Stimme dringt durch die Tränenwand und ihr wird klar, wer vor ihr steht. Nun braucht sie sich nicht mehr zu fürchten und zu sorgen. Jesus hat sie erlöst. Erlöst aus allen Zweifeln.
Jesus lebt. Dieser Satz wächst in Maria. Sie fällt ihm zu Füßen. Sie möchte ihn umarmen, spüren und festhalten. Ja, ich glaube, sie möchte ihn so festhalten, dass sie ihn nie wieder loslassen muss. Maria ist erlöst und erleichtert.
Ich weiß nicht, wie Maria es sich vorgestellt hat. Ich weiß nicht, wie sie sich das neue Leben mit Jesus denkt. Ob sie zu diesem Zeitpunkt überhaupt etwas denkt. Sicher ist für mich allerdings, dass sie außer sich vor Glück ist! Dieser unrealistische Wunsch, dass das Schreckliche nicht geschehen sein möge, dass alles wieder ist, wie es war, scheint in Erfüllung gegangen zu sein.
Doch die Zeit kann nicht zurückgedreht werden. Nichts kann so werden, wie es war und so nimmt auch diese Erzählung eine für Maria unerwartete Wendung. Jesus weist Maria ab. „Berühre mich nicht!“ Was soll das denn jetzt? Maria darf Jesu Leib nicht mehr berühren. Sie darf ihn nicht spontan umarmen, ihrer Liebe kein deutliches Ventil geben. Auch dabei wird Maria der Verlust noch einmal klar. Und erst jetzt wird der Auferstehungsgedanke denkbar.
Jesus ist auferstanden – Jesus lebt – Jesus ist bei Maria – Jesus ist bei uns.
Jesus ist auferstanden – nichts ist mehr so wie es war. Seine Liebe ist da. Er ist da. Gott ist da. Ganz nahe und für immer. Jesus ist auferstanden und der spontane Glaube Marias, so fest und ausdauernd er auch schien, muss sich verwandeln. Sie muss bereit sein, den Trennungsschmerz auszuhalten. Jesus lebt! So wird aus dem greifbaren Toten der begreifbare Auferstandene. Das Alte ist vergangen und das Neue beginnt. Marias Auferstehungsglaube heißt: Todesbilder verwandeln sich in Hoffnungsbilder. Schrecken und Angst wird es immer wieder geben, aber sie werden ihre Macht über uns verlieren. Jesus ist auferstanden und diese Tatsache macht froh und gibt Kraft. Jesus ist bei ihr und bei uns.
Maria war nun voller Tatendrang. Sie berichtete den Jüngern von der Auferstehung.
Leider wissen wir nur sehr wenig davon, wie es mit Maria weitergegangen ist. In der Bibel wird nichts davon berichtet, und doch inzwischen sind sich die Forscher einig, dass Maria eine wichtige Rolle gespielt hat. Für Augustin ist sie zur Apostelin der Apostel geworden und die ganze Kirchengeschichte hindurch hat dies Thema die Gemüter immer wieder erregt. Maria aus Magdala erlebt als erste den Auferstandenen! Sie ruft uns zu: Jesus lebt – Jesus ist wahrhaftig auferstanden! Petrus lässt sich vom leeren Grab überzeugen, aber bei Maria geht es weiter: Sie spricht mit dem Auferstandenen.
Liebe Gottesdienstgemeinde! Diese Frau hat uns viel zu sagen. Die geheilte Frau, die Freundschaft und Hingabe vereint. Diese Frau, die an der Erde und an ihren Beziehungen festhält und alle Hoffnungen ausschöpft. Eine Frau, die in Treue ihren Weg gegangen ist. Nicht nur bis unter das Kreuz, sondern auch dann noch weiter, bis zum Grab und von dort ermutigt und gestärkt zu den Jüngern zurück. Eine Frau, die darin die Auferstehung erfährt, dass sie sich von Angst und Verzweiflung nicht lähmen lassen muss, sondern die es lernt, sich zu öffnen und den neuen Weg zu gehen. Diese Frau weiß wovon sie spricht, wenn sie uns zuruft: Christus ist auferstanden!
Marias Hoffnung, die immer wieder aufflackert ist für mich das Bild für Auferstehungsglaube.
Maria war die Frau, die Jesus am nächsten stand. Sie erhielt von Jesus den Auftrag, seinen Jüngern diese frohe Botschaft zu überbringen. Sie wird damit zur ersten Zeugin seiner Auferstehung, zu der ersten Predigerin des Evangeliums.
-----Wie sähe unsere evangelische Kirche wohl heute aus, wenn wir diesem Modell von Frauen als Predigerinnen und Männern als Zuhörern in der 2000 jährigen Geschichte der Kirche gefolgt wären! Für uns Protestanten ist es fast selbstverständlich, dass Frauen in unserer Kirche predigen und mittlerweile auch Leitungsämter übernehmen. Wir vergessen leicht dabei, dass wir diese Errungenschaft erst seit knapp 50 Jahren haben. Erst in den 40er Jahren setzte es sich durch, dass Frauen öffentlich das Wort Gottes verkündigen durften. Damals mehr eine Notlösung, weil so viele Gemeinden auf Grund des 2. Weltkrieges ohne Pastor dastanden. Diese Regelung ließ sich danach nicht wieder rückgängig machen. Allerdings durften bis in die 60er Jahre hinein, Pastorinnen nicht verheiratet sein. Erst seit gut 40 Jahren genießen Pastorinnen in unserer Kirche also die gleichen Rechte wie Pastoren.
In der katholischen Kirche ist das Priesteramt dagegen bis zum heutigen Tag den Frauen verwehrt.
Wenn wir uns mit der Gestalt der Maria Magdalena beschäftigen, dann berühren wir unweigerlich auch das Thema: Welche Rolle haben Frauen in der christlichen Tradition gespielt?
Und dann müssen wir auch feststellen: Die Bedeutung von Frauen wurde über viele Jahrhunderte hinweg in unserer Tradition an den Rand gedrängt von einer Kirche, in der vornehmlich die Männer das Sagen hatten.
Die vielzitierte Stelle aus dem 1. Korintherbrief, in der es kategorisch heißt: „Das Weib schweige in der Gemeinde!“ (1. Kor. 14,34), wurde immer wieder ins Feld geführt, um Frauen mundtot zu machen. Dabei ist offensichtlich, wie sehr diese Verse dem ausdrücklichen Auftrag Jesu widersprechen, dass Maria Magdalena zu den Jüngern gehen soll, um ihnen das Evangelium seiner Auferstehung zu verkündigen.
Warum ist das so, fragen wir uns. Warum ist das so, dass Verse der Bibel sich so gegensätzlich gegenüberstehen?
In diesen sich widersprechenden Abschnitten des Neuen Testaments wird deutlich, dass es in den jungen christlichen Gemeinden schon früh darum ging, wer Einfluss haben sollte und mit apostolischer Autorität reden durfte. Und wer eben auch nicht. Wie überall in der Welt ging es auch hier um die Frage von Macht und Durchsetzungskraft. Konnte eine Frau wirklich die gleiche Autorität haben wie ein Mann?
In den Evangelien wird berichtet, dass die Jünger der Botschaft Maria Magdalenas über die Auferstehung Jesu nicht glaubten. Für Frauen vielleicht keine ganz ungewohnte Erfahrung, dass ihren Worten kein Glaube geschenkt wird. Ihnen nicht zugetraut wird, mit der gleichen Autorität sprechen zu können wie Männer.
Die Auseinandersetzungen um die Bedeutung der Maria Magdalena und anderer Frauen in den ersten christlichen Gemeinden werden hier also bereits sichtbar. Anstatt den emanzipatorischen Strömungen der biblischen Botschaft zu folgen, die der Frau das gleiche Recht zu Lehre und Wortverkündigung zuerkannten wie dem Mann, folgten die christlichen Kirchen über Jahrhunderte hinweg einer von Männern dominierten Tradition.
Und so bedeutet eine Betrachtung über die Gestalt der Maria Magdalena für uns heute auch immer wieder eine Besinnung darauf, dass in der Kirche Jesu Christi Frauen und Männer gleichberechtigt nebeneinander Zeugnis ablegen sollen vom Wort Gottes.
Denn wie heißt es im Galater-Brief:
„ Ihr seid alle durch den Glauben Gottes Kinder in Christus Jesus. Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen. Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus.“
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