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Es ist ein unglaublicher Aufwand. Eine Fahrt dauert vier Stunden, also acht Stunde hin und her. Man fährt mit der Bahn, man fährt mit der NEG, man fährt mit dem Bus bis es aufs Schiff geht. Dabei entdeckt man aber schnell, nicht nur auf einer Fähre lässt es sich gut und viel besser miteinander reden als hätten wir uns irgendwo in einem Gemeindesaal getroffen. Über Deck, unter Deck, die Treppen rauf, die Treppen runter, überall in immer neuen Konstellationen. Man muss auch nicht die ganze Zeit reden, man kann einfach nebeneinander aufs Meer schauen und das gibt dem weiteren Gespräch Gelassenheit und Tiefe. Auf Hooge steigt der Halligpastor Niedorff zu. Im Hafen von Langeneß warten schon die Kollegen von Föhr. Sie haben sich ganz früh am Morgen auf den Weg gemacht, haben sich ein Boot gemietet haben und sind am Morgen mit der Flut herübergefahren. Bereit steht auch der „Friesenexpress“, ein Trecker mit Anhänger, auf dem alle Pastoren Platz finden. Passend zu diesem Hirtenauftrieb sind weit und breit nur Schafe zu sehen. Allein für dieses Bild lohnt schon der ganze Aufwand.
Die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte. Sie machten sich auf einen weiten Weg. Es gab viele, die ihnen schon vorher sagten, das ist sinnlos. Was wollt ihr denn da? Jesus ist tot, und es ist jetzt langsam an der Zeit, sich wieder um die Familie zu kümmern. Hochsaison, Erntezeit, beste Zeit für Fischfang: Kommt, ihr elf Jünger wieder zurück. Aber sie scherten sich nicht darum. Sie gingen los und machten sich auf den Weg nach Galiläa. Ihr werdet den Auferstanden treffen. Und ihr werdet sehen, dass es sich lohnt. Sie bleiben nicht sitzen, sie ziehen sich nicht zurück, sie schreiben keinen Bestseller, ‚Meine Zeit mit Jesus‘. Sie diskutieren nicht, sie wandern und setzen sich in Bewegung. Uns ist das schon weit und fern, Das Evangelium schließt sich auf im Miteinander und in der Bewegung. Über diesem Bibelabschnitt steht der „Missionsbefehl“, als wäre einzig und allein wichtig, was sagt Jesus da oben auf dem Berg und ist es wahr oder ist es falsch. Erst einmal ist wichtig, die elf Jünger gehen überhaupt los, gehen und reden und nach drei Tagen, als sie ankommen sind sie bereit mit offenem Herzen, mit offenem Ohr.
Wir kommen auch auf einem Berg an, die Kirchenwarf. Es erwartet uns Pastor Krämer. In seiner Kirche ist er für alles zuständig. Er zündet die Kerzen an, verteilt die Gesangbücher, spielt die Orgel und predigt. Wobei er einfach ganz frei erzählt von der Geschichte dieser kleinen Kirchengemeinde, von Fluten und versunkenen Kirchen und dem Leben auf der Warf. Da traut man keinem Deich, ein Deich kann brechen. Aber eine Warf sicher gebaut, die gibt einige Sicherheit. ER spricht darüber nicht mit Angst, sondern voller Vertrauen und mit großem Respekt vor den Kräften, die um diese Insel herum walten. Überall ist das Meer zu sehen und die Salzwiesen, die werden 20- 30 x im Jahr geflutet, dann steht das Meer direkt vor der Haustür. Dort auf dieser Hallig leben die Menschen noch viel enger verbunden mit dem Meer als wir hier auf Sylt. Sie erleben viel öfter als wir hier das Meer wie am allerersten Schöpfungsanfang.
Christus spricht: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.
Auf einer Kirchenwarf von einem Halligpastor weitergegeben bekommen diese Worte einen rechten Klang – freundlich einen gottesgütigen, menschenfreundlichen Klang. In einer Kathedrale in einem Zentrum kirchlicher Macht bekommen sie leicht etwas Beklemmendes. „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.“ Da klingt gleich mit Macht und Unterdrückung , Mission als Überfremdung, Rechthaberei, Befehle und Lehre. Da geht jede Weite verloren und alles verkehrt sich.
Was Christus mit Licht und Klarheit, mit einer verrückten Hoffnung in die Welt bringt, das ist auf einer Kirchenwarf ganz nah. Es ist wirklich ein Wunder, dass diese Botschaft von Heil und Leben sich ausgebreitet hat vom Wüstenland bis hin auf die letzte Hallig. Einfach und schlicht, Gottes Güte behütet dich, selbst da wo Untergang droht. Wenn Du durchs Feuer gehst, du wirst nicht brennen, wenn Du durchs Wasser gehst, du wirst nicht ertrinken, selbst wenn Du stirbst, wird der Tod nicht das letzte Wort haben, denn ich lebe und ihr sollt auch leben. Widerständig und frei, dabei geborgen und gehalten, so könnt ihr leben, und die Menschen werden euch glauben, wenn ihr ihnen davon erzählt. Ihr werdet ihnen helfen, dass sie eintauchen in die Güte Gottes, eintauchen in seinen großen Namen und ihr werdet gehen voller Vertrauen, denn ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.
Das Leben auf einer Hallig ist heute wie damals eine Ausnahmeexistenz. Aber es kann zu einer Metapher werden, einem Bild für unser Leben, zB wenn man hört auf ein Lied von Silbermond, das junge Leute ganz nach oben in die Charts gewählt haben:
Sag mir, dass dieser Ort hier sicher ist,
und alles Gute steht hier still.
Und dass das Wort, das du mir heute gibst,
morgen noch genauso gilt.
Diese Welt ist schnell
und hat verlernt, beständig zu sein.
Denn Versuchungen setzen ihre Frist.
Doch bitte schwör, dass wenn ich wiederkomm,
alles noch beim Alten ist.
Gib mir 'n kleines bisschen Sicherheit,
in einer Welt, in der nichts sicher scheint.
Gib mir in dieser schnellen Zeit irgendwas das bleibt.
Gib mir einfach nur 'n bisschen Halt,
und wieg mich einfach nur in Sicherheit.
Hol mich aus dieser schnellen Zeit,
nimm mir ein bisschen Geschwindigkeit.
Gib mir was, irgendwas,das bleibt.
Dieser Text auch noch schön gesungen, kann zugegeben ein Einlullen werden. Ich vermute aber eher, das hinter diesem Zurücknehmen: Gib mir ein ‚kleines bisschen‘ Sicherheit, nicht die ganz große, sondern nur eine kleine und die ein bisschen, dass dahinter nicht der Glaube steht, man kann es nur in kleiner Münze bekommen, sondern dass dahinter eine Scheu steht, eine Zurückhaltung. Denn wir sind es nicht gewohnt, so leicht zu reden über unsere große Sehnsucht nach Halt und Trost und Geborgenheit. Dass wir nicht wollen, dass alles beim alten bleibt, sondern das gerade in allem schnellen Wandel wir herausfinden, was ist wahr und wahrhaftig, was trägt und bleibt. Was geht nicht unter in einer Flut von Beliebigkeit, Informationen, falschen Versprechungen, Ansprüchen, Erwartungen, die alle zusammen gefährlicher unbarmherziger sind als das Meer.
Christus spricht, Mein Wort von Gnade und Güte, Barmherzigkeit und Leben., mein Wort wird gelten bis an das Ende der Welt. Und ich werde bei euch sein alle Tage, denn es ist wahr und wahrhaftig, dass der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft unsere Herzen und Sinne behütet in Christus Jesus unserm Herrn. Amen
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