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Keitumer Predigten 2006
Heiligabend Christmette 15.00 Uhr
(Pastorin Susanne Zingel)
Das Licht von Bethlehem
Gnade sei mit euch und Friede von Gott, der uns besucht wie ein aufgehendes Licht aus der Höhe.
Liebe Gemeinde,
das Licht von Bethlehem ist eingezogen und erleuchtet die Krippe. Es ist eine Kerze, sie leuchtet wie alle anderen, aber sie erzählt eine Geschichte. Seit 20 Jahren wird das Licht von Bethlehem ausgeteilt. Angefangen hat es in Wien, Pfadfinder, Jugendliche haben sich aufgemacht. Sie sind nach Bethlehem gereist. In der Geburtskirche sind sie hinab gestiegen und an dem ewigen Licht dort haben sie ein Licht entzündet. Das haben sie dann ausgeteilt, nach Wien gebracht, von dort aus in immer mehr Städte. Die Ausstrahlung wird von Jahr zu Jahr größer.
Es ist ein ganz einfaches Zeichen, aber ganz viel ist darin enthalten. Das Licht wandert von einem zum anderen. Es hat einen weiten Weg hinter sich. Es erzählt dir vom Licht Gottes und vom Frieden.
Ich will Euch erzählen, wie das Licht von Bethlehem in diesem Jahr zu uns nach Keitum kam.
Eine Woche vor Weihnachten fragte ich ganz nebenbei, ob denn das Licht von Bethlehem schon angekommen sei. Aber ich hörte nichts.
Da rief mein Kollege an. Ich war gerade auf dem Weg ins Rentamt nach Leck. Wir sollen den neuen Haushalt aufstellen. Die wirtschaftliche Lage der Kirche ist angespannt. Da muss so etwas in der Woche vor Weihnachten sein. Wir sind schon auf dem Weg zum Bahnhof, da klingelt das Telefon. Mein Kollege Jörg Reimann meinte: "Die im Rentamt haben das Licht von Bethlehem. Nimm eine Lampe mit, bring es mit auf die Insel." Aber wo soll ich jetzt eine Lampe hernehmen. Wir sitzen schon im Zug. Wir sind zu viert. zwei wollten eigentlich mit dem Auto nach Hamburg weiterfahren. Aber wir überreden sie, sie fahren uns in den nächsten Baumarkt. Wir kaufen eine Sturmlampe, ein Teelicht, Lampenöl. Der Termin um 12 in Hamburg ist nicht so wichtig. wir suchen das Licht von Bethlehem. So kamen die einen vom Weg ab, und nehmen eine halbe Stunden Umweg in Kauf. Aber was ist das schon? Wie lange brauchten Josef und Maria von Nazareth? Wir fragen Mitreisende, sie lachen . . Das Unternehmen bekommt etwas übermütiges. Ihr seid die drei heiligen Könige . . . Drei Könige kamen an diesem Morgen zu keinem Licht. Sie kamen zu spät.
Ein Mitarbeiter stand in der Tür und meinte: "Wir haben das Licht von Bethlehem. Aber es ist aber gerade ausgegangen. Ich kann es Euch zeigen." Da standen wir vor einem erloschenen Teelicht. Erwachsene Leute stehen und sind aufrichtig enttäuscht. Ich stelle mir vor, damals in Bethlehem schlugen Maria und Josef nicht alle einfach die Tür vor der Nase zu. Es gab auch Leute, denen tat es wirklich leid, dass sie nicht helfen konnten. So stand der freundliche Mitarbeiter des Rentamts da.
In Bethlehem ist alles voll meinten sie, aber da hinten gibt es einen Stall. So meinte der Mann vom Rentamt: Unser Licht ist aus, Ihr könnt euch das Licht in der Gemeinde in Leck abholen.
So ist es dann zu uns gekommen.
Ein Licht ist für dich angezündet, Heil geboren, ein Lichtblick vom Himmel, er berührt dich, dein Leben sei heller. Aber es ist nicht so leicht, das Licht zu bekommen, ein Licht zu behüten, in sich zu tragen. Es geht von einem zum anderen, wirklich jeder wird gebraucht in der Kette. Sind wir da wie eine Kette, dann reicht sie um die ganze Welt. Die Sehnsucht danach ist groß und auch die Bereitschaft, etwas dafür zu tun.
Dies kleine Licht von Bethlehem ist ein Symbol: Im Stall von Bethlehem wurde es hell in dieser Nacht.
Später wurde erzählt von Engeln, Heerscharen und Himmelslicht, Heiligenschein, von Gold und Glanz, aber der Anfang war es nur ein Lächeln von dem Kind, ein Lächeln auf dem Gesichte der Hirten, ein Leuchten in Marias Augen, ein Glück Es war eine arme kleine Hoffnung, eine widerständig trotzige Freude: Dieser kleine Kerl hat es geschafft. Wer so eine Geburt übersteht, der schafft alles andere auch. Es war eine arme kleine Hoffnung, - es war ein übergroßes Glück.
Und dies Glück wurde nicht kleiner. Als dies Kind heranwuchs, wurde doch nie dieser Wunderanfang vergessen. Denn dies Kind trug in sich ein Licht und gab alles dran Glauben, Liebe, und Leidenschaft für das Himmelreich. Über all das haben sie im Stall nicht gesprochen und doch war es da. In dem ersten Strahlen, Lächeln, Leuchten, ein Lichtblick vom Himmel: Es ist es möglich, dass Menschen sich beistehen, sich sehen im Lichte Gottes, lachen, weinen, sich segnen, sich gut tun, sich helfen.
Alles in einem Augenblick und dies alles so wahr, dass wir es bis heute feiern. Wir erinnern es, wir erzählen, aber alles nur damit bei dir ankommen, das Licht von Bethlehem, das Lächeln, der Zauber, ein Leuchten in deinen Augen. Alle Lichter, die wir anzünden, erinnern dich daran. Das Licht von Bethlehem wird hier in der Kirche weiterleuchten.
Und wir haben Euch ein wenig hinter das Licht geführt. Denn feierlich haben die Konfirmanden das Licht von Bethlehem herein getragen. Aber vorher haben wir alle Kerzen hier damit entzündet. Das kann man kann es nicht sehen.
Aber so ist es, mit dem Licht das in dir leuchtet: Das Kind, heute geboren, macht dich zu einem Gotteskind, brüderlich, schwesterlich, verwandt mit allen Menschen und auch mit Gott. Da wären wir allein nicht drauf gekommen. Du warst es schon bevor dies Kind geboren wurde. Aber dies Kind gibt alles dran dass es dir aufgeht:
Du bist gottverwandt, von Gott geliebt, himmelsnah. Es ist etwas verrückt. Aus dem Alltag abgerückt, aber es war da im Stall von Bethlehem, es ist gegenwärtig und es gilt in alle Ewigkeit. Amen
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