St. Severin Kirche zu Keitum
                                                                                                                                                                                                  
 

   
Predigt vom 12.07.2009

 

fischzug-des-petrus.jpgPastor Jörg Reimann 
Sonntag, 12. Juli 2009
Fischfang des Petrus; Lukas 5,1-11

 

Audiomitschnitt

(ca. 15 Min.)





Liebe Gemeinde!
 

In den Worten aus dem Lukasevangelium hören wir, wie Simon, später nennt Jesus ihn Petrus (den Fels), zum Glauben kommt und Jesus nachfolgt. Simon Petrus ist mit anderen Fischern am Morgen zurück vom Fischen aber der Fang war mager. Mit einem kleinen Boot und einigen Netzen, die sie durch das Wasser zogen, verdienten sie ihren Lebensunterhalt. Das Boot war dabei ihr großes Kapital. Sie hatten praktisch nichts gefangen. Kein Erfolg. Der Fang des Tages versorgte die Familie. Heute würde es ein hungriger Tag werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Doch es sollte ein ganz besonderer Tag werden. Am Ufer ist schon am Morgen eine Menschenmenge zusammengekommen. Sie wollen Jesus hören. Dieser Jesus ist in der Gegend am See Genezareth kein unbekannter mehr. In den letzten Wochen hat er immer wieder unter freiem Himmel vom Gott gepredigt. Von Gottes Reich, einem Friedensreich, was unter den Menschen anbricht, wenn sie die Botschaft des Friedens hören und umsetzen. Die gute Botschaft von Gott, dass Miteinander möglich ist. Das die Liebe die größte Kraft ist auf der Welt und dass wir sie im Herzen haben und nur wirken lassen müssen.

Petrus hat auch schon miterlebt, wie in der Nähe dieses besonderen Menschen die Leute Ungewöhnliches erlebt haben. Die, die lange mutlos waren, hatten wieder Hoffnung, Menschen die krank waren, wurden wieder gesund. Seine eigene Schwiegermutter war beim Besuch von Jesus gesund geworden und diente ihm, wie im Kapitel zuvor berichtet  wird. 
Nun weiß ich nicht wie Simon Petrus Verhältnis zu seiner Schwiegermutter gewesen ist, also wie wichtig oder beeindruckend das war, was er dabei miterlebt hatte. Immerhin ist es für Simon Petrus nichts außergewöhnliches, dass die Menschen diesen Jesus reden hören wollen. Sie bedrängten ihn richtig. Sie wollten dass er heilt. Sie wollten ihn anfassen um etwas von diesem Star, von dieser Kraft abzubekommen.

Als Jesu dann auf das Boot des Simon steigt ist das für ihn nicht so ungewöhnlich, schließlich haben sie sich ja schon gekannt. „Rudere ein Stück vom Ufer ab, damit ich zu den Leuten reden kann, ohne dass sie mich so bedrängen,“ bittet Jesus und Simon tut das. 

Und Jesus predigt. Er spricht den Menschen Mut zu. Sie sollen nicht verzweifelt sein, auch wenn das Leben nicht leicht ist. Hilfe untereinander und gute Nachbarschaft und Freundschaft und Unterstützung, das ist tätige Liebe. So ist der Mensch gemacht. Das ist ein viel besseres Leben als Ellenbogen und Streit. Ihr könnt Gott vertrauen, das funktioniert, das bereichert eurer Leben, macht es einfacher. Und mit dieser Kraft im Herzen, mit der Kraft der Liebe könnt ihr Mauern überwinden, Mauern der Verhärtung des Streites und des Unfriedens. Das Unmögliche wird mögliche wenn ihr auf Gott vertraut. 
Aber die Menschen wissen, wie schwer es ist, nur den Nachbarn zu grüßen, der immer noch nicht das geliehene Werkzeug zurückgegeben hat. Hat er es einfach nur vergessen. Oder steckt da böse Absicht hinter. Will der mich fertig machen, oder ignoriert der mich. Oder selbst unter Geschwistern, irgendwie ist doch da immer das Gefühl, es geht nicht gerecht zu, einer bekommt mehr Liebe, mehr  Aufmerksamkeit, mehr vom Familienbesitz. Ist das wirklich möglich, was Jesu sagt, Liebe, Nächstenliebe, untereinander teilen, sogar mit Fremden. Wo bleibe ich da, wo bleibt da meine Familie?  

Und Jesus spürt diese Gedanken. Die Menschen sind still geworden. Er kann ihre gedachten Bedenken fast hören, so deutlich stehen ihnen die Fragen ins Gesicht geschrieben. Das ist das Geheimnis was sie nicht erwartet hatten. Eine eher unbequeme Wahrheit. Das soll funktionieren? Vielleicht wenn es alle machen. Aber wenn es nur einige machen, dann nicht. Dann bin ich hinterher der Dumme. Jemandem der bittet zu geben, wenn er um einen Rock bittet sogar noch den Mantel dazugeben. Wenn er möchte, dass man eine Meile zusammengeht, sogar   zwei zusammengehen. Und im Streit sogar die andere Wange auch noch hinhalten? 

Auch Simon ist still geworden. So richtig kann er es sich auch nicht vorstellen. Allerdings hat er schon erlebt, wie die Kraft dieses Mannes wirkt. Fast übermenschlich. 
Jesus will wissen, ob Simon Vertrauen hat auf Gott. Ob er das Unmögliche für möglich hält? „Fahr noch einmal hinaus zum Fischen“  Natürlich regt sich Protest: „Jetzt ist es schon viel zu warm, wir haben die ganze Nacht unser Glück versucht. Jetzt sind die Fische schon viel tiefer im See als unsere Netze reichen.“
Aber er vertraut und fährt los. Und so groß ist das Risiko ja nun auch nicht. Schlimmstenfalls sind eben die Netze leer und müssen erneut gesäubert werden. Dann wird es ein langer Tag mit wenig Mittagspause und es wird anstrengend, dann in der Nacht gleich wieder loszufahren. Aber warum nicht. Die anderen sind eher skeptisch.

Und dann geschieht das, was gegen die Erwartung ist. Was eigentlich nicht sein kann. Die Netze sind zum Bersten voll. Gegen alle Unkenrufe. Gegen die Gewohnheit, gegen die Natur geschieht da etwas Unerwartetes. Und Simon ist entsetzt. Er hat fast das Gefühl, hier geht etwas nicht mit rechten Dingen zu. Das ist ja wie von Geisterhand geleitet, dass die Netze voller Fische sind. Will Jesus an ihm etwas demonstrieren? Und Petrus fällt auf die Knie, hier geschieht etwas, dessen Folge er noch nicht absehen kann. Er wird irgendwie mitgerissen: “Was soll das werden. Ich bin doch ein ganz normaler Mensch, ein Sünder wie jeder andere auch. An mir ist nichts Besonderes. Jesus, ich habe Angst, was wird das? Werden jetzt alle von mir erwarten, dass ich wie von Zauberhand die besten Fischgründe kenne? Jesus was wird das?“

„FÜRCHTE DICH NICHT“, ist die Antwort Jesu, wie die Engel zu den Hirten sprechen, wie später zu den Frauen am Grab gesagt wird. Fürchte dich nicht. Fürchte dich nicht vor dem was kommt. Fürchte dich nicht, Du hast hier gespürt, wie nahe Himmel und Erde sind. Du hast gespürt, was Vertrauen bewirken kann. Du weißt jetzt, dass meine Worte wahr sind. Du kannst genauso weitersagen, was du erlebt hast und andere überzeugen. Du wirst mit mir als Menschenfischer mitgehen und die Menschen überzeugen so zu leben, wie Gott sich uns vorgestellt hat. Als Wesen der Gemeinschaft, des Miteinanders und nicht des Gegeneinanders. Als sich helfende, liebende, verstehende Menschen, als Gegenanliebende, gegen den Augenschein. Das sollst Du künftig mitmachen, als Menschenfischer, als Menschenüberzeuger. 

Und Petrus und die anderen brachten die Boote an Land und verließen alles und folgten ihm nach. In dieser Radikalität, sicher der Supergau für die Familien. Die Ernährer machen sich aufgrund von religiösen Wahnvorstellungen aus dem Staub, sind auf und davon, mit einem Wanderpredigter unterwegs. Für die Weltgeschichte ein Glücksfall, dass sie Jesus unterstützen, mit ihm gehen, die Botschaft weiter verbreiten, für die Familien, existenzgefährdend. Lukas schreibt das lieber nicht auf, so dass wir nicht viel davon wissen. Wenn Simon Petrus eine Schwiegermutter hatte, muss er eine Frau gehabt haben, vielleicht auch Kinder. Die war sicher entsetzt und hatte kein großes Verständnis dafür, dass der alles hingeworfen hat. Kein glänzendes Vorbild für Familienverantwortung.

Gut, im Nachhinein wissen wir, dass die Zeit, die Jesus gewirkt hat nicht so lang war, vielleicht ein oder zwei Jahre. Für die Familien schlimm genug, denn jeden Tag musste der Fisch gefangen werden, damit genug zu essen da war. Vielleicht gab es eine Lösung. Sie haben vielleicht die Boote verpachtet. Wer weiß? Immerhin muss es ja irgendwie funktioniert haben. Später kamen sie wieder zurück in ihre Berufe. Nun aber waren sie mit Jesus unterwegs. Und Petrus, hat ja noch einiges erlebt mit Jesus: Einmal war es ganz unheimlich. Da sahen sie Jesus auf dem Wasser außerhalb des Bootes. Und es war ihnen so, als ob Jesus auf dem Wasser gehen konnte. Eigentlich völlig unmöglich. Und Petrus wollte das auch. Er glaubte nun und vertraute Jesus. Er wollte nun auch das Unmögliche versuchen und machen, was nicht möglich war. Solange er dabei auf Jesus schaute, konnte er auf dem Wasser gehen. Als er aber auf die Wellen schaute, begann er vor Angst zu versinken.

Das sollte er also lernen. Vertrauen auf Gott, lässt das Unmögliche tatsächlich möglich werden, solange das Vertrauen besteht. Allein die Zweifel, ändern alles. Führen ins Verderben, das Wasser steht bis zum Hals. Aber Jesus bewahrt vor dem Ertrinken.Und als Jesus verhaftet wird, hat Petrus Angst ebenso zu enden und leugnet sofort, je dazugehört zu haben: Was verlangt Jesus da auch von ihm. Er hatte doch immer gesagt, er sei nur ein ganz normaler sündiger Mensch. Auch diese Angst gehört zur Nachfolge dazu.

Und dann Pfingsten. Jesus war verhaftet worden und wurde hingerichtet. Aber er hatte immer gesagt, sie würden ihn hinterher trotzdem weiter spüren. Und so fingen sie dann an in seinen Sinn zu predigen, zu singen, zu tanzen, Gott zu loben, gegen die Angst selber auch verhaftet zu werden. Sie riefen es hinaus in allen Sprachen, die in der Gegend nur vorkamen. Und Petrus stellte sich auf einen Tisch. Er, der nach dem Tod von Jesus auch so viel Angst gehabt hatte. Dieser Petrus hatte nun wieder Mut. Er rief: „Frauen und Männer, hört mir zu: Heute ist der Himmel offen. Jetzt wird wahr, was der Prophet Joel einmal geweissagt hat: So wird es sein, spricht Gott: Ich will meinen Geist ausgießen auf alle Welt.“ Jesus ist nicht tot, er lebt bei Gott und in seinen Worten unter uns.

Jeder von uns kann ihn annehmen, jeder von uns kann Gott in seinen Worten erkennen.

Lasst euch taufen auf den Namen Gottes und auf den Namen seines Sohnes Jesus, spürt seinen Geist, lebt in seinem Sinne weiter euer Leben. Im Vertrauen auf Gott, was uns Jesus so nahe gebracht hat. Nachfolge heute heißt nicht christliche Mission in die Welt tragen. Sondern die Kraft des Guten, der Liebe, des Vertrauen, des Miteinanders, die uns als Christen durch Jesus Worte näher gebracht wurden, weiterzugeben, als heilende Grundformen des Lebens für alle.
Noch einmal zu dem Moment zurück, in dem Petrus mit gefüllten Netzen da steht. Unglaublich die Fülle. Und eigentlich ist dann Hektik angesagt. Die Fische müssen aus den Netzen geholt werden. Mit diesem Fang hätten sie den ganzen Tag zu tun gehabt. Säubern, ausnehmen, in Salz einlegen, verkaufen. Sonst wird der Fisch schlecht. Vielleicht dann ganz zum Schluss wäre vielleicht ein Moment des Nachdenkens gekommen, woher dieser Reichtum kommt. Aber Petrus kommt sofort mit der Fülle zu Gott.

Diese große Menge Fisch dieses übergroße Geschenk lässt ihn erschrecken. Gott ist unglaublich gut zu mir, wer bin ich eigentlich.
Bei uns ist es meistens andersherum. Mit Mangel, mit Sorgen, mit Fragen, nach dem „Warum“ kommen wir viel schneller und viel öfter zu Gott. Mit Reichtum verbinden wir leicht Egoismus und Gier. „Sonst könnte der nicht so reich sein.“ Hier lässt der Reichtum das Herz erweichen. Und es gibt Menschen, die viel besitzen und viel geben; die wissen, dass alles im Leben eigentlich Geschenk ist, auch wenn man hart dafür arbeiten muss. Aber auch dafür kann man danken, wenn man die Kraft und das Durchhaltevermögen dazu hart zu arbeiten. Auch dass kann heutige Nachfolge sein. Sich klar machen, was alles geschenkt ist in meinem Leben und in meinem Alltag. Und dafür den Dank auch auszusprechen vor Gott. 

Und Nachfolgende rechnen mit dem Unerwarteten, dass etwas gegen die Natur, gegen die Gewohnheit geschehen kann in Jesu Nähe. Sich ereignet, was unmöglich erscheint.

Es geschieht auch heute vieles durch Jesus. Damals durch seine direkt gesprochenen Worte und heute durch seine Worte, wenn wir sie weitersagen und weiterleben als Nachfolgende. Wenn wir ihnen vertrauen, dass Frieden und Mitmenschlichkeit möglich sind und die Liebe die stärkste Kraft ist, die in uns hineingelegt ist. Wir müssen sie nur aktivieren, zum Einsatz bringen, diese besondere Gottesgabe, die Grenzen überwinden kann, Mauern durchdringt und Zäune einreißt. Die Gottesgabe Liebe. Und sie ist das Einzige, was mehr wird, wenn man sie teilt. FÜRCHTE DICH NICHT. AMEN

 
 
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