St. Severin Kirche zu Keitum
                                                                                                                                                                                                  
 

   
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Keitumer Predigten 2006

Himmelfahrtsfest, 25. Mai 2006

(Pastorin Susanne Zingel)

Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da war, der da ist und der da kommt.

Liebe Gemeinde

Himmelfahrt ist erst einmal ein seltsames Fest. Etwas verlegen stehen wir meist davor: Was gibt es heute eigentlich zu feiern? Dies Fest hat scheinbar so gar nichts zu tun mit unseren Erfahrungen. Zwei kleine rosige Füße sind gerade noch in den Wolken zu sehen. Die Jünger sehen Jesus ungläubig und staunend hinterher.

Vorn im Turmraum könnt ihr so ein Himmelfahrtsbild sehen. Wir mögen über die Naivität solch mittelalterlicher Kirchenbilder schmunzeln. Dann gehen wir weiter, ohne dass sich etwas in uns tiefer bewegt hätte.

Es lässt sich ganz gut leben ohne Himmelfahrt. Längst ist vergessen, dass Himmelfahrt kein Frühlingsfest mit himmelblau poetischen Gefühlen ist, und die Väter ziehen über's Land.

Vergessen ist längst, warum die ersten Christen dieses Fest gefeiert haben.

Und die Kirche selbst hat einiges dazu getan, dieses Fest nicht zu groß werden zu lassen, denn an Himmelfahrt geht es um Konsequenz und Revolution. Mit beidem tut sich die Kirche schwer, wir aber meistens auch.

Himmelfahrt ist ein konsequentes Fest. Geht man hinein in die Geschichte Jesu, dann geht mit diesem Schlusspunkt doch nur konsequent zu Ende, was schon vorher die ganze Zeit zu spüren war. Sein Leben lang war Jesus dem Himmel ganz nah. Er trug Gott in sich. Die Engel waren von Anfang an dabei, sangen bei seiner Geburt von der Ehre Gottes und Friede auf Erden. Jesus verkündete, das Himmelreich steht vor der Tür, und er hat es gelebt, so wahrhaftig, so ganz und gar, dass es Gott ein Leichtes war, ihn zuletzt in den Himmel zu heben. Dabei wurde ja kein leibhaftiger Mensch in den Himmel gehoben. Es ist der Auferstandene, durch den Tod hindurchgegangen.

Das alles sind Bilder, es sind Metaphern. Sie können uns aber dazu bringen, dass wir es ernst nehmen, wie wir leben. Dass wir konsequent zu Ende denken, was wir hier anfangen. Nach mir die Sintflut, sagen viele. Aber ihr selbst werdet ankommen, wo ihr drauf zugeht, euer Leben hat Konsequenzen. Wie oft verschließen wir davor die Augen. Was einer nicht schon heute zu spüren bekommt, das kann einfach nicht wahr sein. Aber die Schöpfung leidet, Hunger und Armut, Unfrieden, und wir denken oft, dass das, was wir verbrauchen, damit nichts zu tun hätte. Die Art wie wir mit uns selbst umgehen, das hat Konsequenzen. Jesus hat gesagt: Jedes Wort, was du sagst, wird am Ende vor Gott eine Rolle spielen. Darum seid achtsam in allem, was ihr tut!

Es kann doch einfach sein, dass wir so viel Erdenschwere in uns tragen, so mühselig und beladen daherkommen, dass wir es uns nicht vorstellen können: es gibt ein Leben in vollkommener Leichtigkeit und reiner Liebe, auf nichts als den Glaube gestellt. Jesus in Gott und Gott in ihm. Warum soll einer, der so konsequent gelebt hat, wie Jesus, zuletzt nicht woanders ankommen als bei "Erde zu Erde, Asche zu Asche, Staub zu Staub".

Damit ist Himmelfahrt ein revolutionäres Fest. Revolutionen sind nichts für fromme Seelen, oder vielleicht doch? Denn, wenn wir das ganze einmal wörtlich nehmen, dann heißt Revolution: Etwas wird zurückgedreht. Etwas kehrt zum Anfang zurück. Die Dinge kehren zurück an den Ort, wo sie eigentlich hingehören.

Und es wäre wirklich eine ganz eigene Revolution, wenn wir Menschen umkehren und zurückkehren an den Ort, den Gott uns bestimmt hat. Wenn wir uns wiederfinden als Teil dieser Schöpfung, verbunden mit allem, was lebt und sich regt. Berufen, es zu behüten und zu lieben, es nicht zu beherrschen und auszubeuten. Es wäre eine Revolution, wenn wir einander erkennen als das, was wir sind, Gottes Ebenbild, Brüder und Schwestern.

Genau dazu hat Jesus Menschen gelockt, verführt, überredet. Er hat ihnen gesagt: Du bist gemacht für das Himmelreich, die Liebe, die Vergebung. Du kannst schon hier und jetzt leicht werden und dich öffnen für die Seligkeit des Himmels. Du kannst das Mühselige und Beladene ablegen. Es ist nicht schwer. Du kannst einfach anfangen: Und Gott lieben von ganzem Herzen und deinen Nächsten wie dich selbst. Du kannst Nein sagen und widerständig leben, unbequem, aber glücklich, denn du wirst sein in Gott und Gott in dir. Und das wird bleiben und gelten in alle Ewigkeit.

So hat Gott Jesus in den Himmel gehoben. Auf dass du es glauben kannst: Da ist einer, da ist etwas, das dir hilft, die Seligkeit, den Himmel auf Erden zu finden. Einer ist vorausgegangen, besser ist: zurückgekehrt, an den Ort, wo er hingehört.

Christus aus Gott geboren, kehrt zurück zu Gott. Christus, den diese Welt nicht haben wollte, der in diese Welt hineinkam wie ein Licht und der zerschlagen und zertreten wurde. Gott ruft ihn nicht nur zurück ins Leben, mehr noch: Er setzt ihn in die Mitte. Er setzt ihn in die Mitte, dort, wo die ganze Schöpfung ihre Quelle und ihren Ursprung hat. Und wenn wir es selbst auch aus dem Blick verlieren mögen: In Christus ist in alle Ewigkeit festgehalten, dass wir und die ganze Schöpfung leben aus der Liebe Gottes.

So sind wir zu Himmelfahrt gefragt, ob wir das alles, was hier dagegen steht, ob wir das einfach hinnehmen wollen oder ob die Sehnsucht nach einem lebendigen Leben uns dahin bringt, Christus auf seinem Weg zu folgen. Die Seligkeit und das Himmelreich auf Erden zu suchen und Gott zu lieben von ganzem Herzen, mit ganzer Seele, mit all deiner Kraft und all deinem Verstand und deinen Nächsten wie dich selbst. Das ist unsere Bestimmung und darauf kannst du etwas wagen

Denn die Gemeinde Jesu ist nicht einfach lieb und nett

Sie lebt aus der Liebe und in der Liebe und das in der Kraft Gottes.

Sie ist nicht einfach vorsichtig und bescheiden,

sondern demütig und stolz zugleich.

Sie ist nicht rechtschaffen und redlich bemüht,

sondern sie steht ein für Recht und Gerechtigkeit und das mutig und entschieden.

Sie verschließt nicht die Augen davor, wie es zugeht in dieser Welt,

aber sie vergisst auch nicht den Horizont der Liebe Gottes.

Ich weiß, das passt uns nicht, wenn das ein Kleid wäre. Dann wäre es einfach zu groß für uns. Aber zu diesem Selbstbewusstsein sind wir berufen, und wir werden den Ort unserer Bestimmung niemals finden, wenn wir nicht anfangen davon zu reden: So hoch der Himmel über der Erde ist, so ist Christus uns immer weit voraus. Niemals werden wir ihn einholen. Aber gerade darum bleibt er unser Weg, unsere Richtung und unser Ziel .-

So beten die Mönche in Irland bis heute nicht nur zu Himmelfahrt:

"Ich erhebe mich heute durch eine gewaltige Kraft,

die Anrufung der Dreieinigkeit und bekenne den Schöpfer der Schöpfung.

Ich erhebe mich heute durch die Kraft Gottes, die mich lenkt.

Gottes Macht halte mich aufrecht. Christus sei mir zur Rechten, -

Er die Kraft.

Er der Friede.

Christus in der Tiefe,

Christus in der Höhe.

Er, mein Herr, mein Erlöser,

ich erhebe mich heute durch eine gewaltige Kraft,

die Anrufung der Dreieinigkeit.

Amen

 

 

 

 

 

 


 
 
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