|
Der Frühling wird als Bote Gottes gedeutet, der erblühende Mandelzweig als ein Fingerzeig, dass die Liebe bleibt, Für Schalom Ben Chorin ist es die Liebe, die aus Gott kommt. 1942, als Fritz Rosenthal aus München nach Jerusalem geflüchtet, schreibt Schalom Ben Chorin auf deutsch. Im Deutschen ist es nicht so offenkundig, dass sein Gedicht mit einem Wortspiel auf den Propheten Jeremia verweist. Dort heißt es im 1. Kapitel „Und es geschah des Herrn Wort zu mir: Jeremia, was siehst du? Ich sprach: Ich sehe einen erwachenden Zweig. Und der Herr sprach zu mir: Du hast recht gesehen; denn ich will wachen über meinem Wort, dass ich's tue.“
Gott wacht über sein Wort, aufblühen wird Recht und Gerechtigkeit. Trotz allem Unrecht, trotz aller Verfolgung und finsterer Zeit, die Liebe wird immer stärker sein. Niemals ist sie vergeblich, sie wird blühen wie eine Blume im Winter.
Gottes Wirken spiegelt sich in dem Wunderbaren der Schöpfung. Das Gleichnis von der vierfachen Saat gehört auch in diese Tradition. Ein Säemann geht über das Land, er sät seinen Samen. Es kann nicht anders sein, nicht alles fällt auf fruchtbaren Boden, etwas fällt unter die Dornen, manches fällt auf den Weg, manches fällt auf den Felsen. Aber es ist immer noch genug das auf gutes Land fällt und das bringt reiche Frucht. Die frühe Kirche hat diese Metaphern weiter ausgedeutet und in die Enge geführt. Gott streut seinen Samen. Aber dann kommt der Teufel und macht Schwierigkeiten. Der Same ist das Wort Gottes. Die aber auf dem Weg, das sind die, die es hören; danach kommt der Teufel und nimmt das Wort aus ihrem Herzen, damit sie nicht glauben und selig werden. Gottes Werk und Teufels Beitrag ergänzen sich nicht, wie in dem wunderbaren Buch von John Irving , sondern arbeiten dualistisch gegeneinander. Gott sät, der Teufel macht kaputt. Damit wird ein dualistisches Weltbild aufgebaut, dass nichts als Unheil anrichtet. Jesus will gerade diese sinnlosen Gegensätze überwinden. Er predigt Gottes Güte für Fromme und für Sünder gleichermassen. Und die Frommen regen sich auf. In ihrem Schema von Gut und Böse kann das nicht sein.
Wie radikal das zu denken ist, kann man verstehen mit den Bildern, die wir in diesen Tagen aus einem Gerichtssaal gesehen haben. Es ging um die Verurteilung des Bruders, der seine Schwester Morsal ermordete. Aufruhr und wüste Beschimpfung, denn es ist nicht selbstverständlich, dass jeder das gleiche Recht hat, sein Leben zu leben. Ob du aus Deutschland oder Afghanistan kommst, ob du Tochter oder Sohn bist: Du hast ein Recht, du selbst zu sein. Hass und Gewalt lassen keine Vielfalt zu. Wie widersinnig ist es, wenn der Bruder dem Richter zuruft: „Ihr habt meine Schwester umgebracht.“ Der Vater nimmt die Kerze, die andere für seine Tochter angezündet haben und schmettert sie zu Boden: „Verflucht, verstoßen, verdammt sollst du sein.“ Wichtig ist es, ehrbar, gerecht und rein zu leben. „Erlöst und verdammt“, Gesegnet sei der Tag, an dem all das ein Ende findet. Nichts anderes hat Jesus gepredigt. Und wer ihm glaubt, für den geht die Tür zum Himmelreich auf. Denn meine Seele sieht das Land der Freiheit, wo Liebe blüht und wo Frieden und Gerechtigkeit Hand in Hand gehen. Das ist zu schön, um wahr zu sein. Aber es ist wahr, denn darin liegt Gottes Schöpferkraft und bringt reiche Frucht.
Gestern war Valentinstag. Dieser Tag wird wirklich erdrückt durch Kommerz und Kitsch. Ferreroküsschen und MonCherrie machen aus der Geschichte des kleinen Bischof Valentin eine Karikatur. Dabei ist dieser Bischof eine hinreißende Gestalt. Er war schon damals im 3. Jahrhundert ein Außenseiter. Auf Konventen fiel er aus dem Rahmen. Seine ehrwürdigen gestrengen Kollegen ordnen Ämter und Hierarchien, schaffen Kirchenrecht und eine Ordnung, die viel von der ursprünglichen Botschaft Jesu erdrückt. Bischof Valentin war dazwischen so ganz anders. Schon sein Name war verdächtig und nicht besonders kirchenfromm: Valentin, das ist der, dem es gut geht, oder der, der es sich gut gehen lässt. Mit Güte brachte er Menschen dazu neu anzufangen. Er schenkte Soldaten Blumen, er erinnerte sie an ihre Familie, ihre Liebe. Er schrieb Gedichte,und als Soldaten anfingen, selbst Gedichte zu schreiben und sich immer mehr nach ihrer Freundin zu sehnen, wurde Valentin ins Gefängnis geworfen. Und weil er den Kaiser nicht anbeten wollte, wurde er hingerichtet. Aber noch im Gefängnis predigte er so überzeugend die Liebe, dass alle ihm zuhörten. Und dazu kam die schöne Tochter des Gefängniswärter, die war blind. Das ist Märchensprache, Symbol: Das schöne Kind wird im Gefängnis blind. Aber Valentin heilte sie und sie verliebte sich in ihn, und er in sie. Nach seinem Tod tauchte ein Abschiedsbrief auf. ’Für immer dein Valentin’ schrieb er an seine Geliebte. Damals durften Bischöfe noch heiraten. Und doch fragte man, was ist das für ein Bischof, der seine letzte Worte nicht an seine Gemeinde richtet, ihnen schreibt: „Seid stark im Glauben und getreu bis in den Tod.“ Valentin schreibt an seine Freundin, „Für immer dein Valentin.“ Und gerade das ist geblieben. Eine Liebe stärker als der Tod. Ein Bischof, der Blumen verschenkt und die Sehnsucht blüht auf, und nichts und niemand kann sie aus der Welt bekommen, denn der Frieden Gottes der höher ist als alle Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserm Herrn. Amen
|
|