|
Keitumer Predigten 2007
Predigt am Silvesterabend 2007 (Pastorin Susanne Zingel)
Hebräer 13, 8-9
Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit.
Lasst euch nicht durch mancherlei und fremde Lehren umtreiben, denn es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade.
Liebe Gemeinde,
"Alles, was richtig schön ist, hält nicht." Zu diesem Ergebnis kam unser kleiner Sohn, als er mit Lego sein erstes Raumschiff baute. Es war ein filigranes Gebilde mit Schutzschild, Begleitsonden und Kommandobrücke. Es sah aus, als würde es gleich los fliegen. Nur landen konnte das Raumschiff nicht, ohne dass ein Teil abbrach.
"Alles, was richtig schön ist, hält nicht."
Das ist wohl ein passender Satz zum Jahreswechsel, wenn fast alle etwas schwermütig werden und dem scheidenden Jahr hinterher sehen. Das Glück lässt sich nicht festhalten. Das Leben nimmt und gibt, und Verlorenes kommt am Ende ganz nah, aber nicht zurück. Schon Kinder arbeiten sich an dieser Erfahrung ab. Nicht nur beim Spiel mit Bauklötzen. Der Hund ist im letzten Jahr gestorben. Der beste Freund ist aufs Festland gezogen. Für eine kleine Wohnung hier auf Sylt, kann man sich auf dem Festland ein Haus mit Garten leisten.
Vieles, was da war, und ganz verlässlich schien, ist nicht mehr da. Mit dieser Erfahrung leben wir von Anfang an. Es begleitet unser Leben und auch den Silvesterabend und stellt die Frage: Was ist verlässlich, was war, was ist, was bleibt?
Zum Jahresende werden viele kluge Bilanzen gezogen.
Die Ereignisse des vergangenen Jahres werden analysiert:
Was war, was ist, was kommt? Aber auch die beste Analyse stützt sich auf eine begrenzte Zahl von Ereignissen. In der einen Zeitung heißt es: "dies Jahr hat uns dem Frieden näher gebracht," Die andere kommt zum Ergebnis, "wir stehen am Abgrund." Was wirklich kommt, weiß niemand. Das auszuhalten ist schwer. Und viele sagen, sicher ist nur, dass Streit und Unfrieden bleibt. Und die anderen sagen: "Es wird immer schlimmer." Zum Beleg erzählen sie von bedrückenden Nachrichten. Das nicht schwer ist, davon gibt es viele, zu viele. Aber sich davon beherrschen zu lassen, das kann es nicht sein. Die Herausforderung ist doch: Etwas Neues zu sehen, die Hoffnung, den Segen, und in sich die Kraft den Glauben zu bewahren. Immer noch lebt die Welt von Güte und
Freundlichkeit. Das scheint flüchtig. Und erhält doch die ganze Welt.
Aus Liebe hat Gott die Welt geschaffen und hält sie weiter. Unser Predigttext ein Wort aus dem Hebräerbrief will uns darin bestärken: Lasst euch nicht wie ein Blatt im Wind umhertreiben. Haltet euch an Jesus Christus. Er allein ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit. - denn es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade.
Der alte kluge Kirchenvater Augustin hat dies übersetzt:
Unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir, Gott (Confessiones 1,1). Und hat es nicht verstanden als etwas rein Innerliches. Denn immer gibt es eine Wechselwirkung zwischen dem Innersten und dem Äußeren. So wie unsere Welt aussieht, müssen wir davon überzeugt sein: etwas Festes macht das Herz fest. Wir glauben: Etwas Verlässliches schafft Sicherheit. Versicherung, Vermögen, Rücklagen, Guthaben . . . Aber all das hilft offenbar nicht. Die Menschen in Deutschland mit all ihrem Wohlstand gehören unter 54 Nationen zu denen, die die Zukunft besonders dunkel zeichnen. Hier wohnen die Pessimisten. Im Kosovo und in Kolumbien dagegen in diesen armen Ländern treffen sich die meisten Zuversichtlichen, die sich freuen auf das, was kommt. Das Materielle macht das Herz nicht fest, gibt ihm keinen Halt und keinen Frieden. Materielles macht unsicher, weil wir wissen, es ist vergänglich, es kann verloren gehen.
Am Silvesterabend gibt es dazu die passende Geschichte. Dieser Tag ist dem Papst Silvester gewidmet. Er lebte im 4. Jahrhundert fast zeitgleich mit Augustinus. Er war der erste Bischof in Rom nach der Anerkennung des Christentums und der Legende nach wurde ihm die Konstantinsche Schenkung zugeschrieben. Da wird erzählt, Kaiser Konstantin habe dem Papst Silvester Rom und das Abendland zueigen gegeben. Damit kam über die Kirche die Versuchung, sich nicht allein im Glauben zu halten, sondern mehr noch an Macht und Besitz. Das schwächt sie bis heute. Denn Glaube lebt von der Freiheit, sich allein zu gründen in Gott und seiner Güte. Wie viel Kraft darin liegt, haben wir in diesem Jahr von ferne gesehen an den Mönchen, die in Burma eintreten für Menschenrecht und Wahrheit. Ihre Autorität, ihre Integrität liegt darin, dass sie nichts anderes wollen in dieser Welt als Gottes Güte zu folgen.
Zu dieser Freiheit sind auch wir berufen und unser Herz, dies so oft kleinmütige, schwankende, leicht verführbare Wesen, es ist doch alles, was wir haben, um uns auf diesen Weg einzulassen. Für sich allein ist unser Herz nicht verlässlich. Wer ist schon Herr und Meister über die Regungen des Herzens. Aber es ist ein Wunder und ein Geheimnis, gerade im Flüchtigen kann dir das Ewige begegnen. Es ist ein Geschenk, ein köstlicher Augenblick, wenn dein Herz eintaucht in den Schatz des Glaubens, wo du dich wieder findest in Gott und dein Herz geborgen in Christus. Wo dir aufgeht es gibt menschgewordene göttliche Liebe, Es gibt Gottes heiligen Geist und Gottes Ebenbild ist in jedem Menschen. Gründet sich dein Herz darin fest, so wird es weich bleiben. Du wirst es dir noch mehr zu Herzen nehmen, was du weißt von Tränen und Schmerz von Kindern, der Schöpfung, viel zu vielen Menschen. Aber deine Kraft das Leben zu behüten, die Ehrfurcht und die Liebe wird sich tief in dir verankern, und bleibt in alle Ewigkeit.
Die Liebe ist das einzige, was hält und bleibt. Dein Herz, das sooft kleinmütige und schwankende Herz, das weiß es und wir sind schon lange auf diesem Weg. Was wir uns wünschen können, ist dass wir in dieser Weisheit noch weiter wachsen. Jesus hatte nur ein Jahr Zeit. Ein Jahr - wie wenig ist das. Ein Jahr so schnell vorbei. Aber es reichte - Worte zu finden, Zeichen zu setzen, die bis heute tragen. Christus war eins mit dem göttlichen Grund, der da war, ist und bleibt in alle Ewigkeit. Und das war Glück. Einfach Glückseligkeit. Das Christuslicht leuchtet dir. Du trägst Christuswahrheit in dir: Es ist eine Gnade, wenn du es findest, es ist noch größere Gnade wenn du dich darauf einlässt, die Gnade aller Gnade, wenn es dich trägt in allem was ist und kommt. So bleibe dein Herz behütet, und Du geborgen in Gottes Hand durch seinen Frieden höher als alle Vernunft. Amen
|