Das Thema unseres heutigen Gleichnisses, dem Schluss der Bergpredigt nach
Matthäus, ist scheinbar der Hausbau und da verlockt es geradezu mit
einem Großkonzern zu fragen: Baust du noch oder wohnst du schon?
Das Leben und Wohnen ist uns etwas sehr wichtiges. Wie tief betroffen waren
wir doch als am 2. Weihnachtstag ein Tsunami viele heimatlos machte. So manch
einer musste und muss auch heute noch wegen Kriegswirren sein Haus verlassen
oder baut sich wegen der Arbeitsmöglichkeiten an anderem Ort ein neues
Haus. Das Haus, das zuhause ist immer auch ein Stück Heimat.
"Er hat auf Sand gebaut" - das ist als Redensart in unsere Sprache eingegangen.
Wer auf Sand baut, der hat kein Fundament, dem zerrinnt gerade das, was seinem
Leben Halt und Festigkeit geben sollte. Ob nun der Bau eines Hauses auf Sand
besonders unsicher ist, weiß ich nicht. Wir erfreuen uns doch auch
an den alten Friesenkaten, die schon mehr als 100 Jahre hier stehen und Wind,
Wetter und Gefahren trotzen. Und ist nicht auch St. Severin auf Sand gebaut?
Der Bau auf Sand ist durchaus möglich und so ist der Bau eines Hauses
- auf stabilem oder auf höchst unsicherem Grund – wieder einmal
ein Gleichnis. Ein Bild für etwas anderes. Es geht zwar ums Wohnen und
um unser Dasein, aber eben nicht ums Häuslebauen, sondern um uns, um
unser Leben. Nicht um Steine, die wir in Baumärkten kaufen können,
sondern um die lebendigen Steine, auf die wir unser Leben bauen. So, dass
es hält, wenn ... uns der Wind in Gesicht bläst... Nicht um die
Mauern aus Zement und Stein, die unsrer Zukunft ein Zuhause geben, geht´s
in unserm Gleichnis, sondern um die Frage, was ist unser Fundament?
Was ist es, was unser Leben zukunftsfähig macht für mich, für
die anderen und für die, die nach mir kommen. Es geht um die Frage,
was unser Leben tragfähig macht, wenn... uns das Wasser bis an den Hals
steht und wir unterzugehen drohen. Wenn die Wasser kommen, wie Jesus sagt.
Und auch die Wasser sind nur ein Bild für alles, was unser Leben bedrohen
kann: Krankheiten, schwere Auseinandersetzungen und kriegerischer Streit,
Verleumdung und Mobbing, Neid und vieles mehr. Wir alle könnten wohl
solche Gefahren benennen, die uns Sorgen machen.
„Darum: wer diese meine Rede hört ... der gleicht einem klugen
Mann, der sein Haus auf Felsen baute.“ Wer Jesu Bergpredigt hört,
der baut nicht auf Sand, sondern auf ein starkes Fundament des Glaubens..
Ganz schön arm dastehen vor Gott, Leid ... tragen, Sanftmut, Hunger
und Durst nach Gerechtigkeit, ein reines Herz, Frieden schaffen - das sei
eines Menschen Seligkeit. Mit diesem kräftigen Anspruch beginnt sie,
die Bergpredigt. Und geht gleich weiter mit gnädigem Zuspruch: „Ihr
seid das Salz der Erde.“ Wir?
Ja, wir.
Und das Licht der Welt! Brauchst dich also nicht verstecken und nicht klein
machen und nicht klein machen lassen.... Statt „Auge um Auge, Zahn um
Zahn“
- statt Auge um Auge: Feindesliebe
- bewusster Verzicht auf Vergeltung und Rache.
Warum?
„... damit ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Denn er lässt
seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen
über Gerechte und Ungerechte.“
...Wenn wir etwas schenken, etwas geben, dann selbstvergessen, so dass die
linke Hand nicht weiß, was die rechte tut... Beim Beten keine großen
Worte machen. Das Vaterunser reicht.
Keine Schätze sammeln hier auf Erden, dem Mammon nicht dienen. Nicht
sorgen! „Sorgt nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet
... Ist das Leben nicht mehr? Nicht mehr als die Nahrung und die Kleidung?
Wer ist unter euch, der seines Lebens Länge auch nur eine Spanne zusetzen
könnte, wie sehr er sich auch darum sorgt?“... Nicht richten, den
Balken aus dem eignen Auge ziehen - vor dem Splitter aus dem Auge der andern...
Und bitten und suchen und anklopfen. Vor allem anklopfen. „Denn wer
da bittet, der empfängt. Und wer da sucht, der findet. Und wer anklopft,
dem wird aufgetan.“
Wenige Verse vor unserm heutigen Gleichnis die goldene Regel: „Alles
nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch!“
Darum: wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen
Mann, der sein Haus auf Felsen baute.
Wer die Botschaft der Bergpredigt hört und danach lebt und handelt,
setzt sein Leben nicht in den Sand, sondern auf festen Grund. Das verantwortliche
Handeln beginnt bei sich selbst im eigenen Lebenshaus. Und wir fragen uns:
wie will/muss ich heute leben, damit ich bzw. die nachfolgende Generation
auch morgen überleben kann? „Wie baue ich eigentlich mein Lebenshaus?
Bin ich den Stürmen des Lebens gewachsen? Was passiert mir, wenn ein
Lebensinhalt wegbricht, ein Kind oder ein Partner stirbt, habe ich noch andere
Lebensinhalte? Habe ich eine sichere Basis, die mich trägt, auch wenn
mir Sinn knapp wird? Dies sind fundamentale, grundlegende Fragen, die ich
mir in meinem Leben immer wieder stellen darf sollte. Es zeigt sich gerade
in den Stürmen des Lebens.
Manche von uns knicken ein, verlieren ihre Zuversicht und Freude. Mit einem
Schlag ist kein Trost mehr da und aller Mut weicht. Das Kartenhaus unserer
Pläne bricht zusammen. Vielleicht war das Lebenshaus auf den Sand von
Meinungen und Moden, Leichtsinn und Lust gebaut. Es entwickelt sich Treibsand.
Bei Anderen tobt der Sturm und die Regenfluten umspülen das Fundament
des Lebenshauses. Doch sie haben Freunde in allem Leide. Oder sie finden
ein offenes Ohr, in der Familie, bei Nachbarn, bei der Pastorin, auf der
Lebensmutseite im Internet, bei einer der vielen Seelsorge – oder
Beratungsstellen. Hauptsache sie können sich anvertrauen und fühlen
sich von einer Gemeinschaft getragen. Sie erleben, dass sie trotz all ihrer
Unzulänglichkeit dennoch geliebt werden und bringen diese menschlich
erfahrene Liebe in ihrem Glauben mit Gott zusammen. Sie haben Kraft für
die Probleme dieses Tages, weil sie die Sorgen für morgen vertrauensvoll
Gott überlassen können.
Die Sätze der Bergpredigt sind dem Leben abgerungen, dem realen Leben,
dem Leben, in dem es ein furchtbares Durcheinander gibt. Ein Durcheinander
aus Leid und Tränen, aus böse und gut, Unrecht und Krieg, aus Schrecken
erzeugender Gewalt und der Sehnsucht nach Zärtlichkeit, nach Sanftmut
aus Verlogenheit und Bestechung, Misstrauen und Vergeltung, Suchen und Finden,
Geld und Geltungssucht und Sorgen. Immer wieder Sorgen: um das Morgen, um
die Kinder, um die Rente, um das Essen und die Frage, was ich heute denn
anziehen soll. In der Bergpredigt geht es wie so oft um unsere Grundeinstellung
zum Leben. Wie lebe ich? In welchem Gedanken und Glaubenshaus wohne ich?
In welchen Einstellungen zur Welt, zum Menschen, zu Gott und zu mir selbst
kann ich wohnen? In welches geistige Haus ziehe ich ein und finde mein zu
Haus?
„Hören und handeln“. Diese Worte Jesu stellen die Grundlage
für das Leben dar. Sie sind ein festes Fundament! Menschen werden in
Liebe und in Frieden miteinander leben werden, wenn sie etwas vom Geheimnis
Gottes erfahren und umgekehrt wir erfahren immer dann ein Stück vom
Geheimnis Gottes, wenn sie in Liebe und in Frieden miteinander leben. Es
handelt sich um ein in Gottes Augen gelingendes Leben. Er ruft einladend:
Komm mit, geh’ mit, höre und tue, was ich tue, so wirst du mir
ähnlich. Indem Du so lebst, machst Dir zu eigen, was ich mir unter
gelingendem Leben vorstelle. Wenn Du meine Rede hörst und tust, dann
bist Du wie ein Mensch, der sein Haus auf einen Fels baut. Dein Glaube mag
im Sturm schwanken aber er hält, weil du gehalten wirst. Baue dein
Lebenshaus auf Felsen, indem du dein Leben an den Worten von Jesus ausrichtest.
Das Tun der Worte Jesu beginnt als Arbeit am eigenen Fundament, am eigenen
Herzen. Dieses Tun ist mühsam und in keiner Weise
öffentlichkeitswirksam. Aber es gewährleistet letztlich ein stabiles
Fundament. Das Tun der Worte Jesu zeigt uns eine Lebenspraxis, die das Leben
bewahrt und beschützt, so gefährdet, so beschädigt es sein
mag. Um eine Lebenspraxis, die den glimmenden Docht nicht auslöscht
und das geknickte Rohr nicht bricht. Leid tragen und Trost erfahren, so
was Altmodisches wie Barmherzigkeit, Herz und Salz und Licht, Feindesliebe
statt Feindeshass, sich von der Sorge nicht kirre machen lassen, beten und
anklopfen - das sind die Stichworte dieser das Leben schützenden und
bewahrenden Praxis.
Diese Bergpredigt-Praxis hält uns, sagt Jesus, wenn uns der Wind in
Gesicht bläst. Sie trägt uns, wenn die Wasser kommen und wir
unterzugehen drohen.
In hartem Kontrast dazu - als entweder/oder formuliert, ganz unmodern
schwarz-weiß gedacht - die andere Möglichkeit:
„Und wer diese meine Rede hört und tut sie nicht, der gleicht einem
törichten Mann, der sein Haus auf Sand baute. Als nun ein Platzregen
fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus,
da fiel es ein und sein Fall war groß.“
In dem Fragen nach unserer Art zu leben höre ich nichts von Strafe Gottes
oder von Schuld. Aber ich spüre etwas von der Verantwortung, dass
tragfähige Fundamente gelegt werden, die allen ein gesichertes Leben
ermöglichen. Wir dürfen andere dazu sogar einladen: „Komm,
bau auch dein Haus hier auf sicherem Grund, es ist Platz für alle da.
In unseres Vaters Haus war immer schon Platz für viele Wohnungen.“
Das was wir Kirche nennen ist die Gemeinschaft von Frauen und Männern,
die nicht ohne Fundament, sozusagen grundlos, leben will. Gerade weil immer
wieder die Fluten drohen und die Wellen kommen. Das Haus der Gemeinschaft,
das diese Worte bewahrt und das „die Träume verwaltet“ (Fulbert
Steffensky) ist die Kirche.
Wohnst du noch oder lebst du schon? Wohnst du schon in diesen Worten oder
hörst du noch weg? Höre die Worte Jesu, schlag nach in deiner Bibel
und sag sie dir laut vor. Nimm die Worte aus der Bergpredigt.
Nimm ein Wort und zieh darin ein. Zieh dich meinetwegen auch für eine
Zeit darin zurück. Werde ganz Ohr, Wort für Wort. Höre wenn
er dir mit jedem Lächeln, mit jedem lieben Wort, mit jeder noch so kleinen
Geste, mit jedem Sonnenstrahl und Kerzenflackern, mit jedem Blütenblatt
und Vogellied, mit jedem einzelnen Sandkorn, den Muscheln und der Meeresbrandung
zuruft: Ich hab dich lieb!
Höre in dich hinein, ob die Worte der Bergpredigt oder der anderen
Verheißungen Gottes nicht der Raum sind, in dem du gerade sein und
bleiben kannst. In dem du zu Hause sein kannst.
Ich weiß, in unserm Alltag, sind wir stets beides: kluge und törichte
Bauleute zugleich. Wir können gar nicht anders. Aber, macht euch nichts
vor: Jesus weiß das längst und deshalb ermutigt er uns: Trau meinem
Wort mehr als deiner Angst, und meiner Rede mehr als deiner Verzweiflung,
sagt er. Sie trägt. Und sie hält. Amen.
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