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Gnade sei mit euch und Friede von Gott, der uns besucht, der ims besucht wie ein Licht aus der Höhe
Liebe Gemeinde,
„Süßer die Glocken nie klingen, als zu der Weihnachtszeit.“ Dies Lied gehört zu den kitschigen Weihnachtsliedern. Es steht nicht im Gesangbuch. Es wird viel zu oft gespielt, wie „Kling Glöckchen, klingelingeling“, „Jingle bells“, oder „Stille Nacht, heilige Nacht“. Glöckchen gehören zur Weihnacht. Überall klingelt es, läutet es. Das Lied ist volkstümlich nah, und keiner denkt so recht darüber nach, was soll denn das bedeuten? „Süßer die Glocken nie klingen, als zu der Weihnachtszeit.“ Das ist doch eigentlich Blödsinn. Glocken klingen weit über das Land. Ihr Geläut ist laut, deshalb heißt es Geläut. Man kann es nicht leise stellen wie ein Radio oder einen CD-Player. Glocken klingen schön, aber auch spannungsvoll. Unsere Kirchenglocken sind auf gis und fis und h gestimmt. Das ist kein geschlossener Akkord, da liegt Spannung drin. So lassen sie einen aufhorchen und dazu sind sie da. Sie werden geläutet, um von weit her Menschen herbei zu rufen. Über Glocken lässt sich vieles sagen, aber süß sind sie nicht.
Süß sind die Kinder, die sich freuen. Süß ist das Kind in der Krippe. Süß ist der Stollen, süß sind die Weihnachtskekse, süß ist der Glühwein. Auf dem Weihnachtsmarkt wird er getrunken. Da kommen wieder alle zusammen wie zu einem geradezu mystischen Hirtenspiel. Mystisch, weil keiner darüber nachdenkt, sondern ohne es zu bemerken einfach mit dabei ist: Man trifft sich draußen und im Dunkeln. Es ist kalt, aber in der Mitte brennt ein wärmendes Feuer. Man trinkt süßen Glühwein, und erzählt Geschichten, und würde es weit von sich weisen: „Wir sind doch nicht die Hirten.“ Aber als wollte sie jemand daran erinnern, davon überzeugen, werden die ganze Zeit Weihnachtslieder gespielt, „Süßer die Glocken, jingle bells, Stille Nacht“. Im Hintergrund die ganze Zeit, süßlich, kitschige Weihnachtsmusik. Aber süßlich wird es nur, weil es einfach zu viel ist und die Sinne abstumpft und den Geist ermüdet.
Ob Glühwein oder Süßigkeit. Davon gibt es Weihnachten zu viel. Der bunte Teller von früher ist vielen zu viel, denn mit Süßem kann man sich leicht überfüttern. Wir leben im Überfluss und gleichzeitig im Mangel. Denn im Überfluss weiß man Kostbares nicht mehr recht zu schätzen und verliert den Zusammenhang. Wer weiß heute schon, dass süß und heilig zusammengehören: Das erinnert an die Zeit, wo Süßigkeiten noch Kostbarkeiten waren. Haselnuss und Mandelkern, Apfel und Rosine noch jedes Kind erfreute. Denn es gab keinen Zucker. Honig war etwas Besonderes. Kranken schaffte er Linderung, vielleicht sogar Heilung. Süßigkeit im Winter war die ganze Sonnenkraft des Sommers gerettet und aufgehoben wie ein Schatz. Da verband sich süß und heilsam. Beide Worte sind miteinander verwandt. Es wird erzählt, als Franz von Assisi sein Ende spürte, da bat er, um einen Keks. Einen einzigen, auf dass er mit dem süßen Geschmack des Himmelreichs in den Himmel eingehe. Süßigkeit und Himmelreich gehören zusammen. Wir haben das vergessen, denn es gibt so viel davon, die Werbung schickt uns mit Lindt, Milka und Danone in den 7. Himmel. Aber unsere Sinne werden dabei stumpf und kennen nicht den Zusammenhang von süß und heilig:
O Jesulein süß, o Jesulein mild,
O heiliger Geist, o heiliger Gott,
du Tröster wert in aller Not,
du bist gesandt vom Himmelsthron
von Gott dem Vater und dem Sohn,
o heiliger Geist, o heiliger Gott !
Das süße Jesukind und der Heilige Geist sind verbunden als wäre sie eins. Die Glocken klingen heute süß, denn in dieser Nacht verkünden sie das Heil aller Gnaden – Glocken mit heiligem Klang klingen die Erde entlang.
Heilig wird der Glockenklang durch die Menschen, die ihn hören und mit der Botschaft von Weihnachten verknüpfen. In den Glocken schwingt alles mit, was wir von Weihnachten gehört haben: „Heute ist euch der Heiland geboren, und ob ihr es glaubt oder nicht, auf tausenderlei Weisen spielt ihr alle mit.
Die Hirten auf dem Weihnachtsmarkt, genauso wie die vielen Könige, die heute Nacht unterwegs sind und Geschenke bringen. Das Geschenk liegt am Boden unter dem Tannenbaum. Die Kinder gehen in die Knie. Es ist verpackt, mit einer Schleife geschmückt. Wer es öffnet, enthüllt ein Geheimnis, eine Geschichte von Liebe.
Dazu wird heute der Tisch gedeckt, und doch wie leer bleibt er, wenn wir darin nicht den Weihnachtston hören, die Stimme, die uns sagt, dies alles feiert ihr, denn ihr seid gottverwandt, ein Himmelsgeschenk, heilig und selig, und die Armen sind auch mit dabei, und Bitterkeit wird milde, und alte Sehnsucht süß. Ohne die Weihnachtsbotschaft, ist es Völlerei und Kommerz, Verlegenheit, und Konvention, aber wer es hören kann, dem wird es Fülle, Geschenk und Gnade. Alles, was es braucht ist, dass wir mit dem Herzen hören. Das ist nichts überirdisches, übersinnliches. Es ist ein Verknüpfen, ein Verbinden, ein ins Spiel kommen. Die Hirten von Bethlehem waren sich einig, wir haben Engel gesehen. Wir haben gehört, wie sie sangen: 'Ehre sei Gott und Friede auf Erden.' Und das war so süß und so schön wie nichts vorher auf Erden.
Wir spielen in dem Weihnachtsstück mit, selig, wem das aufgeht. Selig, wer spürt, wir sind mit dieser alten Geschichte verbunden, denn dann macht alles Sinn.
Heute klingen die Glocken anders für jeden, der darin hören kann, sie läuten und verkünden die Geburt des Heiligen Kindes. Dann verkünden sie: 'Du bist von Gott geliebt, aus allen Himmeln macht er sich auf, dich zu finden.“ Sie läuten um Mitternacht, dass wir wach bleiben in dieser Heiligen Nacht: hellhörig, weitsichtig, mitfühlend. Jedes Kinderlachen, jedes gute Wort, jeder ungebetene Gast, jede Störung, jedes Geschenk, jedes Gedicht und auch das allerkitschigste Weihnachtslied kann uns helfen, hineinzukommen in das Weihnachtswunder. Denn was würde aus uns, wenn das Fest leer bleibt und uns nichts mehr sagt.
Es gibt eine wunderschöne moderne Weihnachtsgeschichte, der Polarexpress. Da wird erzählt von einem Jungen, der ist nicht mehr ganz klein und groß genug für berechtigte Fragen. Er kann nicht glauben, dass es Weihnachten gibt. Die Erwachsenen haben ihm Geschichten erzählt vom Weihnachtsmann, und er hat herausgefunden, das sind alles nur Geschichten. Aber was sind nur Geschichten: Da wacht er auf in der Heiligen Nacht auf. Ein Zug hält vor dem Haus im Vorgarten, er steigt ein. Es beginnt eine abenteuerliche, eine Traumreise. Sie erreicht ihren Höhepunkt, als der Weihnachtsmann ihm das allererste Weihnachtsgeschenk in die Hand legt, ein Weihnachtsglöckchen. Und wo vorher alles taub war, da hört er den süßen Klang dieses Glöckchens und er ist wie verzaubert. Viel später findet er unter dem Tannenbaum wirklich ein Glöckchen. Die Eltern sagen: „Wie schade, es ist kaputt.“ Aber die Kinder hören es, es läutet himmlisch und süß, ... gebe Gott uns seine Gnade, dass wir die Weihnachtsbotschaft hören, süß und heilsam, die große Liebeserklärung: Ich bin dein Gott, ich komme zu dir, neugeboren hinein in dein Leben, so will ich dich segnen und du sollst ein Segen sein. Denn der Friede Gottes höher als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus unserm Herrn.
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