St. Severin Kirche zu Keitum
                                                                                                                                                                                                  
 

   
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Keitumer Predigten 2007

Predigt am letzten Sonntag nach Epiphanias, 28. Januar 2007

(Pastorin Susanne Zingel)

Predigttext: Johannesevangelium 12,34-36

Da antwortete ihm das Volk: Wir haben aus dem Gesetz gehört, dass der Christus in Ewigkeit bleibt; wieso sagst du dann: Der Menschensohn muss erhöht werden? Wer ist dieser Menschensohn? Da sprach Jesus zu ihnen: Es ist das Licht noch eine kleine Zeit bei euch. Wandelt, solange ihr das Licht habt, damit euch die Finsternis nicht überfalle. Wer in der Finsternis wandelt, der weiß nicht, wo er hingeht.

Glaubt an das Licht, solange ihr's habt, damit ihr Kinder des Lichtes werdet. Das redete Jesus und ging weg und verbarg sich vor ihnen.

Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da war, der da ist und der da kommt.

Liebe Gemeinde,

zurzeit muss man kein Frühaufsteher sein, um mitzuerleben, wie das Licht der aufgehenden Sonne die Dunkelheit vertreibt. Um unseren Predigttext heute zu fassen, braucht es nichts anderes, als so am Morgen dazustehen und das Licht in sich aufzunehmen, die Spiegelung der Farben im Wasser. Es ist meist nur ein Augenblick, in dem alle Farben sich vollenden. Auf diesen Augenblick strebt es hin, dann schlägt es um, ist hell und Tag.

Wir leben in einem beständigen Wechsel von Licht und Dunkelheit, Tag und Nacht, dunkler Jahreszeit, Sommerfülle. Bevor es richtig Winter geworden ist, ahnen wir schon den Frühling.

Wir leben in einem beständigen Wechsel von Licht und Dunkelheit: Werdet darin Kinder des Lichts. "Werdet es!" Nicht dass wir es schon sind, sondern mit der aufgehenden Sonne, in der Gegenwart Gottes geht ein Licht auf über unseren Wegen, werden wir licht und können leuchten.

Werdet Kinder des Lichts.

Gerade mit dem Werden tun wir uns schwer. Offenbar lebt es sich leichter mit einem Zustand, der zuverlässig, objektiv, sicher ist. Es ist entweder finster oder hell. Entweder du gehörst zu den Guten oder zu den Bösen, zu den Wohlanständigen oder zu den Anderen?

So kommt die Moral daher, und mit ihr der erste Stolperstein, wo wir das mit dem Lichtwerden falsch verstehen können als: "Ihr seid licht, oder ihr seid finster." Die Moral bringt Licht ins Dunkel. Da wird etwas durchleuchtet, objektiv untersucht: Hat der andere eine reine Weste? Haben seine Worte noch Bestand, wenn die Wahrheit ans Licht kommt? Die Politiker füllen damit gerade die Schlagzeilen. Wir wissen jetzt, wie viel es einem wert sein kann, dass nicht alles ans Licht kommt. Lieber zwei Jahre zur Bewährung akzeptieren und 500.000 € zahlen, als einen ganzen Korruptionsskandal aufzudecken.

Oder hat Außenminister Steinmeier die Einreise von Kurnaz verhindert und ihn drei Jahre in Guantanamo sitzen lassen. Diesem Ort, wo es ganz finster wird, weil Menschen alle Mittel anwenden, um die vermeintliche Wahrheit ans Licht zu bringen. Und kommen doch nicht weiter, als dass sie selbst schuldig werden.

Je mehr du darüber weißt, umso näher kommen wir dem zweite Stolperstein: Das ist, wenn die Finsternis dieser Welt dich lähmt.

Gestern wurde der Opfer des Naziregimes gedacht. Der 62. Gedenktag der Befreiung von Auschwitz, an vielen Orten des Schreckens wurde gebetet, erinnert, auch erinnert, dass all das nicht gereicht hat, um für allezeit umzukehren, alles, wirklich alles für den Frieden einzusetzen. Wir wissen zuviel von Finsternis immer noch. Wer da vom Licht, von Liebe, Wärme und Sonnenaufgang redet, der macht sich leicht lächerlich. Das heißt aber, wir kapitulieren vor der Finsternis. Wir sagen von uns selbst, wir sind zu klein, spüren nur, wie hilflos und ohnmächtig wir sind. Wer bist du schon mit deinem kleinen Licht. Es muss etwas Größeres geben, Möge Gott kommen, alle Finsternis vertreiben und Licht und Heil verbreiten.

Das ist der dritte Stolperstein: Die hilflose Hoffnung:

Wer die Menschen kennt in ihrer Unzulänglichkeit, und die Augen nicht verschließt vor den Zuständen dieser Welt, der kann zu dem Ergebnis kommen, nur noch der Allmächtige könne helfen. So streiten sie mit Jesus: "Wenn der Messias kommt, dann beginnt das ewige Friedensreich. Du aber bist ein Mensch, du kannst nicht Heiland, nicht Messias sein. Du redest ja selbst von Abschied und deinem Tod. Was soll denn das?"

Jesus antwortet: "Werdet Kinder des Lichts. Dazu bin ich gekommen, Licht zu sein für andere, euch zu helfen, Euer Licht leuchten zu lassen. dass ihr euch zutraut: es kommt auf euch an, Ihr könnt einfach anfangen: Eure Zeit ist begrenzt, aber ihr könnt sie nutzen, denn über dir geht das Licht Gottes auf. Dies Licht zum leuchten zu bringen, euch zum leuchten zu bringen, dazu bin ich gekommen. Über dir geht das Licht Gottes auf, dass du dich immer neu siehst, dich selbst und diese Welt.

Werdet Kinder des Lichts - Was heißt das dann aber ganz konkret. Christus lieben, auf sein Licht, seinen Weg schauen.

Ich kenne eine Frau, die sich darin auf ganz eigene Weise übt. Jeder Tag ist für sie ein Lichttag. Sie ist auf der Spur der Engel. Jeder Engel kommt aus einem anderen Licht. Rot, Gelb, Grün, Gold, Blau. Die Farben verbinden sich mit Heilung, Gnade, Barmherzigkeit, Wärme oder Klarheit. So gibt sie jedem Tag ein Thema und ist nicht allein unterwegs. Wenn sie spricht, stellt sie sich vor, dass die Worte eingehüllt in Licht durch den Raum schweben, ein Wort eingehüllt in Licht berührt den anderen, verwandeln den Raum. Man kann erproben, ob das auch mit Gedanken möglich ist. Kannst du sie in Licht und Farbe eintauchen? Oder eine Berührung, ein Gebet, ein Lied, das du singst? Werdet Kinder des Lichts

Die Frau hat erfahren: Sendest du Licht und Wärme aus, dann kommt es zu dir zurück. Das tut es offenbar, denn sie erzählte so leicht und hell von ihren Erfahrungen. So erzähle ich Euch von einer Verbindung, die sich am Abend ergab, als ich mit den Kinder wieder einmal den berühmten Walt Disney Schneewittchen Zeichentrickfilm anschaute.

Da ist die Szene, wo Schneewittchen das Häuschen der Zwerge auf Vordermann gebracht hat. Nun sind die sieben Zwerge selbst dran und sollen sich waschen. Der ganze Schmutz aus dem dunklen Bergwerk soll runter. Sie stellen sich furchtbar an. Der kleinste Pimpel, das ist der, der nicht spricht, verschluckt ein Stückchen Seife und Seifenblasen kommen aus ihm heraus, kleine und große sprudeln aus seinem Mund, aus der Nase, aus den Ohren. Es ist offenbar nicht unangenehm. Zuletzt ist Pimpel selbst ganz und gar eingehüllt in eine Seifenblase, die schillert in allen Regenbogenfarben, schwebt für einen Augenblick und er in ihr. Da zerplatzt sie und alle lachen.

So komisch das wirkt, da gibt es eine Verbindung zu unserem Bild vom Lichtwerden: Was dir quer liegt, was du runterschluckst in deinem Leben, was dir zu schaffen macht, das kann hervorkommen als Bitterkeit, Brummig, unfreundlich, quer. Es kann aber auch in dir wecken die Sehnsucht nach Licht, die Freude an Leichtigkeit, den Wunsch, neu zu werden. Werdet Kinder des Lichts, seht zu wie ihr es ausstrahlt, wie es aus euch herausblubbert. Es ist kindlich übermütig, fröhlich, es ist verrückt. Es ist Vertrauen in den ewigen Gott, der die Ewigkeit in Händen hält und dich und deine Zeit mitten drin. Du bist für die Ewigkeit gemacht, aber das geht dir nur in Augenblicken auf, wie eine wunderschöne Seifenblase. Du kannst es nicht festhalten. Aber es ist nicht vergeblich. Es gibt Gottes Gnade und die ist groß und ist spürbar in dem Augenblick, wo ein Wort von dir das Herz eines Menschen berührt. Wo du der Liebe traust, deinen Weg gehst, betest um Frieden und ihn da stiftest, wo du bist.

Jeden Sonntag wird gesagt über uns und unsere Wege: "Gott segne dich und behüte dich. Gott lasse leuchten sein Angesicht über dir." Das sind nicht nur Worte. Das ist Licht getragen von Gottes Kraft und Wahrheit, auf dass wir gehen in diesem Licht und es uns selbst zu trauen, Du bist es und du kannst, Licht und Wärme aussenden. Dabei behüte dich der Friede Gottes höher als alle Vernunft in Christus Jesus. Amen

 

 

 

 

 

 


 
 
 
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