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1, Korinther, 3, 9-15
Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da war der da ist und der da kommt. Amen
Liebe Gemeinde,
Die Olympiade hat begonnen. Die meisten von Ihnen haben Bilder von der großen Eröffnung in Peking gesehen. Eine gewaltige Lichtshow mit 15 000 Mitwirkenden. In den Zeitungen war zu lesen von einer beeindruckende Inszenierung, von der Sehnsucht nach Frieden, einer Show, die Hoffnung macht, und vieles mehr. Ich weiß nicht, wie es Ihnen damit erging: eine Faszination geht aus von unglaublichem Gleichtakt, von den riesigen Bildern, die durch Menschen dargestellt werden. Jeder einzelne hielt perfekt den ihm zugewiesenen Platz und bewegte sich im Gleichtakt. So schien eine überdimensionale Friedenstaube wirklich zu fliegen. Aber in all diesen Superlativen kann es einem auch unheimlich werden. Der einzelne verschwindet vollkommen in der Masse, und wir ahnen, dass da eine Realität schön verfärbt wird:
hunderte von Akrobaten lassen ein Vogelnest entstehen, in der Mitte der Starpianist Lang Lang und ein kleines Mädchen schwebt an einem unsichtbaren Seil in das Nest hinein, winzig klein aber leuchtend rot. Ein einziger Fackelträger wird an einem Seil empor gezogen, und entzündet in schwindelnder Höhe das olympische Feuer.
Es ist ein Drahtseilakt. Einer wird aus der Masse emporgehoben und findet wieder in sie zurück. Aber das wiegt nicht den Schrecken auf, dass die Menschen einfach eine Menge, eine Verfügungsmasse sind. Der einzelne zählt nicht wirklich. Wer es wagt, das zur Sprache zu bringen, bekommt keinen Friedenspreis, sondern wird eingesperrt.
30 000 Internetpolizisten überwachen verdächtige Äußerungen. Die Familienangehörigen von Dissidenten stehen unter Hausarrest und fragen sich, wenn schon dieser Arrest ihr Leben so einschränkt, wie werden die Gefangenen zurückkommen, wenn sie denn zurückkommen. Es braucht keine Vorstellung von einem jüngsten Gericht, um mit Paulus zu sagen: „Sie werden sein, wie die, die durchs Feuer gehen.“ Und man kann nur hoffen und beten, dass ihr Mut, ihre Liebe zur Wahrheit, zu den Menschen, ihre Überzeugung, dass das Gemeinwohl wichtiger ist als ihr eigenes Glück, dass sich all ihre Hoffnung stark genug erweist und sie nicht zerbrechen.
Hausarrest, Haft, ein Kind im Vogelnest, eins sein in der Masse, das hat alles mit Beheimatung und Unbehaustsein zu tun. Sind wir zu Hause in dieser Welt, so wie sie ist, mit allem, was wir wissen? Lassen wir uns von einem Feuerwerk verzaubern? Merken wir es, wenn dabei alle Opfer ausgeblendet werden. Sagen wir einfach: „Oh und ah“, oder gelingt es uns, Faszination, Irritation und Unbehagen so zu klären, dass unsere Vorstellung von Frieden und Miteinander gestärkt wird.
Nehmen wir uns heute als Ratgeber Paulus mit seinem Korintherbrief, dann kommen wir darauf, das Bild von einem Vogelnest ist wunderschön, aber es bedarf einer Verankerung. Ein Nest, das baut ein kleines Vogelelternpaar unter großen Mühen. Es sind nicht hunderte von grünen glitzernden Männern, es sind zwei kleine Vögel, die all ihre Kraft dran geben, Zweige, Halme und Moos zu sammeln. So gibt Gott alles daran, dass wir in ihm geborgen sind, dass jeder Mensch in ihm zu Hause ist. Bei Gott bin ich geborgen, still wie ein Kind, bei Gott ist Heil und Trost.
Wie ein kleines Kind, ein Vogel im Nest. Aber nicht, um dort wie ein kleines Küken sich ein wenig regressiv zu erholen, sondern um zu wachsen, Kraft zu gewinnen, die Schwingen auszubreiten und selbst den Überblick im freien Flug zu gewinnen: zu verstehen, was es heißt Gottes will, dass diese Welt sei ein Haus für alle Menschen, Ökumene, eine Haus für alle.
Wir sind Gottes Mitarbeiter, ihr seid Gottes Bau, sagt Paulus. Das meint nicht: „Ihr seid eingefügt in eine riesige Inszenierung, jeder nur ein kleiner Baustein, sondern ihr seid Menschen in Gott zu Hause und Gott wohnt in Euch.“ Alles ist in dir, wo Gottes Gegenwart dich berührt, mit allem bist du verbunden in Liebe und Erbarmen, verbunden in Solidarität und wachem Interesse. Ein Mensch ganz allein kann alles in sich tragen durch Gottes Geist und Gottes Liebe. Nicht sich aus allen herauszuheben, ist das Ziel, sondern von Gottes Geist berührt mit allem verbunden zu sein, bereit sich mit anderen zu verbinden, zusammen zu wirken. Das ist die große Herausforderung heute für uns, Damals in Korinth. Da war es auch schwierig geworden. Die Gemeinde noch ganz jung und war schon zerstritten. Paulus hatte die Gemeinde gegründet, war dann weiter gezogen und nach ihm gab es Streit. Einer wollte den anderen verdrängen, denn „Nur einer kann Chef sein“. Stolz und Hochmut, Anmaßung und Eitelkeit aber auch Trägheit und Dummheit, machtversessen aus Unsicherheit, selbstverliebt und arrogant, all das gab es in der Gemeinde. Aber nun kommt es: Paulus sagt all dem nicht den Kampf an. Er sagt nicht, all das muss sofort verschwinden, denn es hat in einer Gemeinde nichts verloren. Paulus sagt: So sieht es aus, wir sind allzumenschlich, aber wir bauen alle mit an dem großen Haus Gottes. Gott braucht uns, um sich in dieser Welt zu beheimaten. Ein jeder tut es auf seine Weise. Der eine baut mit Gold, der andere mit Silber, mit Edelsteinen, mit Holz, Heu oder Stroh. Wie immer einer dabei ist, es kommt der Tag, da wird der Bau auf seine Tragfähigkeit geprüft wie durch Feuer. Da werden wir sehen, was dann davon bleibt, was einer aufgebaut hat. Das ist doch sehr klug -
30 000 Internetpolizisten versuchen in China jeden kritischen Gedanken auszurotten.
Paulus sagt: Alle fangen verschieden an, und zuletzt werden wir sehen, was davon trägt. Nur mühe sich jeder zu bleiben in Christus, in Christus zu Hause, Christus in Dir – Christus wandte sich immer einem einzigen Menschen zu, aber hob ihn nicht heraus, alle anderen rund herum waren berührt, so war er voller Gottesgüte und Erbarmen. Wenn er vom Himmelreich sprach, dann von einem großen Tisch, und alle werden kommen. Sie werden nichts Großartiges machen. Sie werden einfach nur kommen von Osten und Westen, von Norden und Süden, sie werden sich an einen Tisch setzen. Sie werden dabei nicht um die Wette laufen. Sie werden einfach nur da sein, und Gott wird der Gastgeber sein. Da werden wir staunen, wie viel Ballast und wie viel Überflüssiges wir abwerfen werden, wie wenig wir wirklich nötig haben. Wir werden staunen, wie einfach es ist, einfach da zu sein, und den anderen das Leben zu gönnen.
Bis dahin hat Gott einen weiten Weg mit uns vor. Oft sieht es so aus, als würde diese Welt, auch unser Leben von ganz anderen Kräften beherrscht,
Aber gesegnet jeder Augenblick, wo Gottes Gegenwart uns berührt, wo unsere Seele still wird und wir es glauben und auch spüren, es gibt ihn, den Frieden höher als alle Vernunt, er ist da, umgibt uns von allen Seiten und bewahrt unser Herz und unsere sinnen in Christus Jesus unserm Herrn Amen
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