St. Severin Kirche zu Keitum
                                                                                                                                                                                                  
 

   
Predigt vom 13.12.2009

st_severin_predigt_vom_dez.jpgPastorin Heike Reimann
Sonntag, den 13.12.2009 (3. Advent)
1. Kor 4, 1-5

Audiomitschnitt

(ca. 15 Min.)

 
4 1 So sollt ihr uns einschätzen: Wir dienen dem Messias und uns ist die Verantwortung für die göttlichen Geheimnisse anvertraut.
2 Nun denn: Denen eine Verantwortung übertra-gen ist, die müssen treu sein. 3 Für mich
ist es unwichtig, ob ich von euch oder einem menschlichen Gerichtstag überprüft werde. Ich prüfe mich ja auch nicht selbst. 4 Ich bin mir keiner Schuld bewusst, doch deshalb bin ich noch nicht gerechtfertigt. Gott bDie Ewigec
allein prüft mich. 5 Deshalb urteilt nicht vor der Zeit, ehe Gottb die Ewige ckommt und das von der Finsternis Verborgene in Licht tauchen und offenbar machen wird, wonach sich die Herzen sehnen. Dann werden alle von Gott anerkannt werden.

 

Die Gnade und Liebe Gottes
der Friede Jesu Christi und die göttliche Geis-teskraft sei mit uns allen.
Liebe Gemeinde, an so einem dritten Advents-wochenende erwarten wir eine erwartungsvolle, zugleich ruhige und heimelige Atmosphäre. Wir erinnern uns gern an alte Lieder und an all die vielen schönen Geschichten, die in der Advents- und Weihnachtszeit erzählt werden. Vielleicht können wir das sogar heute Nachmittag noch mit einem Bummel über den Weihnachtsmarkt im Pastorat oder anderswo verbinden, uns Zeit für die Familie und Freunde nehmen.
Und wir lassen uns einstimmen in das Geschehen vor 2000 Jahren und gucken einmal wieweit das Geschehen schon ist. Damit alle rechtzeitig zu Weihnachten an der Krippe sind, müssen Sie sich ja unterschiedlich in Bewegung setzen.
Wer gehört dazu? Nun zuerst die Familie: die hochschwangere Maria mit ihrem Mann Josef. Keine leichte Zeit! Und der Weg von Nazareth nach Bethlehem ist zu dieser Zeit keine beque-me Autobahn. Ich weiß nicht genau wie schnell man mit einem Esel diese Strecke schaffen kann, aber es ist mühselig, es geht nur langsam, es geht nur bei Tag, nur mit Pausen, mit Um-sicht, Vorsicht und Fürsorge für die Frau. Sie sind unterwegs.
Die Weisen, die Könige wie wir sie auch nennen. Sind sie schon unterwegs oder lesen sie noch in den alten Schriften? Sie warten auf etwas ganz besonderes. Ihr Stern wird aufgehen! Ihr Licht soll leuchten!
Dann sind da noch die Hirten. Das sind die, die die unbeliebten Arbeiten erfüllen. Sie hüten die Schafe, draußen, nachts, auch wenn es kalt ist. An Schlaf ist nicht zu denken, denn auch nachts müssen die Tiere bewacht werden. Gerade im Dunkeln ist die Gefahr der angreifenden Tiere und Räuber groß. Der Lohn ist schlecht. Was die Hirten verdienen, reicht von der Hand in den Mund, reicht für heute, aber nicht für die Zukunft, reicht nicht für Altersvorsorge. Sicherlich nicht gerecht, aber wer soll das ändern?  Die Hirten kannten noch keine Gewerkschaften. Sie kannten Aufstände, die erfolglos waren und sie kannten die Geschichten vom Lagerfeuer. Diese Geschichten, wo es einer geschafft hat, wo aus einem Tellerwäscher ein Millionär geworden ist, wo einer den Jackpot geknackt hat. Doch die Chancen stehen schlecht. Und sie kennen die alten Worte der Propheten, das irgendwann einmal, auch ihr Licht leuchten wird. Dass irgendwann der Messias, der Heiland, der Frie-defürst kommen wird, um sein Volk zu retten. Irgendwann. Also bleibt das Warten. Sind sie bereit zu warten und sich dann bereit zuhalten?

Und wir kennen sie aus den Krippenspielen, die Herbergsleute. In der Bibel werden sie gar nicht beschrieben. Es heißt nur „und es war kein Raum in der Herberge“ und doch haben sie für uns Gesichter, denn wir haben sie alle schon einmal gespielt gesehen. Und wir kennen sie auch heute: die Menschen, die immer fleißig und eifrig sind, die sich an alle Regeln halten, die soviel vorhaben, die soviel arbeiten, dass sie vielleicht den wichtigsten Gast verpassen, den richtigen Augenblick versäumen, die Chance einmal etwas ganz herausragendes zu erleben nicht ergreifen, weil es viele gute Gründe gibt, und doch etwas bleibt tief in diesen Menschen. Die Sehnsucht nach Weihnachten und was das für uns wirklich bedeutet.

Heute ist es noch nicht soweit. Heute ist erst der dritte Advent. Da bleibt uns noch viel Zeit!
Doch liebe Gemeinde, das denken wir doch ganz oft: das schaffen wir noch! Ich muss erst noch diesen Vorgang bearbeiten, erst noch dieses erledigen, erst noch einmal ... – Das dürfen Sie selbst füllen!  Und dann nehm ich mir die Zeit, dann mache ich den langversprochenen Besuch, dann kümmere ich mich um ...., dann frage ich mal nach dem alten Herrn bei mir um die Ecke und ob er etwas braucht. Ich hab ihn allerdings schon lang nicht mehr gesehen.

Liebe Gemeinde, wir sind unterwegs. Unterwegs durch den Advent in Richtung Weihnachten. Dieses großartige Fest, an dem sich Gottes Lie-be so an uns verschenkt, dass sein Sohn gebo-ren wird und wir aus lauter Freude uns gegen-seitig beschenken.
Unterwegs.
Wem schenke ich was? Wem kaufe ich welches Geschenk? Wem schenke ich mich? Wem schenke ich meine Zeit, meine Freundlichkeit, mein Mitdenken, mein Mitfühlen.
Unterwegs.
Unterwegs sind wir im Advent, in unserem Le-ben immer auch im Umgang mit dem, was uns zu unserem Leben zur Verfügung steht. Mit der Schöpfung, unserer Umwelt, unseren Energie-quellen, unseren Nahrungsmitteln, mit unseren Mitmenschen und besonders mit unseren Kin-dern. Wir sind unterwegs und laufen Gefahr zu spät zu kommen. Gerade bei den Kindern sehen wir doch wie schnell sie laufen lernen, wenn wir da die Zeit verpassen, kommen wir zu spät, um wichtige Grundlinien zur Entwicklung zu legen. Wenn wir erst später einmal, irgendwann,  uns für eine gute Schulausbildung einsetzen, sind sie schon herausgewachsen. Wenn wir heute noch unsere Energie verschwenden, werden wir morgen zu wenig haben. Vielleicht reicht es für uns noch, besonders für uns in der wohlhaben-den Welthälfte, aber für unsere Kinder, für unsere Zukunft wird es nicht reichen. Vielleicht hält sich das Klima noch, solange Sie und ich leben, aber für die nächsten Generationen nicht. Und wir wissen es genau, wir sehen es in den Medien, wir können nicht mehr sagen, wir haben es nicht gewusst.
Wir sind unterwegs in diesem Advent. Sind un-terwegs nach Weihnachten und wieder kommt Gott uns nah. Das ist uns versprochen.
Und wir sind auf dem Weg des Lebens. Wie wir ihn zu gehen haben, wissen wir – eigentlich-
sehr genau. Jesus hat es uns vorgelebt. Wir sind Haushalter dieser Erde mit allen ihren Gü-tern und Kindern. 

 Paulus nennt uns so - Diener Christi und Haushalter der Geheimnisse Gottes. Diener Christi - das griechische Wort an dieser Stelle ist der Sprache der Geschäftsleute entnommen und bedeutet wörtlich soviel wie:  Assistenten, Gehilfen. Wir tragen als Christen seinen, Christi Namen.  Und Assistent oder  Gehilfe Jesu zu sein, heißt dann nichts anderes als: unterwegs zu sein mit einem Auftrag: das, was wir glauben, was uns trägt, lassen wir in unserem Leben  wirksam werden. Wir versuchen, das, was uns Mut  macht, das, was wir aus unserem Glauben an Antworten auf die  Fragen der Gegenwart entnehmen, nicht für uns zu behalten,  sondern es weiter zu sagen. Eltern, Paten, Großmütter  und -Väter, wir alle stehen gegenüber denen, die uns anvertraut sind, in einer besonderen Ver-antwortung, mit den  Fragen und mit den Träu-men, mit der Zukunft der Kinder mit zu gehen und ihnen  etwas von dem zu vermitteln, was Jesus Christus für uns gelebt  hat.
 
Dazu gehört auch das Erkennen von „Zeichen“ für das Wirken Gottes als „kairos“ in der Ge-schichte der Menschen (z.B. Jes. 7,10ff., Lk. 2,12). Die folgende kleine Geschichte Jesus und die Meteorologen. Eine Meditation über
Lukas 12,54-56 von Lukas Vischer nimmt dieses Motiv auf (manche Anspielungen beziehen sich auch auf die vergleichbare Stelle Mt 16,1-4).

Jesus sprach aber auch zu der Volksmenge:
Wenn ihr im Westen eine Wolke aufsteigen seht, sagt ihr alsbald:
Es kommt Regen, und es geschieht so.
Und wenn ihr den Südwind wehen seht, sagt ihr:
Es wird Gluthitze geben, und es geschieht.
Ihr Heuchler, das Aussehen der Erde und des
Himmels wisst ihr zu beurteilen;
wie kommt es, dass ihr diese Zeit nicht beur-teilt?
Liebe Gemeinde, zwar gab es weder systemati-sche Messungen noch Satellitenbilder. Dennoch hatten die Menschen bereits zu Jesu Zeit eine gewisse Fertigkeit entwickelt, das Wetter des nächsten Tages vorauszusagen. Wer die Zeichen zu lesen verstand, war in der Lage zu sagen, was der nächste Tag bescheren werde – Regen oder Hitze [oder Schnee und Eis]. Jesus anerkennt diese Fähigkeit. In seinen Augen kommt es aber auf etwas weit Wichtigeres an: die Zeichen der Zeit zu lesen. Was hilft es, das Wetter von morgen voraussagen zu können, wenn wir nicht verstehen, was das bedeutet. Was hilft es das Wetter erklären zu können, wenn wir nicht weiterdenken und verstehen Was auf dem Spiel steht:
Der Klimawandel zerstört natürliche Lebens-grundlagen, untergräbt Entwicklungsmöglichkei-ten und verstärkt die Ungerechtigkeit. Die in Armut lebenden Menschen, besonders in den Ländern des Südens, sind die Hauptleidtragen-den des Klimawandels, d. h. des „Energieüber-konsums“ der Industrieländer und der globalen Konsumentenklasse.
Was jetzt getan werden muss:
Auf der Klimakonferenz in Kopenhagen müssen verbindliche und einschneidende
Vereinbarungen getroffen werden, damit der Anstieg der weltweiten Durchschnittstempera-tur 2° C nicht übersteigt. Dafür müssen insbe-sondere die Industrieländer und d. h. auch Deutschland weitreichende Reduktionsverpflichtungen übernehmen. Sie stehen als Hauptverursacher auch in der Pflicht, die armen Länder bei Anpassungsmaßnahmen und einer klimafreundli-chen Entwicklung finanziell und technologisch ausreichend zu unterstützen.
Ein weltweit breites Bündnis, darunter auch die Kirchen, setzt sich für ein Abkommen in Kopen-hagen ein, das konsequenten Klimaschutz und globale Gerechtigkeit ermöglicht.

Wenn wir heute sagen, das können wir noch in Zukunft ändern, wenn wir heute sagen, das ist uns zu teuer, wir müssen erst einsparen, später vielleicht oder sogar: das macht mal ihr, das muss die kommende Generation schaffen, das wird deren Problem sein. Dann stehlen wir uns aus unserer Verantwortung. Und eines Tages – das ist zu spät.! Wir haben die Verantwortung als Eltern, als Paten, Großeltern für unsere Kin-der aber wir haben auch die Verantwortung als Haushalter, das Haus zu erhalten, das Schöp-fungswerk Gottes für die nächste Generation zu sichern.

So sind wir alle unterwegs. Leicht war es nie. Maria hat sich auf dieses Kind gefreut, aber sie hat geahnt, gewusst und erfahren vom ersten Tag an, wie schwer es ist, diesem Kind Zukunft zu ermöglichen.
Die Hirten hatten es nie leicht, aber sie haben der Hoffnung Zukunft gegeben bis heute.
Die Menschen in Bethlehem waren beschäftigt, hatten viel zu tun, hatten Sorgen und Nöte wie wir ....
Wir sind auf dem Weg zur Krippe. Jede und je-der von uns. Möge das Licht hell leuchten und uns den rechten Weg zeigen. Amen.
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