St. Severin Kirche zu Keitum
                                                                                                                                                                                                  
 

   
PDF Drucken
 

Keitumer Predigten 2007

Predigt in der Christvesper

Heiligabend 2007, 16.00 UHR

Pastorin Susanne Zingel

Liebe Gemeinde,

der Tannenbaum zu Hause ist geschmückt. Jedes Jahr gibt es neue Modefarben für Schleifen und Kugeln, mit Schnee ganz in hellblau, lachs oder mint. Das fördert den Umsatz. Aber klassisch sind und bleiben rote Kugeln. Das kommt davon, dass man früher Äpfel an den Weihnachtsbaum hängte. So ist es bis heute: Es gibt Weihnachtsäpfel und zu Hause können Sie mal nachschauen, wo sich überall Äpfel finden. Ganz bestimmt sind es eine ganze Menge.

Gefragt, ‚warum hängt man Äpfel an den Tannenbaum' waren die Konfirmanden ratlos, der Obsthändler übrigens auch. Dabei müsste er es doch wissen und es müsste ihn auch brennend interessieren. Stellen sie sich vor, nicht nur Äpfel, sondern auch Birnen, Bananen und Orangen würden zum Tannenbaum gehören. Was wäre das für ein Geschäft? Aber sie tun es nicht: Auf der ganzen Welt gehören Äpfel an den Weihnachtsbaum auch in Australien, wo man mit Kiwis bestimmt schöne Sachen machen könnte. Auch in Australien hängen Äpfel und rote Kugeln am Tannenbaum, denn heute Nacht spielen wir alle mit in einem großen Spiel über alle Zeit hinaus. Wir ziehen nach Bethlehem in den Stall und noch viel weiter zurück an den Anfang der Welt.

Was haben wir gerade gesungen:

Heut geht sie wieder auf die Tür zum schönen Paradeis,

der Cherub steht nicht mehr dafür, Gott sei Lob Ehr und Preis.

Heute Nacht wird die Tür zum Paradies wieder aufgetan.

Was immer uns von Gott trennt: Gottes Tür steht für dich offen. Christus hat das Paradies aufgeschlossen, Leben und Heil wiedergebracht. Keine Sünde, kein Tod kann uns von Gott trennen.

Wir erinnern uns: Die Schlange gab Eva den Apfel. Eva gab ihn Adam. Beide aßen davon. Das war der Anfang vom Ende, denn Gott schickte sie aus dem Paradies. Vom Baum des Lebens sollten sie nicht essen. Das Paradies wurde verschlossen. ein Engel mit flammendem Schwert vor das Tor gestellt. Wir spielen das heute nach: Die Tür zum Weihnachtszimmer ist verschlossen.

Man muss warten. Für Kinder ist es eine Ewigkeit. Wenn es soweit ist, wenn sie eintreten in die Weihnachtsstube, dann ist es das Paradies: In der Mitte steht ein Baum, er leuchtet golden verführerisch mit Leckereien geschmückt. Darunter liegen Geschenke. Wir machen weiter, wo Gott angefangen hat. Gott schenkt uns alles mit seinem eigenen Kind. In der Mitte steht der Baum, Du darfst allen sagen, dass du sie lieb hast und das Kind bekommt ein Kuscheltier geschenkt. Du darfst dir einen Apfel pflücken, darfst ihn essen, es ist alles erlaubt wo Christuslicht und Gottesgeist einzieht.

Es war eine kleine Geschichte: zwei Menschen in einem Garten, und eine ganze Welt ging verloren.

Es ist eine kleine Geschichte, ein kleiner Stall, ein kleines Kind, die ganze Welt ist damit verbunden.

Das Große spiegelt sich im Kleinen und das Kleine im Großen.

Von außen betrachtet ist das, was in Bethlehem geschieht nicht weltbewegend. Viele Kinder werden geboren auf der Flucht, unterwegs, in Notunterkünften. Wenn der kleine Mensch das erste mal schreit, dann wird es für einen Augenblick still und andächtig. Aber die Flucht, die Not ist damit noch lange nicht zu Ende. Das war sie auch nicht für Maria und Josef, und nicht für das Kind,

Aber alle Not und alles Elend kommt ja daher, dass Menschen sich das Leben zur Hölle machen und das Himmelreich so fern scheint.

Aber das Himmelreich ist ganz nah: Im Stall von Bethlehem wurden die Hirten fromm und was immer ihr Herz verbittert, verhärtet oder stumm gemacht hatte, es verging,

Was immer an Zweifel und Unsicherheit bei Josef war, es verging, es war so einfach, und selbstverständlich, es war keine Frage mehr, es musste alles so sein.

Maria war selig und Ochse und Esel stehen dabei, denn sie gehören dazu. Ohne die Tiere sind wir Menschen sehr einsam. So wie wir leben, ist es eine ferne Erinnerung, es ist wahr, im Paradies waren die Menschen so vertraut mit allen Tieren. Wir kennen die Legenden von Franz von Assisi, wie er mit den Tieren redete. Aber Ella Nissen aus Keitum, die war ein Frau, die konnte das auch. Sie streckte die Hand aus, da kamen die Meisen. So etwas gibt es, es ist kein Wunder, es ist, wie es Gott gewollt hat, wie Gott uns gewollt hat, wie es am Anfang war, das Paradies:

Wenn wir im Frieden mit uns selbst sind, dann ist alles möglich. Wir werden Frieden schließen miteinander, wir werden im Einklang leben mit der Schöpfung.

Die Tür die am festesten verschlossen ist, ist unser Herz,

denn wir wissen, wie es zugeht in dieser Welt. Wir ahnen, wie lange Menschen schon auf ein Himmelreich hoffen und um Frieden beten und immer noch ist er nicht ausgebrochen - Solange sind Menschen schon dabei. Und jetzt kommst du ins Spiel. Denn jetzt ist es an uns, zu beten und zu hoffen und Gottes Gegenwart zu feiern.

Um die ganze Welt sind wir heute Nacht verbunden, die Weihnachtsgeschichte wird erzählt an allen Orten und wir hier gehören dazu: Die Sehnsucht nach Heil und Erlösung verbindet alle Menschen -

Und alle Menschen wissen, es ist wahr: wir können uns das Leben zur Hölle machen. Aber wir können einfach anfangen und glauben an das Himmelreich, das Paradies auf Erden, es ist verloren, aber nicht verschlossen.

Wir üben es, wir feiern es:

Gott schließt in dieser Nacht den Himmel auf,

Konfirmanden haben das nacherzählt, da kam heraus: "Die Tür zum Paradies geht auf. Der Klerus steht nicht mehr davor." Das tut er ja zuweilen. Aber wer immer noch sich vor die Tür zum Himmelreich stellt, und wenn du es selbst bist, das soll nicht so sein. Alle Engel sind unterwegs und bitten Dich: "Komm geh ein Stück beiseite," ein kleiner Schritt reicht und du bist mittendrin. Lasst uns so feiern, dass wir wissen wie das geht, den Himmel auf die Erde holen. Alle Engel helfen mit, alle Großen und Kleinen, die Tiere, die Vögel, das Licht, der Paradiesbaum: alles sagt: Du bist geliebt, du bist beschenkt, das Himmelreich steht für dich offen, tritt ein und nimm andere mit hinein.

Und du wirst ihn finden den Frieden höher als alle Vernunft und er wird deine Herzen und Sinne bewahren in Christus Jesus unserm Herrn. Amen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 
 
  header                                 

Ev.-luth. Kirchengemeinde St. Severin • Pröstwai 20 • 25980 Keitum/Sylt • Telefon 04651-31713 • Fax 04651-35585

Spendenkonto 77 33 44 • Sylter Bank eG • BLZ: 217 918 05

Bitte geben Sie für Spendenquittungen Ihre vollständige Adresse an.