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Keitumer Predigten 2006
Heiligabend Christmette 23.00 Uhr
(Pastorin Susanne Zingel)
Alles in einem
Gnade sei mit euch und Friede von Gott, der uns besucht wie ein aufgehendes Licht aus der Höhe.
Liebe Gemeinde,
diese Musik eben war nicht nur wunderschön, sie erzählt uns etwas von dem Geheimnis der Heiligen Nacht. Diese Musik war ein Geschenk für Dich. Gudrun und Michel haben sich alle Mühe gegeben, dich damit zu überraschen. Aber so spielt sich die beste Weihnachtsmusik, das schönste Weihnachtslied: Spiel es nur für einen einzigen Menschen und du wirst alle anderen erreichen. Das ist so. Spiel für den einen Menschen, den du liebst, und du wirst alle berühren. Wer für alle spielen will, der überfordert sich leicht. Der wird nervös, scheitert an seinen eigenen Ansprüchen. Das schönste Lied wird aus Liebe gespielt.
Das passt zu dem Geheimnis dieser Nacht. Wir erzählen die Geschichte immer wieder neu: Ein kleines Kind wird geboren und in diesem einen Kind liegt das Heil für alle Menschen. Gott, der uns allen das Leben geschenkt hat, wird ein kleines Kind. Er gibt all seine Hoheit auf, und wird in einem kleinen Stall am Ende der Welt geboren. Ein Kind erlöst alle, wie ist das möglich?
Es lässt sich nicht erklären. Es lässt sich aber leicht fassen. Denn Weihnachten rührt uns alle an. Wir wollen sie immer wieder hören, die Geschichte von Bethlehem.
Dies kleine Kind erinnert uns alle an den allerersten Anfang. Tief unbewusst bleibt die Erinnerung. Es ist ein Wunder, dass du da bist, selbst hineingeboren in diese Welt. Ob wohlbehütet oder in schwerer Zeit geboren, du bist mit diesem Kind verwandt, wie alle Menschen auf der Welt. Es ist nicht selbstverständlich, dass du da bist, es ist ein Wunder. Nur dass wir es leicht vergessen.
Aber dies kleine Kinder verbindet uns alle, denn heute Nacht ist es zu spüren: wir alle tragen in uns eine Sehnsucht nach Liebe und Wärme, nach Frieden in der Welt. Darum kommen wir zusammen, bleiben nicht allein zu Haus, hören die Geschichte vom Licht und Frieden und hören, dass wir darin mitspielen, dass Gott mit uns da anfängt, wo wir allein aufgeben und resignieren würden
Dies kleine Kinder verbindet uns alle, denn wie die Maria und Josef, wie die Hirten, die in Stall hineinstolpern, ist es uns gegeben, das Leben zu behüten und zu beschützen.
Gott wird ein kleines Kind. Er gibt alle Macht und Hoheit dran, wird klein und verletzlich, schwach und bedürftig.
Das mag man so sehen, solange man von oben her denkt, von Macht und Hoheit. Sobald du mit einem Neugeborenen zu tun hast, sieht es ganz anders aus. Da bekommst du schnell mit, wie stark so ein kleiner Mensch ist. Wie viel Macht er entfaltet! Neben einem schreienden Säugling kannst du nichts machen, du musst dich um ihn kümmern.
Entsetzt ist das ganze Land, wenn wir davon hören, dass kleine Kindern, verlassen und vernachlässigt werden. Das ist eigentlich unvorstellbar, ein kleines Kind im Stich zu lassen. Aber so kommt Gott in unsere Welt - angewiesen auf unsere Hilfe wie ein schreiender Säugling, der keine Geduld hat, dem geholfen werden muss, denn die Not ist groß, und zu viel Leid gibt es in der Welt.
Du kannst nicht die Welt retten, aber ein Kind trösten,
Du kannst nicht alle Menschen lieben, aber einen Menschen von Herzen und diese Liebe kann reifen und wachsen. Wie ein Baum, tief verwurzelt und mit Ästen, die sich in den Himmel strecken.
Die Liebe kann reifen, dass du in dem einen geliebten alle anderen wieder findest.
Die Liebe kann reifen, dass sie deine Sehnsucht nach Frieden noch größer macht und auch deine Bereitschaft, dich dafür einzusetzen.
Ganz selbstverständlich so wie damals im Stall als die Hirten anfingen, in ihren Taschen zu kramen, und sich fragten: "Was können wir euch schenken? "Was braucht ihr?"
Gott kommt als ein neugeborenes Kind, damit du dich selbst in ihm wieder findest, dich verbindest mit allen anderen, damit in dir wahrhaftige Liebe reift. Die verbindet das Kleine mit dem großen und erkennt in einem Menschen eine ganze Welt.
Es gibt auch die eitle, narzisstische Liebe. Die hebt den Geliebten aus allen anderen heraus, stellt sie oder ihn hoch über alle anderen. Das macht einsam und ist eigentlich keine Liebe. Die wahrhaftige, göttliche Liebe, die verbindet den einen, die einen mit allem anderen.
Denn das ist so: Ein Kind wahrhaftig lieben, das macht dich schwach, denn das Schicksal aller Kinder wird dich rühren. Es wird dir nicht egal sein, wenn du hörst, was Kinder erleiden in dieser Welt. Ein Kind wahrhaftig lieben, das macht dich stark, sich einzusetzen für eine bessere Welt, das Himmelreich.
Wenn dein Herz einen Menschen aufrichtig liebt, siehst du all die anderen freundlicher, barmherziger und das ist alles, was es braucht. Dass dein Herz und deine Hand zusammenkommen.
Du kannst dich mit dieser Geschichte verbünden auf tausenderlei Weise. Wie viele Menschen kommen heute in Gottesdiensten zusammen, hier, in der ganzen Welt. Sie erzählen alle die eine Geschichte. Sie sind nicht weltfremd, sie wissen, seit 2000 Jahren feiern wir die Heilige Nacht und es ist doch kein Frieden, aber der Frieden fällt nicht vom Himmel, der Frieden kommt nicht über uns wie ein Sturm, eine Welle, keine himmlischen Heerscharen setzen sich durch und alles Böse schachmatt. Der Friede kommt mit kleinen Gesten, ein Licht anzünden, etwas verschenken, die Hände falten, ein Gebet sprechen.
Den kleinen Gesten etwas zu trauen, das Große im Kleinen wieder finden und in allem Gott danken, denn er schenkt uns alles, was er hat, er schenkt es so, dass du es fassen kannst. Amen
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