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Lebt als Kinder des Lichts. Konkret umgesetzt kann das heißen, im Edeka-Laden darf man nicht klauen. Mit Worten darf man nicht lügen und aus einem fahrenden Auto darf man nichts hinaus werfen. Das sind die zentralen drei Gebote eines Dreijährigen, den wir zuhause begleiten. Sie werden immer wieder wiederholt werden, denn sie sind unbedingt einzuhalten. Sie können mit zunehmendem Alter und Erfahrungsschatz erweitert werden. Sie sind dann auch unbedingt einzuhalten. So können wir uns das Leben einfacher und leichter machen.
Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.
So breitet sich Licht und Klarheit aus. Mit nichts, was es dazu noch zu sagen gibt, soll es in Frage gestellt werden. Doch so nötig wir aufrichtige Rechtschaffenheit brauchen, so sehr unser Leben darauf beruht, retten und heilen wird es uns nicht.
Das Leben ist nicht leicht. Es ist eine Tragik mitgegeben, der keiner von uns entgeht. Die Tragik, das auch der, der das Gute sucht und will, Gefahr läuft, gerade in diesen Mühen, dass Leben zu behindern, zu verletzen oder gar zu zerstören.
Diese Tragik ist uralt. Zurzeit Jesu waren die Pharisäer die Vertreter, die das Gute wollten, die das Gebot Gottes vor sich hertrugen wie ein Schutzschild. Sie selber merkten nicht, vor welchen inneren Abgründen es sie schützen sollte.
Wer sich aufschwingt zum Guten gegenüber den Bösen, wer sich aufschwingt als Lichtgestalt, der erliegt dem tragischen Irrtum, dass es leicht sei, zu leben als Kinder des Lichts. Er löst sich ab vom allerersten Anfang als das Volk Israel durch die Wüste wanderte und Mose auf den Berg Sinai stieg. Als er von Gott die Gebote empfing, die Steintafeln, da lag eine dunkle Wolke um den Berg und niemand konnte hinein schauen. Viel später als das Volk Israel den Tempel einweihte und die Tafeln in einem feierlichen Gottesdienst in das Allerheiligste, Innerste und Dunkle hineingetragen wurden, da betete König Salomo:
„Es ist wohl wahr, die Sonne hat der HERR an den Himmel gestellt. Von sich selbst hat er hat aber gesagt, er wolle im Dunkel wohnen.“ Geheimnisvoll, verborgen, da wo ihn keiner vermutet.
Lebt als Kinder des Lichts. Nur wer das Dunkel kennt, die Finsternis nicht verdrängt, nicht verschweigt, der kann in diese Wahrheit hineinwachsen. Diese Metaphorik, der Gegensatz von Licht und Finsternis, ist immer in der Gefahr reduziert zu werden auf Gut und Böse, auf Hell und Dunkel. Am Endpunkt führt das zu Fanatismus – am Anfang dagegen ist alles noch offen. Dass ist grundlegend und zentral für unser Leben.
Die Schöpfungsgeschichte, die ganze Heilige Schrift, beginnt mit der Geschichte:
Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde und die Erde war wüst und leer. Und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser.
Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht. Und Gott sah, dass das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht. So wurde aus Abend und Morgen der erste Tag.
Das Licht geht auf. Das Leben beginnt. Die Schöpfung erwacht. Das Spiel der Farben entflammt. Wärme breitet sich aus, das sind alles wunderbare Erfahrungen.
Das Licht des allerersten Morgens ging auf, bevor Gott schuf Sonne, Mond und Sterne. Es war sein ganz eigener Glanz. Gottes Klarheit, mit der er als erstes in die Schöpfung hinein kommt.
Die Finsternis war vorher schon da. Es war finster auf der Tiefe. Durch ein einziges Wort scheint das Licht auf. Unbestimmt war vorher das Dunkel, nicht gut, nicht böse. Nicht etwas, nicht nichts. Einfach unbestimmtes Dunkel bis das Licht aufschien.
Jetzt kommt eine ganz wichtige, entscheidende Grenze für uns. Dass wir dieses Licht und die Finsternis unterscheiden können, von dem, was dann kommt, Tag und Nacht. Das Spiel von Licht und Schatten, von Hell und Dunkel. Denn Gott sah an das Licht und sagte: Ja, es ist sehr gut. Zur Finsternis sagt er nichts. Sie war ja auch schon da. Er sagte: Ja, das Licht ist sehr gut. Er sagte nicht: Der Tag ist besser als die Nacht und Licht ist besser als das Dunkel.
In dem Augenblick als sein Licht aufging, aufschien in der Schöpfung und sich alles weitere entfaltete, da war sein „Ja, es ist sehr gut!“ Auf dieser Grenze klug zu werden, das ist unsere Berufung, das ist schwer genug. Wir leben in einer Kultur und Bildersprache in der alles Helle als positiv gesehen und alles Dunkle negativ bewertet wird.
Das Gesangbuch ist voll davon: „In der Nacht wohnt des bösen Feindes List“, „das Dunkel ist die Nacht auch meiner Sünden“ oder in der „Finsternis ist Blindheit, Ärgernis und alle Schand“.
Je länger man dies singt und sich in dieser Bildsprache beheimatet, kann es einem geschehen, dass man ein Leben ohne Schatten für möglich hält. Ein Leben in Klarheit, aber wo wir dies suchen – wo wir Schatten und Finsternis verbannen – müssen wir tragisch scheitern. Denn Licht und Dunkelheit gehören zusammen, von Anfang an.
Die Sterne sind genau so Boten Gottes wie die Sonne. Der Zauber und die Wunder der Nacht, ihre Geheimnisse sind Gott so nahe wie die Klarheit des Tages. Das finstere Tal durch das wir gehen müssen, jeder zu seiner Zeit, gehört zum Leben dazu. Ein Leben frei von Schuld ist nicht möglich.
Lebt als Kinder des Lichts. Für uns heißt es, wenn wir unser Leben nicht nur einfach, sondern wahrhaftig machen wollen: Stellt alles was da ist, alles Scheitern und alles Gelingen, alles Glück, allen Schmerz, Peinlichkeiten, alle Schuld ins Licht Gottes. Damit es Gott anschauen kann. Damit es sich wandeln kann im Lichte Gottes. In der Stille, im Gebet sich anschauen lassen oder einfach in der Bewegung auf einem Spaziergang.
Gottes Licht und Klarheit umgibt uns barmherzig, hell und klar. Aufrecht in Niederlagen, mutig und selbstbewusst. Da wo wir scheinbar dastehen wie ein Opfer, kann sie einen Täter demütig machen. Das ist alles möglich, wo das Licht Gottes aufgeht.
Ein Leben ohne Finsternis, ohne Dunkelheit und Schrecken gibt es nicht. Wir haben es gestern Abend gehört, in Sekunden hat sich in Duisburg ein fröhliches Fest, die Loveparade, verwandelt in einen Ort des Schreckens. Menschen geraten in Panik, außer sich und es bleibt eine Spur des Grauens. Keine Sonne verfinstert sich und das Fest geht einfach weiter, weil die Panik sonst noch größer wäre.
Das Leben wird weitergehen für die Betroffenen, die Verletzten, die Davongekommenen. Das Leben wird weitergehen für die Freunde und die Angehörigen. Viele von ihnen werden ihre Trauer und ihren Schmerz in eine Kirche tragen, für sich allein oder in Trauerfeiern und Gedenkstunden. Sie werden sie dahin tragen in der Hoffnung, dass selbst das Schlimmste sich noch wandeln kann, dass Hoffnung und Trost hier nicht vergeblich gesucht werden. Sie treten ein in eine Kirche in der Hoffnung, dass das Licht Gottes alles wandeln kann.
Sie treten ein in eine Kirche, die selber gerade an dieser Stelle in eine Krise gerät. Wir haben es gehört und uns in Nordelbien noch nicht davon erholt, wieder ist eine Bischöfin zurückgetreten. Weil Licht in die Dunkelheit gebracht wurde. Keine persönliche Schuld, sagen selbst die Betroffenen, trifft Maria Jepsen. Und doch tritt sie zurück. An einer Stelle, wo wir mutige Menschen bräuchten, die Verantwortung übernehmen und die dazu helfen, dass Kirche ein Ort sei, wo Wahrheit ans Licht kommen darf. Nicht vertuscht, nicht verheimlicht und nicht verschwiegen, sondern aufrecht und mutig.
Unsere Bischöfin tritt zurück. Es nahm vor drei Wochen in einem paradiesischen Umfeld seinen Anfang. Eine Wildblumenwiese war bei Ahrensburg geschaffen worden. Dort versammelten sich Landrat, Bürgermeister, Pastoren und Bischöfin. Eine Feier der Schöpfung sollte es werden. Ironie des Schicksals: Auf einer Wildblumenwiese, wo mit Bienchen und Blumen viel zu viel über Sexualität eher verschleiert als aufklärend geredet wurde. Dort erscheinen sechs Menschen und tragen schwarze Masken, stellen schwarze Schafe dar. Sie tragen ein Schild: „Sexueller Missbrauch ist ein Verbrechen, das nicht verjährt. Niemals.“
Was für ein seltsames Bild! Das arme, schwarze Schaf wird herbei zitiert und doch zu recht. Stumm und schweigend stehen die sechs Menschen da. Kommen und gehen einfach wieder. Der Auftritt war so stark, dass es nicht mehr zu verschweigen und zu vertuschen war. Offensichtlich zu spät, um das zu tun, was jetzt mit einem Schritt getan wurde: Vertrauensvolle Menschen einzusetzen, die man ansprechen kann. Zu sagen, wen man wann und wo erreicht, wenn man in Not geraten ist, wenn man Fragen hat, wenn einem Unrecht geschehen ist. Frauen und Männer, die bereit sind, ohne zu verschleiern über Sexualität. Missbrauch und Gewalt zu sprechen. Damit nehmen sie eine Rolle ein, die von der Bischöfin bis hin zu jedem Einzelnen von uns in den Gemeinden zu wünschen ist, dass wir da hineinwachsen. Das wir nicht zurückschrecken, es uns nicht zutrauen und Angst vor dem Abgrund haben, sondern mutig erkennen, es gibt keine Wahrheit, die man nicht aussprechen kann und keine Wirklichkeit, die nicht ans Licht kommen darf.
Die Wahrheit, die wir unseren Kindern und jungen Menschen in Gemeinden und darüber hinaus schuldig sind. Wir dürfen nicht dahin kommen, dass wir sagen, Sexualität wäre leicht und wie selbstverständlich das Leben erfüllend. Es braucht den Schatten der Intimität, das Dunkel der Nacht und die geheimnisvolle Vertrautheit. Darum braucht es den Schutz, die Reife, das Behüten und Beschützen.
Wo wir falsch das Leben in Licht und Finsternis teilen, können wir dieser Verantwortung nicht gerecht werden und nicht hinein wachsen. Wenn wir selbst verschweigen, dass Liebe und Sexualität auch zu tun hat mit Niederlagen, dass dort bitterste Tränen geweint werden, vom allerersten Liebeskummer angefangen und es werden nicht die letzten sein.
Die Liebe zu leben, ist nicht leicht. Wir sind berufen, uns dabei zu stärken und zu helfen. Mutig und ehrlich. Jesus kam hinein in diese Welt wie eine Lichtgestalt. Weil er sich traute, Wahrheiten auszusprechen und nichts zu verschweigen. Er gab den Menschen die Erlaubnis, dass aus Problemen Konflikte werden dürfen. Es muss nicht unter den Teppich gekehrt werden, nicht ins stille Kämmerchen verbannt. Aus Problemen dürfen Konflikte werden, weil der Glaube stärker sein kann als die Angst davor, einen Konflikt einzugehen.
So war Jesus eine Lichtgestalt, so lud er Zachäus ein und sagte: „Bei dir Zachäus, bei dir dem fiesen kleinen Betrüger, will ich einkehren“. Sie standen auf der Straße uns schrien: „Beim Sünder ist er eingekehrt!“
Und doch: behütet durch seinen Frieden, höher als alle Vernunft, möge er bewahren unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, jetzt und allezeit. Amen.
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