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Keitumer Predigten 2007
Predigt am 2. Weihnachtstag, 26. Dezember 2007
(Pastor Reimann)
Predigttext: Lukas 2,1-14 und Jesaja 11,1-9
Liebe Gemeinde,
von Weihnachten geht eine ungeheure Faszination aus. Kein Tag auf den wir Jahr für Jahr mit so viel Vorbereitung entgegengehen. Ein besonderer Tag der Gefühle, weil wir zurückgehen bis in die Kindheit. Uns an besondere Weihnachtsfeste erinnern, wenn sie mit sehr schönen, aber auch mit sehr schwierigen Zeiten und Ereignissen zusammentrafen. Intensive Zeiten des Lebens, der Freude: Die Familie kommt zusammen und tauscht die Neuigkeiten aus, traurige, wer nicht mehr ist, wer erkrankte, aber auch schönes, der Freund, die Freundin ist zum ersten mal mit dabei, oder Verlobung oder Hochzeit werden verkündet oder geplant. Oder am treffendsten, ein neuer Erdenbürger kündigt sich an. Weihnachten eine besondere Zeit der Geschenke, die eigentlich nur am Rande dazu gehören, aber doch unsere Freude steigern, manchmal auch unser Kopfzerbrechen.
Maria ist schwanger und kann es gar nicht glauben. Ein Engel hilft ihr, dass sie nicht verzweifelt. Und auch Joseph benötigt im Traum die himmlische Unterstützung, dass er sich nicht auf und davon macht, bei diesem ungeheuren Geschehen. Die alte Geschichte, es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot vom Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Maria und Joseph auf dem Weg. Und kein Raum in der Herberge, so dass der neue König der Herzen, ein neuer Spross, ein neues Reis, das hervorgeht aus dem Stamm des Königshauses David, in einem Stall unter ärmlichsten Bedingungen zur Welt kommen muss. Und die Hirten, die Aussätzigen, hören es zuerst. Aber auch weise Männer aus verschiedenen Ländern kommen und staunen nicht schlecht, als sie am Königshof abgewiesen werden und weitergeführt werden an diesen unerwarteten Ort.
Jedes Jahr vor Weihnachen Berichte darüber, was an der Geschichte nicht ganz historisch ist, die Jahreszahl umstritten, die Volkszählung war nicht in dem Jahr in dem der Stern von Bethlehem, diese besondere Sternkonfiguration, zu sehen war. Der Ort wo Jesus geboren ist, war es doch Nazareth, weil er Jesus von Nazareth hieß. Mich erschüttert das nicht. Es ist über die Jahrhunderte sicher einiges hinzugedichtet worden, aber es steckt eben so viel Wahrheit in den Bildern, dass sie der Botschaft so nahe kommen und zur Botschaft für uns heute immer wieder werden können.
Versuchen wir dem nachzugehen und betrachten die Bilder, was sie für unser Inneres bedeuten können. Jede und Jeder von uns trägt Christus, in sich. Auch Männer. Nicht nur Frauen, die können das vielleicht leichter nachvollziehen. Wenn eine Frau schwanger ist, sagt(e) man sie sei guter Hoffnung. Dass eine neue Hoffnung für zukünftiges Leben in ihr wächst. Und mit jedem neugeborenen Kind kommt ja ein einmaliger ganz neuer Mensch in die Welt. Der besonders am Anfang und dann noch viele Jahre Liebe und Vertrauen und Zuwendung und Pflege braucht. So ein kleiner Hoffnungsträger wächst immer auch in unserer Seele. Auch wenn es einem schlecht geht, wir verlassen werden oder zurückbleiben, Lebensmöglichkeiten aufgeben müssen, es wächst da etwas in jedem, was irgendwann neu und fertig und ein neues Leben ist. Eine Hoffnung, eine gute Hoffnung, auch wenn sie am Anfang noch nicht richtig wahrzunehmen ist.
Was bedeutet dann aber das Bild von der Jungfrauengeburt, viel diskutiert, bis heute. Vielleicht nur ein sprachlicher Fehler, Maria war eine junge Frau. Aber es war ja zweifelsohne etwas Besonderes, was da geschehen ist. Und wie es genau geschah wissen wir nicht. Warum soll es nicht so außergewöhnlich beschrieben werden wie eine Jungfrau, die schwanger wird.
Wenn wir bei den inneren Bildern bleiben, dann heißt das, die Hoffnung wächst, ohne dass wir etwas dazutun. Ohne dass wir es selber tun. Ohne dass wir gar an der Erzeugung der guten Hoffnung beteiligt wären. Ein großes Geschenk, was uns widerfährt. Ein großes hoffnungsvolles Geschenk. Dies gilt es anzunehmen. Bei dem wie unser Leben, oder das von Maria geplant war, gar nicht leicht etwas unerwartetes anzunehmen, was so das Leben verändern wird. Und dies als Positives anzunehmen. Dazu gehört schon einiges. Es als Licht in uns zu erkennen und sich nicht von den dunklen Wolken verstellen zu lassen. Da ist eine lebendige Kraft in dir, die dir hilft, die richtigen Wege für dein Leben zu finden, deine Begabungen zu entfalten und deine Ängste dabei zu überwinden, damit du dich ganz zu dem Menschen weiter und immer wieder neu entwickeln kannst, wie du angelegt bis von Gott. So dass dein Leben gelingen kann trotz dunkler Erfahrungen und im Großen und Ganzen gelingen kann.
Du kannst selbst die Antworten auf die Fragen nach dem Sinn des Lebens in dir finden, wenn du in dich hineinfühlst, weil sie in dir sind. Aber selbst Maria hat dazu göttliche Hilfe bekommen, eine Hinweis, ein Bote von Gott war nötig, sie gedanklich auf den richtigen Pfad zu bringen in ihrer Verzweiflung. Schön wenn uns Gott gelegentlich als solche Engel benutzt für andere. Und ebenso sollten wir die Augen nicht verschließen, wenn wir berührt werden, angehaucht, mit einer Ahnung, angesprochen, unerwartet.
Und Joseph. er war sehr rational. Wollte einen klaren Schlussstrich ziehen: Ich war es nicht, also war Maria mir untreu. Ich gehe. Ich lass mir doch keine Kuckucksei ins Nest legen. So nicht mit mir. Und vielleicht hat seine rationale Seite zeitlebens so gedacht. Dafür steht Joseph. Für die rationale Seite, für den Verstand. Aber er hat Maria doch sicher lieb gehabt. Und die Liebe siegt. Eines Morgens war ihm klar, dass er bleiben musste und wollte.
Maria und Joseph, zwei starke Gegensätze, auch in uns. Wie treffen wir die Entscheidungen, nachdenkend und abwägend, oder aus dem Bauch heraus, mit Gefühl. Auf welche Seite hören wir mehr? Auf den Verstand, auf den Joseph, oder auf das Gefühl, auf die Maria.
Es ist schon oft so, dass ich vor Problemen lieber weglaufen möchte, wie Joseph, gute Argumente zusammentrage und mich wundere woher dann doch noch die Bauchschmerzen kommen, die von den Gefühlen und Sehnsüchten herrühren. Weil ich Ihnen zu wenig Raum lasse.
Der Engel spricht zu Joseph, also zum Verstand, dass er umkehren soll. Dass er sich mit Maria, der Gefühlsseite wieder verbinden soll. Weil man nur richtige Entscheidungen treffen kann, wenn man beiden Seiten ihr Recht gibt, dem Versstand und dem Gefühl. Und die Engel verkündigen dann den Hirten die frohe Botschaft. Sie tauchen immer auf, wenn ein Wendepunkt geschieht, wenn etwas Neues bevorsteht. Sie sind so eine Art Wegweiser um die richtige Richtung einzuschlagen. Eine innere Stimme, eine Begegnung im Rückblick kaum zu glauben. Wenn sich die Hirten nicht sofort auf den Weg gemacht hätten, am nächsten Morgen bei Tageslicht hätten sie sicher geglaubt, das sei alles nicht real gewesen.
Überhaupt solche wie die Hirten gibt es auch in uns. Eher Randsiedler, oder Außenseiter, waren sie, Zweifler. Mit Religion hatten die nicht viel am Hut. Sie stellen unsere bedürftige Seite dar. Wenn wir uns einsam fühlen und ausgegrenzt und nicht so richtig wissen, wo wir hingehören. Manchem geht es in schweren Erfahrungen so, dass darin dann kein Gott mehr zu spüren ist, der das zugelassen hat, was geschah. Diese bedürftige Seite in uns wird von Gott besonders bedacht und ermutigt. Dieser Seite in uns sagt Gott zu: etwas Wichtiges und Neues hat angefangen. Mach dich auf den Weg. Denn das Licht ist in dir. In dir ist das Kind, dieser göttliche kleine Hoffnungsträger und wird irgendwann geboren. Großartiges geschieht ohne dein Zutun, aber nicht ohne Gottes Wissen. Beruhige damit deine innere Maria. Und lass deinen inneren Joseph nicht nur rational denken, sondern lass ihn Gefühl und Verstand zusammenbringen, auch wenn dazu Hilfe von außen nötig ist. Und deinen inneren Hirten, den trotzigen, rauen, der im Dunklen sitzt, lass ihm seine Wahrnehmungen und Empfindungen, dann hört er zuerst vom Neuen.
Gibt es auch drei innere Weise? Ich denke sie stehen für die Tradition und Weisheit der ganzen Menschheit zu der wir Zugang finden können. Alle Vorurteile gegen vielerlei Unterschiedlichkeiten in Gemeinsamkeit überwunden, das ist schon nötig, führen zum Ziel. Wenn auch anders als erwartet. Und diese Überwindung ist kostbarer als Gold, Weihrauch und Myrre zusammen.
Schau hinauf zu den Sternen, jetzt Weihnachten und danach, oder in der Silvesternacht oder dann und wann an klaren Abenden und erinnere dich daran, dass es helfende, rettende, heilende und richtungweisende Kräfte in dir gibt, die dir helfen deinen Weg zu gehen, deinen Sinn zu finden im Frieden mit anderen. AMEN.
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