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Glücklich, der sich anderen, einer Gruppe oder Freunden anschließen kann oder zum Mittagstisch der Kirchengemeinde geht. Da wird dann aus einfachem Essen ein Höhepunkt der Gemeinschaft und was gegessen wird, verliert an Bedeutung. Wichtig ist, wie und mit wem. Alles, was Jesus bei seinem letzten Mahl im Kreis seiner Jünger und Freunde tat und sagte, hat Bedeutung:
Er nimmt das Brot, er spricht das Dankgebet, er bricht und verteilt es. So wie er es bei seinem Vater zum jüdischen Passahmahl erlebt hat.
Er nimmt den Kelch mit Wein und spricht auch über diesem das Dankgebet. Auch das hat sein Vorbild in der jüdischen Tradition.
Und wir können uns an viele Essensgeschichten erinnern: Wie oft hat er mit Freunden zusammen gegessen? Wie oft wurden sie eingeladen? Was für merkwürdige Situationen gab es da? Denn viele wollten Jesus bei sich haben. Als sie z.B. zu Zachäus dem Zöllner ins Haus kamen. Das war ein richtiges Festmahl. Und das Wunderbarste war, dass Zachäus ankündigte, jeden zu entschädigen, den er betrogen hatte.
Oder als die geladenen Gäste sich mit vielen Ausreden entschuldigen ließen und die Jünger und Jüngerinnen auf die Straße liefen und jeden einluden, den sie trafen: Bettler, Obdachlose, Prostituierte; Menschen, die sonst am Rande stehen, weil sie nur zu gern vergessen werden.
„Wer wollte nicht feiern,“ so hat Jesus einmal gesagt, „wenn der Bräutigam da ist!“
Dieses Mahl, dieses Essen an das wir uns heute erinnern wollen, ist jedoch anders und ich bin sicher, auch die Jünger erinnerten sich und spürten: Dieses Mahl ist anders.
Jesus sagt vom Brot: „Das ist mein Leib, der für Euch gegeben wird!“
Und er sagt vom Becher mit dem Wein: „Das ist der neue Bund in meinen Blut, das für Euch vergossen wird!“
Dieses nächtliche Mahl und das merkwürdige Tun und die Erklärungen Jesu machen den Jüngern deutlich: Es geht um seinen Tod. Sein Sterben, von dem er in letzter Zeit immer öfter sprach, ist auch jetzt wieder sein Thema. Anscheinend möchte Jesus, dass seine Jünger verstehen, was sein Tod zu bedeuten hat.
Dadurch unterscheidet sich dieses Essen von jeder anderen Mahlzeit.
Es unterscheidet sich vom jüdischen Passahmahl, bei dem die Juden dankbar an die beschwerliche, aber geglückte Flucht unter Gottes Führung aus Ägypten denken.
Es unterscheidet sich auch von den ausgelassenen Mahlfeiern, die Jesus mit den verschiedensten Menschen im Zeichen der nahen Gottesherrschaft feierte.
Es unterscheidet sich von anderen Gedächtnismahlen, von Festgelagen, Banketts und dem Essen für einen guten Zweck bis heute.
Dieses Mahl deutet den Tod Jesu und zeigt uns, was sein Sterben für uns heißt.
Zwei Worte stehen dabei im Mittelpunkt. Zwei Worte erregen Anstoß und stoßen auf Unverständnis damals wie heute:
Es sind die Worte „für euch“.
So wie ich dieses Brot breche, so wird mein Leib gebrochen – so könnten wir Jesus gut verstehen.
So wie dieser Wein getrunken wird, so fließt mein Blut.
Doch das ist es nicht allein. Es hat nicht die volle Bedeutung seines Todes.
Dieses Brot sollt ihr essen als meinen Leib, damit ihr Anteil an mir, an meinem Sterben und meinem Auferstehen habt.
Diesen Wein sollt ihr trinken als mein Blut, damit ihr zu dem neuen, zu dem endgültigen Bund gehört. Diesen schliesst Gott mit den Menschen.
Ich habe für euch gelebt und ich sterbe für euch. So deutet Jesus seinen bevorstehenden Tod.
Wie bitte? Für uns? Für mich? Die Konfirmanden fragen manchmal ganz ehrlich, was so schwer für uns zu verstehen ist: Wieso soll jemand für mich sterben? Jeder trägt doch allein seine Verantwortung und auch seine Schuld.
Jeder ist doch für sich selbst verantwortlich.
Das ist auch meine Freiheit, dass ich selbst entscheiden kann – die Freiheit eines Christenmenschen – und sie gehört zur Würde eines jeden Menschen.
Andererseits brauche ich ab und zu Hilfe, komme ich an Grenzen. Brauche ich Ratschläge und Unterstützung.
Aber muß wirklich ein anderer Mensch für mich sterben, damit ich lebe? Nun, wenn ich nicht soviel Fleisch essen würde und auf den Feldern nicht Futtermittel, sondern Getreide angebaut werden würden, müssten weniger Menschen hungern und verhungern. Aber ist das wirklich damit gemeint? Sicher nicht.
Das Sterben Jesu geschah nicht aus ökologischen, humanitären Gründen, es war aber auch kein Zufall oder Versehen. Es war mehr als ein Justizmord, so bezeugen uns die ersten Christen. Das Sterben Jesu bedeutet mehr.
Wenn Jesus Gottes Sohn ist, dann bedeutet sein Sterben, dass Gott selbst in den Tod geht. Eine Unmöglichkeit, ein Unsinn für Juden, für Muslime, für viele Christen unverständlich und Anfechtung.
Schon die ersten christlichen Gemeinden verstehen Jesu Tod in großem Zusammenhang. Sie verstehen, wenn Jesus sich ans Kreuz schlagen lässt, tritt er an unsere Stelle, trägt er unser Kreuz. Er stirbt und bricht damit die Macht des Todes. Er stirbt für uns und lebt als Auferstandener. Er geht uns voraus durch den Tod ins Leben, so hofften sie, und das ist auch unsere Hoffnung.
Sein Sterben ist der neue Anfang der Gottesgemeinschaft. Jesus gibt sein Blut, sein Leben, damit wir leben können. Ohne diese Lebensgabe, ohne diese Blutspende, ohne dieses Opfer können wir nicht leben. Wir leben noch mehr als sonst auf Kosten eines anderen, auf Kosten Gottes.
Wir essen das Brot als seinen Leib. Wir trinken vom Wein als sein Blut und werden damit ganz und gar hineingenommen in den Bund Gottes mit den Menschen.
Das Abendmahl zeigt uns: Gott schenkt uns das Leben, von ihm, auf seine Kosten leben wir, nicht durch uns und aus eigener Kraft, auch wenn wir uns lieber als Macher, Bestimmer, als Herr über Tod und Leben sehen.
Schwierig ist das auch für die, denen das zu blutig, zu sehr auf den Tod ausgerichtet ist.
Das Abendmahl erinnert uns daran, dass Menschsein auch heißt, einmal sterben zu müssen und dass Gott dies nicht einfach so hinnimmt. Aber im Abendmahl erzählt er uns schon von dem, was einmal sein wird, denn er lädt uns ein zu einem Vorgeschmack auf ein Leben in seiner Gemeinschaft in Ewigkeit, auf das Kaufen ohne Geld, auf das Ende von Hunger, Leid und Tod.
Das Abendmahl zeigt uns, dass dem Tod noch nicht alle Macht genommen ist. Und es fordert uns auf, es dem gleich zu tun, der sich selbst gibt.
Christus gibt sich, damit wir leben – gibt es dafür Analogien, Bilder, Beispiele unter uns?
Ein schreckliches Negativbeispiel ist der Wahnsinn vom Montag, Terroristen sprengen sich selbst in die Luft und wollen möglichst viele sterben lassen. Sie sterben, um zu töten, nicht um Leben zu erhalten.
Ein Wahnsinn! Ein wahnsinniges Beispiel dafür, wozu Menschen fähig sind!
Sie sterben und wollen damit ihren Gott verehren. Dies kann und dies ist nicht der Wille Gottes, auch nach islamsichen Verständnis nicht. Amen So stark ist die Macht der Liebe, sie kann Zorn umfassen und sie kann Schuld umfassen!
Zu lieben, wirklich zu lieben heißt, die Gemeinschaft wollen, auch wenn es einen teuer zu stehen kommt, auch wenn man nichts für das bekommt, was man bezahlt.
Und das wollte und konnte die Liebe, für die Jesus stand. Es ist die Liebe, die reinigt und die Verräter rein macht, trotz ihrer Schuld.
Und es ist auch die Liebe, die der Inhalt des letzten Abendmahls ist.
Er teilt Brot und Wein aus – und sagt: nehmet, esset, trinket. Das bin ich selbst, mein Leben, meine Liebe, mein Fleisch und Blut. Das ist das Blut des neuen Bundes, das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden.
Er ist das Brot. Seine Nähe ist tröstlich für uns. Er lässt sich brechen und kommt so allen nah, die zerbrochen sind, weil ihnen etwas im Leben zerbricht und zerspringt, eine Beziehung, die Gesundheit, ein Lebensinhalt. Er weiß etwas von dem Gebrochensein. Und das gilt auch für die, die selbst etwas zerbrochen, die Scherben verbrochen haben. Das gilt selbst für Judas. Mit einem Stück Brot läuft er gebrochen davon. Jesus Christus – gebrochen auch für ihn. –hinten im Bild können Sie ihn sehen.
Er ist der Wein. Im Bild sehen wir das ganz deutlich. Sein Gesicht schaut uns aus dem Kelch heraus an. Damit sagt er uns: Mein Blut – das bin ich selbst, mein Leben, vergossen, hingeschüttet, aus Liebe, wirklich für Euch! Jede und jeder ist damit gemeint. Mein Leben für Dich, damit du wieder mit Gott und mit dem Leben verbunden bist. Ich für Dich, damit wieder alles heil wird zwischen dir und Gott, was immer auch war!
Er gibt sich selbst weiter und zugleich isst und trinkt er selbst mit ihnen.
Er nimmt selbst Teil an dem, was gegeben wird, denn ganz bis zum Schluss teilt er das Leben mit den Menschen. Wir wollen uns heute daran erinnern und zusammen Abendmahl haben — ein Mahl der Stärkung, Zeichen für Vergebung und Neuanfang, Wegzehrung für unseren Lebens¬weg. »Brot des Lebens« wird uns angeboten und der »Kelch der Heils«, so heißt es in alten liturgischen Formulierungen.
Er nimmt alles auf sich – alles kann seine Liebe tragen: Schuld, Verantwortung, Sünde und Tod.
Und wir? Wir bekommen das Leben, um es von neuem zu leben. Das jüdische Passahfest wird gefeiert zur Erinnerung an die Befreiung aus Ägypten, an den Übergang von der Sklaverei zur Freiheit.
Und das christliche Osterfest ist dem sehr ähnlich, denn wir feiern es zur Erinnerung an die Befreiung vom Joch des Gesetzes. Wir feiern Ostern, weil Jesus uns Menschen mehr liebt als sein Leben und die grenzenlose Liebe Gottes stärker ist als der Tod.
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