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Und wer ist in der Bibelgeschichte der Glücklichere?
Zuerst natürlich der Reiche, er kann sich alles leisten. Haus und Hof, Diener und jede Menge zu Essen und zu trinken. Aber ist er glücklich? Davon wissen wir nichts. Immerhin braucht er Wachhunde um seinen Besitz zu behüten. Und wenn er gebeten wird nur ein wenig abzugeben, vom Überfluss. ist er ein streng Abweisender. Ein Armer, namens Lazarus, möchte von Essen, was bei Tisch übrig ist, was weggeworfen wird, etwas abbekommen. Aber das wird ihm nicht gewährt. Die Hunde quälen ihn stattdessen. Dabei wäre es so leicht gewesen, dem einen, der da vor der Tür steht, zu helfen. Es war nur einer. Aber vielleicht hat ihn die Angst, es könnte sich herumsprechen bewogen, nichts, aber auch gar nichts abzugeben. Dabei wäre schon für sehr viel gesorgt, wenn jeder dem es gut geht, einem anderen helfen würde.
Und prompt dreht sich die ganze Szene im nächsten Moment um. Der arme Lazarus stirbt und wird von den Engeln in den Himmel gebracht. Der Reiche stirbt und kommt in die Unterwelt. Er sieht, wie er sein Leben mit den Möglichkeiten Gutes zu tun, verschenkt hat. Das ist die Hölle, wenn man das erkennt.
Der Reiche hat nicht einmal einen Namen. Bei uns ist das eher anders herum, wer reich ist hat eine Namen, die nichts haben sind das Prekariat, die Hartz-IV-Empfänger, die Penner.
Wer nichts hat, beschuldigt die Kirche mit der Jenseitsvertröstung der Armut Vorschub zu leisten und dem herrschenden System auch noch zuzuarbeiten. Und ein Reicher, der die Bildebene der Geschichte wörtlich nimmt muss ja nahezu sagen: „Dann will ich vorsichtshalber hier auf der Erde ordentlich genießen, ohne zu teilen, denn es könnte ja sein, dass mir im Jenseits nicht mehr viel Gutes blüht.“
Armut ist auch in unserer Gesellschaft ein Thema. Jeder Achte ist bei uns von Armut betroffen. Wenn es keine Sozialleistungen gäbe, wäre es sogar jeder vierte. Auch bei uns in Deutschland gibt es Menschen, die Hunger haben. Mindestens 5.000 Kinder leben in Deutschland auf der Straße, wahrscheinlich noch viel mehr. Man sieht sie schlecht, sie fügen sich in das Straßenbild ein. Manche bekommen es relativ leicht hin, sich im Großen und Ganzen ordentlich zu kleiden. Sie haben eine hohe Überlebensstrategie entwickelt, sammeln Pfandflaschen, suchen nach Essensresten, sind ständige Gäste der Kindertafeln, die kostenlose Mahlzeiten für die Kleinen unter den Armen anbieten. Sie "begehren, sich zu sättigen von den Abfällen vom Tisch des Reichen."
Armut hat besonders ein Kindergesicht. Sie sind am härtesten von ihr betroffen, weil ihnen durch die Armut Entwicklungschancen genommen sind. Sie wachsen wegen der Mangelernährung langsamer heran und werden schneller krank. Kinder aus armen Familien gehen nicht zum Kindergeburtstag, weil das Geld kostet, das nicht da ist und weil daraus Verpflichtungen entstehen könnten, die zu teuer sind. Sie sind in (fast) keinem Verein und in kaum einer Musikschule zu finden. Selbst wenn es Freiplätze gibt, wer will schon einen Freiplatz für einen Armen annehmen. Mehr und mehr sitzen die Kinder nur zu Hause, wo oft keiner weiß, etwas mit ihnen anzufangen. Das alles wirkt sich auf die Position in der Klase aus und damit auf die Leistungen in der Schule. Armut hat ein Gesicht und Namen.
Was bringt eigentlich Menschen dazu, immer mehr haben zu wollen - auch wenn man gar nicht alles ausgeben kann? Dass sein ganzer Lebenssinn danach trachtet, dass er seinen Selbstwert von seinem Besitz abhängig macht, dass nichts anderes mehr wichtig ist - so eine Art Lebensversicherung, für die er selber sorgen kann?
Eine Arbeit zu haben, die man gern macht und für die man auch noch gut bezahlt wird, dagegen ist überhaupt nichts zu sagen. Im Gegenteil. Das ist doch gut so. Oder das Familienerbe zu pflegen und zu schützen. Ich finde es durchaus einsichtig und richtig, dafür zu sorgen, dass man mit seinem Einkommen klug haushaltet und sich mit seinem Ersparten auch etwas erlauben kann, was der Seele gut tut, oder besondere Situationen meistern und Engpässe überstehen kann. Ich habe schon einige Menschen kennen gelernt, die vor dem finanziellen Ende standen. Über Insolvenz wird heute offen gesprochen, weil Menschen heute oft von ihr betroffen sind. Es ist schlimm, wenn es so weit kommt, dass einem Strom und Gas abgestellt werden oder man die Krankenversicherung als Selbstständiger nicht mehr bezahlen kann. Es braucht gute Beratungsstellen und auch diakonische Hilfen, aber auch die richtigen sozialpolitischen Entscheidungen, um Betroffenen aus solch einer Situation heraus wieder auf die Füße zu helfen.
Viele Menschen denken, "die Kirche" würde einem den Wohlstand madig machen wollen. Manche fürchten, dass ihnen ein schlechtes Gewissen gemacht wird, weil sie sich ein schönes Haus gebaut haben, eine gut laufende Firma führen und gerne schöne Reisen machen. Aber um das Madigmachen des erarbeiteten Lebensstandards geht es doch nicht.
Es geht doch um etwas ganz anderes. Für den Reichen galt nur das etwas, was er in seinem Leben an Luxus haben, vermehren und genießen konnte. Nun merkt er, dass er im Tod nichts mehr davon hat. Das war's dann also. Automatisch denkt man: „Geschieht ihm recht.“
Denn was ist hier eigentlich das Bedrückende? Hier wird doch gar nicht der erhobene Zeigefinger bemüht, hier wird doch nicht gedroht, hier macht "die Kirche" nicht den gehobenen Lebensstandard madig. Hier geht einem ein Licht auf - dem Reichen im Text leider zu spät, was die ganze Sache so bitter macht. Hier wird klar, wie man sein Leben mit falschen Prioritäten verwirken kann. Das muss höllisch wehtun. Wie man dadurch, dass man sein Herz völlig an seinen Besitz hängt, zu einem schlimmen Ende kommt. Der Reiche verspielt sein Leben, weil er den Armen nicht sieht. Es ist da keinerlei Kommunikation zwischen arm und reich.
Der Reiche soll ja gar nicht alle Armut der Welt abschaffen, aber das was ihm vor die Tür gelegt ist. Was dir vor die Tür gelegt ist, darum sollst Du Dich kümmern. Das wäre schon gut. Und wer sehr viel hat, bekommt viel Anfragen und wird auswählen müssen, sich auf ein oder zwei Projekte beschränken müssen, ehrliche Projekte, nicht nur um das Gewissen zu beruhigen.
Hier wird nicht gedroht, sondern gewarnt. Hier wird nicht gerichtet, sondern eingeladen zu einem anderen Weg, zum Umdenken, solange es noch geht. Und es kann ein zu spät geben.
Der Reiche möchte seine Brüder warnen, sie rechtzeitig dazu bringen, hinzusehen und nicht mehr wegzusehen. Dort anzufassen, wo vor der Tür etwas zu tun ist. Und er hofft, wenn jemand von den Toten wiederkäme und zu ihnen spräche, dann würden sie sich ändern. Aber Gott antwortet: Dass sie sich nicht einmal dann ändern würden, schließlich hätten sie die Thora, Mose und die Propheten. Das müsste doch wohl genug sein. Und an der Stelle geht dann die Geschichte mit Jesus Auferstehung weiter. Mir scheint es, als ob Gott sich erweichen lässt und doch noch einen weiteren Versuch macht, den Menschen einen Hinweis zu geben. Einen Beweis. Vielleicht ist es ja wirklich so, dass sie darauf hören würden, wenn einer von den Toten zurückkehrt. Und so lässt Gott Jesus wiederkehren, nachdem er erniedrigt, verhöhnt und gekreuzigt wurde und tot in der Grabkammer lag.
So passt dann diese Erzählung in die frohe Botschaft Jesu. Die Frohe Botschaft Jesu ist die Fortsetzung dieser Geschichte. Alle Menschen bekommen zusätzlich zu den Worten des Mose und der Propheten noch Jesus, das Vorbild der Liebe. Den lebenden Beweis, dass Frieden und Nächstenliebe auch für einen Menschen möglich sind. Das können die Zeitzeugen kaum glauben. Und sie werden später sagen; „Er war wahrer Mensch und wahrer Gott.“ Wirklich wie Gott. Wie Gott sich die Menschen vorgestellt hat, wenn sie seine Worte umsetzen.
Und zum Beweis, geht es nach dem Tod Jesu weiter mit einer starken geistigen Kraft. Einer ansteckenden Gesundheit. Leider gibt es immer noch Menschen die sich verschließen mit einer Art innerlichem Mundschutz. Aber diese ansteckende Gesundheit verbreitet sich wie eine Pandemie auf der Welt über alle Grenzen von Völkern und Religionen hinweg. Gebt die Vorsicht auf, öffnet den Mundschutz redet, hört, saugt die Gute Botschaft ein. Lasst euch ansteckenden von denen die schon befallen sind. Sie löst wahre Glücksströme aus. Diese ansteckende Gesundheit heißt „Mitmenschlichkeit.“ AMEN.
Predigtext: Vom reichen Mann und armen Lazarus
Lukas 16,19 Es war aber ein reicher Mann, der kleidete sich in Purpur und kostbares Leinen und lebte alle Tage herrlich und in Freuden.
20 Es war aber ein Armer mit Namen Lazarus, der lag vor seiner Tür voll von Geschwüren
21 und begehrte, sich zu sättigen mit dem, was von des Reichen Tisch fiel; dazu kamen auch die Hunde und leckten seine Geschwüre.
22 Es begab sich aber, daß der Arme starb, und er wurde von den Engeln getragen in Abrahams Schoß. Der Reiche aber starb auch und wurde begraben.
23 Als er nun in der Hölle war, hob er seine Augen auf in seiner Qual und sah Abraham von ferne und Lazarus in seinem Schoß.
24 Und er rief: Vater Abraham, erbarme dich meiner und sende Lazarus, damit er die Spitze seines Fingers ins Wasser tauche und mir die Zunge kühle; denn ich leide Pein in diesen Flammen.
25 Abraham aber sprach: Gedenke, Sohn, daß du a dein Gutes empfangen hast in deinem Leben, Lazarus dagegen hat Böses empfangen; nun wird er hier getröstet, und du wirst gepeinigt.
26 Und überdies besteht zwischen uns und euch eine große Kluft, daß niemand, der von hier zu euch hinüber will, dorthin kommen kann und auch niemand von dort zu uns herüber.
27 Da sprach er: So bitte ich dich, Vater, daß du ihn sendest in meines Vaters Haus;
28 denn ich habe noch fünf Brüder, die soll er warnen, damit sie nicht auch kommen an diesen Ort der Qual.
29 Abraham sprach: Sie haben Mose und die Propheten; die sollen sie hören. a 30 Er aber sprach: Nein, Vater Abraham, sondern wenn einer von den Toten zu ihnen ginge, so würden sie Buße tun.
31 Er sprach zu ihm: Hören sie Mose und die Propheten nicht, so werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn jemand von den Toten auferstünde.
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