|
Keitumer Predigten am 4. Advent (18. Dezember) 2005
Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch!
(Predigt: Pastorin Zingel)
2.Kor 1,19-22
Denn der Sohn Gottes, Jesus Christus, der unter euch durch uns gepredigt
worden ist, der war nicht Ja und Nein, sondern es war Ja in ihm. Denn auf
alle Gottesverheißungen ist in ihm das Ja; darum sprechen wir auch
durch ihn das Amen, Gott zum Lobe. Gott ist's aber, der uns fest macht samt
euch in Christus und uns gesalbt und versiegelt und in unsre Herzen als
Unterpfand den Geist gegeben hat.
Gnade sei mit Euch und Friede von dem, der da war, der da ist und der da
kommt.
Liebe Gemeinde,
"Freuet euch und abermals sage ich euch Freuet euch! Der Herr ist nahe."
Unser Wochenspruch heute gehört zu den schönsten Worten der Bibel.
Wo Paulus doch immer so kompliziert sein soll. Dies ist klar und so einfach:
Freude geht Gott voran. Mit Freude wird Gott begrüßt. Wo Gott
ist, da geht das Herz auf.
Es ist aber auch ein Schmunzelwort: Ich sehe bei diesem Vers immer einen
Komikprediger vor mir. Der ruft seiner Gemeinde zu: "Freuet euch!" Aber in
der Gemeinde bewegt sich nichts. Da ruft er lauter: "Abermals sage ich euch:
Freuet euch!" Der Prediger wird wütend, sein Auftritt immer komischer.
Keiner verzieht die Miene, aber die Zuschauer lachen, und das ist der Witz:
Wir lachen über uns selbst, weil wir uns selbst oft schwer tun mit der
Freude. Der Prediger treibt es einfach noch schlimmer als wir. Gegen besseres
Wissen, denn : Freude lässt sich nicht befehlen. Das Herz ist ein
eigenwilliges Wesen. Freude kommt unvermutet tief von innen.
Freuet euch, und abermals sage ich, euch freuet euch, denn in sechs Tagen
ist Weihnachten. Das löst bei Kindern Herzklopfen aus. Bei Erwachsenen
auch, doch eher Schrecksekunden, was noch alles zu tun ist. Hinter jedem
Schreck steht das Gefühl, dass wir für das Gelingen des Festes
verantwortlich sind.
Aber das ist nicht so. Wir feiern, dass Gott kommt. Also Du feierst, dass
etwas zu dir kommt, und etwas in dir wird antworten. Freude soll zu dir kommen,
will zu dir, denn Freude geht Gott voran, ganz zu schweigen von dem Glück
göttlicher Gegenwart.
Ich erzähle euch das, denn wir können uns dem in den Weg stellen.
Die Sehnsucht nach Freude kann Freude verhindern. Das hat wohl schon jeder
erlebt, wie das ist: Kannst du jemanden enttäuschen, der sich Mühe
gegeben hat? Schrecklich, nicht auszuhalten, das Gefühl, du müsstest
dich jetzt freuen! Aber du freust dich nicht. Krieg ich einen Kuß?
Doch ja, es ist sehr schön …
Es ist gut dabei zu erinnern: Weihnachten lief alles quer. Es kam alles anders
als Josef und Maria es sich gewünscht hatten. Die Pläne der
Könige wurden durchkreuzt. Die Hirten, die gar nichts erwartet hatten,
waren die ersten. Es kam alles anders, und es war wunderbar. Und sie strahlten
und lachten, und die ruppigen Hirten wurden weich und weinten und die weisen,
ernsten Könige machten Späße.
Wenn wir uns bemühen, alles schön zu machen, vielleicht sogar perfekt,
wo bleibt dann Raum für Gott, der das Krumme gerade macht, unser Leben
schön und das Fest vollkommen?
Dazu möchte ich eine Adventsgeschichte erzählen. - Eine Familie
feierte Taufe. Der Familienkreis ist versammelt: Aus Eltern wurden
Großeltern, die Schwestern Tanten und Freunde zu Paten. Aber es waren
wenige Freunde, denn die Familie hatte sich das Leben nicht gerade leicht
gemacht. Da standen sie um den Taufstein. Es wurde gebetet, es wurde gesungen.
Das Kindlein bekam seinen Taufspruch. Man konnte ihm etwas wünschen
und dabei eine Blüte auf den Taufstein legen. Als alle so dastanden,
dem Kind einen Wunsch mitgeben wollten, da drehte sich Großvater ganz
plötzlich zur Großmutter und sagte unvermutet: "Ich liebe dich
wie am ersten Tag."
Einen Augenblick war es ganz still, und dann haben sie sich geküsst,
Großpapa küsst Großmama. Und weil sie das ganz offensichtlich
lange nicht getan hatten, waren alle so gerührt, dass ich einen Augenblick
dachte: Wie geht das jetzt weiter? Es ging natürlich weiter und ganz
von allein: Großmama küsste Großpapa, und als wäre
es eins, drehte sie sich um zu ihrer Tochter, der jungen Mutter und sagte:
Ich habe dir nicht oft zeigen können, wie sehr ich dich liebe, und nahm
sie in den Arm. Und die Sonne schien heller durch das Fenster, und das Taufbecken
leuchtete golden. Und dann wurde das Kind getauft mit Tränen und Lachen.
Und wenn ich es nicht erlebt hätte, würde ich sagen: "das ist
schön, aber doch recht konstruiert."
Aber das ist es nicht.
Es war ein großes Ja im Raum, als dieses Kind getauft wurde. Und alle
hatten das Gefühl, etwas zu geben, und alle waren beschenkt durch ein
Kind, und das Kind war reich, denn da waren seine Wurzeln. Es war ein Enkelkind.
Es war ein Gotteskind. Es war ein Kind der Liebe - gesegnet, ein Kind im
Licht.
Ich erzähle euch diese Geschichte, denn es ist gut zu erinnern: So leicht
kann es sein, so leicht ist das Glück: Freude ist ansteckend, sie geht
von einem auf den anderen über. So leicht und so schwer, denn wie vieles
liegt zwischen dem ersten Tag und diesem Augenblick? Wieviel gibt es zu
verzeihen, zu vergeben? Wann hatten Großpapa und Großmama
aufgehört, sich so etwas zu sagen? Aber all das ist wie weggewischt
in einem: "Ja, ich liebe dich wie am ersten Tag." Und das Herz ist bereit,
und die Liebe ist nicht tot, sondern sie wartet nur.
Der Predigttext heute hat mich auf diese Geschichte gebracht: Kuss und Liebe,
Freude und Licht und Taufe und dich kurz vor Weihnachten zusammen zu sehen:
Hier reicht der Vers (2. Korinther 1. Kapitel) wo Paulus sagt: "Den Sohn
Gottes haben wir euch verkündet, Jesus Christus, der war nicht Ja und
Nein, sondern es war Ja in ihm. Denn auf alle Gottesverheißungen ist
in ihm das Ja."
Ein großes Ja , das ist Gottes Gegenwart. Kein "Ja, aber, kein "Ja
vielleicht!", sondern ein "Ja" klar wie die Sonne. Es war zu spüren
in der Taufe, und es ist der Weihnachtswunsch, wenn wir sagen "Gesegnete
Weihnachten, fröhliche Weihnachten!" Dass wir wie der Großpapa
antworten. Denn das kam ja nicht aus ihm allein. Ihn hatte ja etwas angefasst:
Wenn man es in Worte fassen will, dann: Die Gottesliebe hat ihn angerührt.
Die göttliche Liebe vom ersten Tag, das Gotteskind, auf jeden Fall,
etwas hat ganz groß in ihm "Ja" gesagt, hat ihn zum König auf
diesem Tauffest gemacht. Von Manfred Hausmann gibt es ein wunderschönes
Gedicht über die drei Könige, wie sie nach Bethlehem reiten, wo
sie etwas ganz anderes finden, als erwartet. Dann gehen sie in den dunklen
Stall, knien nieder, bringen Geschenke, das Kind lacht, sie verwirren sich:
und dann heißt es:
"Wir neigen unsers Altersgram auf deine kleinen Hände, und in dem Neigen
wundersam geht alle Not zu ende." Ein Lassen, loslassen, sich anrühren
lassen, von Gotteskind und Gotteskraft.
Paulus sagt, die Bereitschaft zu antworten auf das große Ja Gottes,
diese Bereitschaft ist versiegelt in euren Herzen durch den Heiligen Geist.
In dir selbst ist die Gabe sich zu freuen, sie ist in dir und will sich
entfalten. Jeder mag sehen, was ihn hindert. Darüber wissen wir ja viel.
Wenn ich am Anfang von dem Zuviel geredet habe, dann gibt es genauso das
Zuwenig, die Einsamkeit, das Alleinsein, die Trauer, den Schmerz, das Schicksal,
Zukunftsangst und es gibt diese Welt, so fern von dem Frieden auf Erden.
Und es mag wie Hohn klingen, wenn einer sagt: "Es gibt eine Kraft die ist
stärker, kann all das verwandeln, heilen trösten, die Kraft Gottes,
der Heilige Geist. Aber rührt er dich an, dann hüpft in dir etwas
vor Freude, du spürst ein großes Ja. Und du weißt es
längst: Es gibt ein Lachen unter Tränen, keine Liebe ohne Vergebung.
Und das neugeborene Kind lässt dich spüren deines Alters Gram und
nimmt ihn hinweg.
Hier vorne leuchtet das Licht aus Bethlehem. Wir wissen alle, wie bedroht
der Frieden dort ist. Aber gerade von dort brechen Menschen auf, denn sie
wollen Frieden. Sie gehen zu dem Ort, wo Jesus geboren wurde, entzünden
ein Licht.
Dann tragen sie das Licht weiter bis hin zu uns an äußerste Meer.
Und wenn du ein Bild suchst für das Ja Gottes. Dann ist es ein Licht.
Es ist klar: Eine Kerze kann nicht halb brennen, nicht vielleicht, nicht
vage. Sie leuchtet mit allem, was sie ist: ein einfaches "Ja". Ja, in dir
ist das Potential entflammbar zu sein, bereit für die Liebe, die Freude,
das Fest, den Frieden und dein Licht wird andere beleuchten und was dann
geschieht, es liegt nicht an uns, sondern der Friede Gottes höher als
alle Vernunft, der bewahre dein Herz und deine Sinne in Christus Jesus unserm
Herrn.
|