St. Severin Kirche zu Keitum
                                                                                                                                                                                                  
 

   
Predigt vom 11.05.2008 ( Pfingstsonntag ) PDF Drucken

Gnade sei mit Euch und Friede von dem, der da war, der da ist und der da kommt

Liebe Gemeinde,

sind Sie schon mit dem neuen Syltbus gefahren. Oder ist er schon an ihnen vorbeigefahren? Er ist gelb wie ein Ortsschild. Ortsschilder sind auch darauf gemalt: Sylt, Ortsteil Keitum, Sylt – Ortsteil Tinnum, ...Morsum, ...Westerland. Der Bus verbindet alle Inselorte  mit der Botschaft: Du bist ein Teil vom Ganzen. Ihr gehört alle  zusammen.

Das ist eine Pfingstbotschaft. Für alle, die von außen hierher kommen, ist das klar. Sylt ist eine Insel. Jeder erkennt den Umriss der Insel auch als Andeutung sofort. Es ist doch klar:  alle gehören zusammen, es ist eine Insel, ein wunderbarer Ort, uns anvertraut achtsam damit zu sein, ihn  gut zu erhalten, zu pflegen. 

Und doch erst einmal ist jeder ein Teil für sich: Die in SyltOst gemeinsam vertretenen Ortsteile nennen sich untereinander die „Auswärtigen“. Das meint Tinnum, Keitum, Archsum, Morsum, das sind jeweils die  Auswärtigen und sind doch eine Gemeinde.
Eine Insel ist wie ein Mikrokosmos. Man sieht deutlich, oft deutlicher, was es all überall gibt. Theoretisch wissen wir, wir gehören zusammen. Alles ist miteinander verbunden, aber zuerst sieht doch ein jeder auf sich. Jeder für sich. Und das gibt Probleme. Denn was ist einer für sich allein.  Was wäre ein Teil ohne das Ganze.

Wir feiern auf einer wunderbaren Insel Pfingsten. Das Fest  des heiligen Geistes, der Menschen aller Sprachen, jeder Herkunft miteinander verbindet.  Christen in der ganzen Welt erinnern, was wir sind, wenn wir uns von Gott anschauen lassen, nämlich Schwestern und Brüder. Kein Mensch ist eine Insel. Wir leben alle auf einem kleinen blauen Planeten, Heimat für alle und das ist Herausforderung mehr als genug.

Die Pfingstgeschichte erzählt, dass in Jerusalem alle spürten, sie sind eins, gehören zusammen. Es kam über sie wie ein  Feuer. Sie waren zu Tausende zum Fest nach Jerusalem gepilgert. Viele Auswärtige lebten hier. Sie kamen aus allen Völkern. Es waren die Parther, Meder, Elamiter, Hetiter, Perser, Griechen, sie lebten weit entfernt von ihrer Heimat, fremd, aber dann kam dieses Fest. Da standen plötzlich Leute auf dem Markt. Die redeten so klar und voller Leidenschaft, dass alle sie verstanden. Sie  redeten von dem, was wirklich wichtig ist, und sie wollten, dass der andere sie versteht. Sie hörten, was wirklich bleibt, und mit einem Mal wusste jeder, was wirklich zählt, es war wie ein Funke, der auf alle übersprang: die Liebe ist wichtig, und der Friede,  Und da redeten sie von Christus, der nichts anderes wollte als die Liebe und den Frieden und dafür gab er alles, denn die Liebe bleibt in alle Ewigkeit, und die göttliche Ordnung umgreift alles, und der Friede Gottes ist höher als alle Vernunft.

Es gab auch viele, die schüttelten den Kopf und gingen weg. Denn das hörte sich an wie Spinnerei.  Wie soll denn das gehen? Das hatte doch noch nie geklappt. Was war noch mal der Anfang? Sie bauten einen großen Turm. Sie bauten nicht viele kleine Häuser, mit vielen Zimmern, offenen Türen, nicht Brücken, nicht Verbindungswege. Sie bauten einen großen Turm. Der Turmbau zu Babel und sie verloren sich darüber. Sie konnten nicht mehr miteinander reden, sich nicht mehr verstehen. Denn diese Sache mit dem Turm war zu groß geworden und hatte alles andere erdrückt: Und das geschieht weiter auf tausenderlei Weise, aber  immer mit der tragischer Wirkung, dass das Leben klein gemacht wird, eingeschränkt. Denn das ist tragisch, wenn einer sich in den Vordergrund drängt, geraten die anderen ins Hintertreffen, wenn ein Projekt alles beherrscht, geht die Gemeinschaft, die Einheit verloren, denn die Gemeinschaft ist vielfältig, widersprüchlich, spannungsvoll, lebendig, von Gott gewollt. Aber wer alles einem Prinzip unterordnet, der zerstört die Vielfalt, zerstört das Leben.

 Wir  sehen mit Schrecken von ferne, das Leid der Menschen in Birma nach dem furchtbaren Wirbelsturm. Alle wollen helfen, aber die Diktatoren schließen die Grenzen. Sie setzen ihr System über alles, absolut. Viele Helfer stehen vor den Grenzen und die Machthaber sagen eiskalt, wir wollen euch hier nicht haben. Denn ihr bringt Vielfalt.  Einfach dadurch, wie ihr seid. Ihr kommt mit Journalisten, ihr bringt Zeitungen,  ihr bringt Geschichten, und ihr werden Bilder und Geschichten mitnehmen. Ihr werdet sie in die Welt hinaus posaunen, ihr werdet wiederkommen, und selbst wenn ihr nicht unsere Sprache sprecht, die Menschen werden euch verstehen. Sie werden sich noch mehr nach Freiheit  sehnen und sie werden wissen, dass es sie gibt.

Das wollen die Mächtigen nicht. Mit Abstand kann man es nicht begreifen, Was soll wichtiger sein, als einen  Menschen zu retten? Mit Abstand sehen wir, wie das olympische Feuer um die Erde getragen wird. Aber es ist kein Friedenslauf. Mit Abstand scheint es einfach, jedem die Freiheit zu gönnen, aber mit Abstand lässt sich die Welt nicht verändern und wer mittendrin steckt in Konflikten, der weiß meist nicht weiter.  Es sei denn der Geist führt einen aus der Enge hinaus. Wie die Jünger in Jerusalem, alles schien aussichtslos, Jesus nicht mehr da, für immer vorbei, und wenn irgendwo, dann weit weg. Aber weit weg muss nicht heißen unbeteiligt, wirkungslos, distanziert,
Weit weg, kann heißen, da ist einer, der dich besser kennt, als du dich selbst. Weit weg, einer der dich sieht, jenseits alltäglicher Konflikte, einer, der dich sieht und alles, was dir das Leben schwer macht. Und ganz weit weg, gilt niemals für die Liebe. Die Liebe überwindet jede Trennung. Christus ist nicht auf Erden, Christus ist bei Gott, aber er ist doch ganz nah. Es ist ein Wechselspiel: Christus  bei Gott, aber auch in dir, Christus über allen Himmeln und auf der Erde. Denn mitten in dem, was ein Leben eng macht, unsere Hoffnung klein macht, ging den Jüngern auf:
Christus ist da, wie einer der dich an die Hand nimmt,
der dir hilft über dich hinaus zu schauen.
Komm tritt heraus, nimm Abstand.
Sieh den weiten Bogen, sieh das ganze in göttlicher Ordnung,
Mit Abstand ist dieser kleine blaue Planet ein Wunder, getragen von Liebe,
Komm tritt heraus und bleib dabei,
Abstand heißt nicht distanziert, unbeteiligt.
Sondern frei, immer neu die Liebe zu wählen,
sich immer neu einzulassen, mit freiem Geist und offenem Blick. Und das kann Berge versetzen.  Das Feuer der Jünger sprang auf so viele über.
Es wird erzählt, dass sich  An diesem einen Tag 3000 Menschen taufen ließen.
Und sie blieben zusammen in einem Geist. Und was mit ihnen anfing, wirkt fort bis heute und geht weiter mit uns. 
Denn Gott gebe uns seine heiligen Geist, schenke uns ein fröhliches Pfingstfest und der Frieden höher als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.  Amen


 

 
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