St. Severin Kirche zu Keitum
                                                                                                                                                                                                  
 

   
Predigt vom 27.07.2008 ( 30 jähriges Jubiläum des Förderkreises ) PDF Drucken

Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da war, der da ist und der da kommt. Amen 
Liebe Gemeinde,
wir feiern ein Fest der Freunde und der Förderer. Wir feiern eine ganze Festwoche. Sie hat schon am vergangenen Donnerstag mit dem wunderbaren Konzert der Deutschen Stiftung Musikleben begonnen. Und sie geht heute weiter mit dem Jubiläum unseres Förderkreises St. Severin. Dreißig Jahre sind eine lange Zeit. Aber der Förderkreis ist dabei nicht alt geworden. Er ist aktiv und voller Ideen und Tatkraft. So lang dreißig Jahre sind, unser  Förderkreis ist die neueste Perle in der langen Kette von Freunden und Förderern. St. Severin ist eine Stiftung ganz und gar. Alles hier ist geschenkt, uns von Generation uns voraus uns vermacht. Schon am Anfang wird erzählt, dass der dänische König Geld und Steine für den Bau der Kirche gegeben habe. Dazu kommen Inge und Dung, und beginnen den Reigen der Stifterinnen. Geht das auch weit zurück, so sind sie uns doch wieder ganz nah. Haben die beiden doch gesagt, werdet nicht hochmütig und passt gut auf Eure Glocken auf. Seht zu, dass Euch keine auf den Kopf fällt. Und ist es nicht so, dass gerade der Förderkreis  sich heute um die Glocken und den neuen Glockenstuhl kümmert.
Eine Kirche ist niemals fertig. Dies gilt für St. Severin ganz besonders. Sie ist immer in Bewegung. Sie verändert sich. Wer Bilder sieht, wie es in den fünfziger Jahren hier aussah,  der staunt, wieviel  sich verändert hat. Klarer ist die Erscheinung und  vieles ist ganz neu geworden. Nicht nur die Orgel ist auch neu, manch altes Stück wurde hinausgetragen, moderne Kunst kam dazu. St. Severin ist in Bewegung und Menschen anvertraut, die sie lieben und ihre eigene Geschichte mit der ihren verbinden.
Wir leben in Zeiten wo Kunst, Kultur und Soziales immer mehr zum Luxus werden. Sie bedürfen immer mehr der privaten Förderung, des persönlichen Engagements. Wir leben aber auch in einer Zeit, in der so viel  gestiftet und gespendet wird. Viele Menschen haben das Bedürfnis, Gutes und Güte der Gesellschaft zurückgeben  zu können.  Fundraising ist dafür das neue Zauberwort. Es wird auch in der Kirche benutzt. Aber ich sage es gerade heraus, ich mag dies Wort nicht und es passt nicht zu St. Severin. Den Fond, den fundus, das Vermögen zu erhöhen, zu vermehren, immer mehr zu sammeln, diese Bewegung hat in sich etwas Beharrendes.    Wer immer nur aufhäuft, der hat leicht etwas von dem reichen Kornbauern, der immer nur seine Scheune füllte und gar nicht wusste, wozu er es tat. Solche Zeiten des Aufhäufens und Sammelns gibt es auch in Gemeinden. Aber das geht oft mit  Stagnation einher, Winterzeit für eine Gemeinde. 
Zum Glück haben wir einen Förderkreis und keine Fundraiser. Es geht nicht darum, Geld aufzuhäufen, sondern sich zu bewegen, dass sich unsere Zeit und die Zeit vor uns miteinander verknüpft. Wir kommen nicht aus dem Nichts. Wir erfinden uns nicht neu. Wir haben Wurzeln weit zurück und können gerade daraus die Kraft schöpfen, die wir brauchen, um unsere Zeit  zu bestehen.

Sylt geht stiften, Freunde, Förderer gehen stiften. Das ist erst einmal ein Wortspiel. Stiften gehen, heißt nicht anhäufen, sondern weggeben, widmen, weihen. „Stiften gehen“ heißt in der Umgangssprache weglaufen, flüchten, abhauen. Da kommen die Experten ins Spiel, die sich mit Schätzen besonders gut auskennen, die Gauner und Ganoven. Wer Schmiere steht, der pfeift noch schnell auf zwei Fingern, das Signal: „Jetzt abhauen, stiften gehen, es wird brenzlig!“ - und schon ist er als erster selber weg. „Stiften gehen“ können bis heute Gauner und Ganoven, nicht nur in Lichtenstein. Auch Jesus hat solche Geschichten erzählt. Von dem Schlitzohr, der den Schatz im Acker findet. Er vergräbt ihn, kauft den Acker und holt den Schatz hervor. Er gibt alles, was er hat, für das eine. Und wer das weiß, was es ist, das eine, der wird es auch tun. Er wird alles geben, schon nur um zu wissen, was das Leben mit Sinn erfüllt, was wahrer Reichtum ist.
Die Sache mit dem Geld ist  einfach: ohne die Liebe ist alles nichts. Im Verschenken und im Aufbrechen kann man es entdecken. Und wir sind Lehrlinge. Die heißen Stift,
 weil sie sich so leicht auf uns davon machen. Aber Jesus war ein Meister im Umgang mit Lehrlingen. Von ihm können wir lernen und weiter noch zurück in die Bibel hineingehen:
Da heißt es: „Stiften“ und „Gehen“ gehören zusammen. „Gott hat gestiftet einen Ort seiner Gegenwart, eine Stiftshütte“, so wird es erzählt. Es ist ein Zelt in der Wüste, 
ein symbolischer Ort. In langen Kapiteln wird beschrieben,  wie dies Zelt aussah.  Wie lang die Stangen waren, welche Farbe die gewebten Zeltwände hatten, dazu die Teppiche, der Schrein für die Thora, der Leuchter, das  geheimnisvolle Meer, ganz akribisch wird alles beschrieben. Wie näht man die Vorhänge, wie lang waren die Trodeln, die Seile, die Stäbe. Davon kann auch der Förderkreis berichten: Wer kümmert sich um Balken und Taufstein, um Trauf- und Deckendichtung, um Orgel Heizung und Pflastersteine, um den Altar. Alles wurde von Menschen gestiftet und gefertigt und alles braucht einen, der sich weiter um sie kümmert. Alle Gegenstände hier haben einen weiten Weg hinter sich: Die Steine aus der Eifel, der Taufstein aus Bentheim, der Altar aus Lübeck, der Severin aus Köln, die Leuchter aus Rotterdam.  Wer die Geschichte dieser Stücke erforscht oder davon erzählt, der wandert durch die Zeit, der entdeckt,  St. Severin ist ein fester Ort, der sich und andere bewegt. Das ist ja ein Paradox. Sie nannten die Stiftshütte Ort der Begegnung oder Ort der Offenbarung. Und es ist eine Offenbarung: Die Dinge um uns herum sind  nicht tot. Wir können mit ihrer Hilfe durch die Zeit wandern Den Glauben von Vätern und Müttern ergründen, ihre Hoffnung, ihre Liebe, ihre Sehnsucht, ihre Treue und können selbst darin wachsen und reifen. Das ist wichtig.  Die Dinge werden lebendig durch Menschen, die sie lieben, die mit ihrem Geist ihre Geschichte zum Leben erwecken. Es ist eine Ahnung von Auferstehung, wenn die Dinge wieder lebendig werden und es ist an uns, sie lebendig zu halten. Denn Immer mehr Menschen verlieren diese Erinnerung.  Aber wir brauchen sie. Wir brauchen dieses Erlebnis, dass die Dinge Auferstehung feiern können, und wir sind mittendrin. So wie es in der Musik geschieht, dass vergangene Zeit aufersteht, uns belebt, uns lebendig macht, ein Stück Himmel zu uns herab holt.
Wer das Geheimnis des Schenkens, Stiftens und Förderns kennt und weiter ergründet, der ist mitten drin.
So lasst uns Lehrlinge von Jesus werden. 
Lasst uns weiter stiften gehen.
Lasst uns weitergeben sein Wort und seine lebendige Kraft, 
dass wir entdecken, wer da hingibt, der empfängt. 
Wer sich selbst loslässt, wird leichter und wird es spüren, es ist wahr und es gibt  das wirklich, den Frieden Gottes, der höher als alle Vernunft unsere Herzen und Sinne bewahrt in Jesus Christus, unsrem Herrn. Amen

 
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