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Wer die Gabe hat zu trösten, nutze sie, um andere zu ermutigen.
Wer mit anderen teilt, sei aufrichtig dabei.
Wer eine Leitungsaufgabe übernimmt, fülle sie mit Begeisterung aus.
Wer solidarisch mit anderen lebt, soll es heiter tun.
Eure Liebe sei ohne Hintergedanken.
Nennt das Böse beim Namen
und werft euch dem Guten in die Arme.
Liebt einander von Herzen wie Geschwister
und übertrefft euch gegenseitig darin, einander Achtung zu erweisen.
Haltet euch mit eurer Begeisterung nicht zurück; lasst euch von der Geistkraft entzünden und setzt euch für den lebendigen Gott ein.
Freut euch, weil ihr Hoffnung habt. Haltet durch, wenn ihr in Not seid, und hört nicht auf zu beten. Teilt das, was ihr habt, mit den heiligen Geschwistern, wenn sie in Not sind. Seid jederzeit gastfreundlich.
Segnet die, die euch verfolgen,
setzt auf das Gute in ihnen und verflucht sie nicht. Freut euch mit den Glücklichen und weint mit den Traurigen.
Zieht alle an einem Strang und richtet euch dabei nicht an den Mächtigen aus, sondern lasst euch zu den Erniedrigten ziehen. Bildet euch nicht zu viel auf eure eigene Klugheit ein.
Lasst uns Gott loben
und gemeinsam unseren christlichen Glauben bekennen..
ICH GLAUBE AN GOTT, DEN VATER, DEN ALLMÄCHTIGEN,
DEN SCHÖPFER DES HIMMELS UND DER ERDE.
UND AN JESUS CHRISTUS, SEINEN EINGEBORENEN SOHN
UNSEREN HERRN, EMFANGEN DURCH DEN HEILIGEN GEIST, GEBOREN VON DER JUNGFRAU MARIA,
GELITTEN UNTER PONTIUS PILATUS,
GEKREUZIGT, GESTORBEN UND BEGRABEN,
HINABGESTIEGEN IN DAS REICH DES TODES,
AM DRITTEN TAGE AUFERSTANDEN VON DEN TOTEN,
AUFGEFAHREN IN DEN HIMMEL, ER SITZT ZUR RECHTEN GOTTES DES ALLMÄCHTIGEN VATERS;
VON DORT WIRD ER KOMMEN ZU RICHTEN DIE LEBENDEN UND DIE TOTEN.
ICH GLAUBE AN DEN HEILIGEN GEIST,
DIE HEILIGE CHRISTLICHE KIRCHE,
DIE GEMEINSCHAFT DER HEILIGEN,
VERGEBUNG DER SÜNDEN,
AUFERSTEHUNG DER TOTEN
UND DAS EWIGE LEBEN. AMEN.
Lied mit der Gemeinde: 268
Predigt
Die Gnade und Liebe Gottes
der Friede Jesu Christi
und die göttliche Geisteskraft sei mit uns allen. Amen.
Liebe Gemeinde,
ein bisschen klingen diese Sätze wie Ermahnungen, die keiner gern hört: Zieh dich schön warm an! Geh nicht bei rot über die Straße! Fahr vorsichtig! Pass auf! Tu dies, lass das! Jede kennt diese Ermahnungen und wenn wir ehrlich sind, können sie uns manchmal ganz schön auf die Nerven gehen. Ermahnungen, wo so mancher auf Durchzug schaltet, denn Verhaltensregeln stoßen auf doch Widerstand. Sie sind peinlich.
Paulus ist für solche Ermahnungen bekannt. Er hat ganze Listen und Kataloge zusammengestellt. Beim Lesen geraten wir einerseits in Versuchung, diese Listen wegzulegen, weil ihre Einhaltung nicht zu schaffen ist oder sie andererseits zusammenzufassen unter dem schlichten Motto: Seid nett zueinander.
Weil wir diese Listen nicht einfach abarbeiten können, versuchen wir sie abzuhaken als Moralpredigt. Dabei ist schon von Anfang an klar: Diese Ermahnungen werden aus Liebe gesagt. So wie Eltern ihre Kinder ermahnen – hast Du Dein Taschentuch dabei- , so ermahnt auch Paulus seine Gemeinde aus Liebe. Eltern wollen nur das Beste für Ihre Kinder. Sie ermahnen aus Liebe und Sorge. Doch käme der Inhalt wohl besser an, wenn wir mit dem Hauptsatz beginnen würden: Ich habe dich lieb. Ich will, dass es dir gut geht. Deshalb möchte ich, dass Du behütet und bewahrt durch den Tag gehst, also: sei bitte vorsichtig!
So ist es auch bei Paulus und deshalb schreibt er in seinen Briefen an die Gemeinden: Gott will, dass das Leben, das Euer Leben gelingt. Er will, dass wir Menschen ein gutes Miteinander erleben. Paulus Ermahnungen sind ein Impulspapier, wie Kirche in der Freiheit der Kinder Gottes leben kann. Er ermahnt nicht, weil er alles für schlecht hält, sondern weil er auch das Gute für verbesserungswürdig hält. Die Ermahnungen sind Ausdruck einer Liebe, die es wirklich gut meint, und keine Moralpredigten. Eine Liebe, die den Menschen etwas zutraut. Eine Liebe, die beschreibt und erklärt, wie das Zusammenleben der Menschen gelingen kann.
Eure Liebe sei ohne Falsch, d.h. doch: Eure Liebe sei ohne doppelten Boden. Ohne Hintergedanken. „Scheißfreundlich“ werden Menschen genannt, die die Freundlichkeit spielen, Herzlichkeit nur heucheln. So soll es nicht sein. Echte Liebe kommt von Herzen und sie will, dass der andere glücklich ist.
Gut gemeint - aber gar nicht so einfach, oder? Um das zu veranschaulichen, verwendet Paulus ein Bild, einen Vergleich. Er sagt: Menschen sind verschieden, sie haben ganz unterschiedliche Fähigkeiten, der eine kann dies gut, der andere das - und niemand kann alles. Ihr braucht auch nicht in allem perfekt zu sein. Das ist wie mit dem Körper und seinen unterschiedlichen Gliedmaßen. Das Auge kann sehen, die Ohren können hören, die Hände können etwas greifen, die Füße und Beine können gehen - und nur, wenn alles gut zusammenspielt, können wir gut leben. So ist das auch in einer Gemeinschaft, zumal in einer Gemeinde, meint Paulus. Gott hat uns Menschen sehr unterschiedliche Begabungen mitgegeben. Die können wir gut füreinander nutzen, damit das große Ganze gelingt. Da muss auch niemand sagen: Das, was ich kann, ist ja nicht so viel oder doch nicht so wichtig. Nein, jede Gabe, jede Fähigkeit hat Bedeutung. Wie bei einem Körper, einem Leib, bei dem viele Teile zusammenspielen. Alle sind wichtig - und manchmal sind die Glieder des Leibes, die uns eher schwach erscheinen, die nötigsten.
Jede und jeder ist wichtig in einem großen Ganzen, getragen durch den Glauben an Jesus Christus.
Gott hat mir meinen Nächsten, meine Nächste gegeben. Sie verdienen gleichen Respekt, gleiche Liebe wie ich selbst. Der andere ist Gottes Geschöpf wie ich. Deshalb nehme ich ihn bei mir auf und helfe ihm, wenn er in Not ist. So zu leben ist gutes Leben. Auf keinen Fall will ich so leben, dass mein Nächster geschädigt oder übervorteilt wird. Ich ziehe das Gute dem Bösen vor, weil im Guten das Leben wohnt und ich das Leben liebe.
Paulus möchte uns einladen, uns noch mehr einzubringen und uns zu verbessern. Gemeinde existiert als Gemeinde von Schwestern und Brüdern.
Und sie wird deutlich, wenn sie das Miteinander lebt – nicht als notwendiges Übel, sondern in fröhlicher Gemeinschaft. Dafür sind die Ermahnungen keine Gesetze sondern Leitlinien. Nur so kann ein Miteinander gelingen, wenn wir einander ermutigen und uns miteinander freuen und miteinander leiden.
Als Christin, als Christ können mir die Fernsten zu Nächsten werden, kann ich Anteil nehmen am Glück und am Leid mir ganz Unbekannter. Selbst die Fernsten sind Geschöpfe Gottes wie ich, sie fühlen wie ich, leiden wie ich, sind glücklich wie ich. Sie sind mir nicht fremd, so entfernt sie auch wohnen mögen. Mein Leben lebe ich nicht mehr allein für mich, ich lebe es als Leben in Gemeinschaft mit anderen, an deren Gefühlen ich teilhabe. Mein Leben wird dadurch unendlich reicher und größer. Es wird zu einem Leben in der Fülle, weil ich durch die Liebe mit so vielen anderen verbunden bin.
Vor allem lebt Gemeinde aus der Liebe. Liebe kennt Gut und Böse. Sie liebt Menschen, aber nicht immer deren Handeln. Liebe nimmt wahr, was in Unordnung geraten ist und versucht daran zu arbeiten.
Einander dienen heißt auch einander zuhören und aufeinander hören, die Gaben der Anderen gelten zu lassen.
Klammert euch an das Gute!
„Die geschwisterliche Liebe untereinander sei herzlich. Einer komme dem andern mit Ehrerbietung zuvor.“
Gemeint ist: Euer Umgang miteinander sei zärtlich.
Und zuvorkommend, wertschätzend! Zugegeben: Meckern ist leichter.
„Seid nicht träge in dem, was ihr tun sollt.
Lasst euch vom Geist entzünden! Dient dem Herrn.“
Ja, nicht selten fehlts am langen Atem, am Engagement. Sich vom Geist entzünden zu lassen und schließlich für eine Sache zu brennen, dafür braucht´s „Luft zum Atmen. Schaft euch Spielräume zum Atmen. Erstickt euer Miteinander nicht mit Kleinkram und Kleinkrieg.
„Nehmt euch der Notleidenden an, übt Gastfreundschaft.“ Paulus stellt sich die christliche Gemeinde in Rom offensichtlich als Herberge vor, als offenes Haus. Unsere Gemeinde also als Herberge „für Sinnsucher und Menschen in Lebenskrisen, für lebensfrohe und Lebensmüde“? Wir freuen uns immer sehr, wenn das gelingt!
„Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden.“
Lachen und Weinen - diese beiden Eigenschaften unterscheiden am deutlichsten Menschen und Tiere. Tiere lachen und weinen nicht. Wenn wir Menschen lachen, wenn wir weinen, sind wir ganz bei uns selbst und unserem Gegenüber ganz nahe. Unmittelbar teilen wir uns über Tränen und Lachen den anderen mit. Nun wein´ doch nicht! Was gibt´s denn da zu lachen!
Mitweinen, mitlachen – können wir besonders zwischen Weihnachten und Ostern lernen. Noch haben wir die Freude der Hirten im Ohr über den Friedensgesang der Engel.
Gleichzeitig haben wir das Weinen der Frauen nach Karfreitag schon im Blick. Von Weihnachten her mit den Fröhlichen lachen und auf Karfreitag hin mit den Weinenden weinen.
„Seid eines Sinnes untereinander!“ Das heißt eben auch: Wir müssen nicht einer Meinung sein,
wir dürfen ehrlich einander die Meinung sagen! „Seid eines Sinnes untereinander.
Trachtet nicht nach hohen Dingen,
sondern haltet euch herunter zu den geringen.
Haltet euch nicht selber für klug.“
Es geht darum, dass alle auf ein Ziel hin denken und leben, so dass unser Verhältnis zueinander der Gemeinschaft mit Jesus Christus entspricht.
Mit all diesen Ermahnungen versucht Paulus immer wieder zu beschreiben, wie sein Ideal von Gemeindeleben aussieht und ich versuche es auch noch einmal:
Da gibt es Menschen, die barmherzig und voller Liebe sind, die einander Dinge sagen und Dinge verzeihen, die Ämter übernehmen, auf Dinge verzichten, um Gemeinde voranzubringen. Da gibt es Menschen, die machen ihren Mitmenschen Mut und Hoffnung, trösten die Trauernden und begleiten die Sterbenden. Da gibt es Menschen, die Segen sprechen auch über Menschen, die ihnen feindlich begegnen. Über allem aber steht die Liebe, mit der die Gemeinde geliebt wird. In diesem Selbstbewusstsein: Wir sind Gemeinde, die Gott liebt, lässt sich Leben gestalten.
Für die Fülle des Lebens will Paulus uns sensibel machen. Diese Fülle umfasst dabei keinesfalls nur das Glück des anderen. Wer die Gefühle anderer Menschen zu lesen lernt, der lernt auch ihren Schmerz und ihr Unglück verstehen. Die Nächstenliebe macht immer sensibel für beides. Sie lehrt uns auch, das unendliche Leiden der Menschen mitzuempfinden, die in Haiti Opfer des katastrophalen Erdbebens geworden sind. „Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden", mahnt der Apostel Paulus. Angesichts der Ereignisse der letzten Tage auf Haiti, liegt uns heute eher das Weinen nahe.
Wir teilen das Entsetzen der Überlebenden, wir teilen ihren Schmerz über erschlagene und verschüttete Angehörige und Freunde. Wir teilen den Schmerz der Verletzten, denen nur langsam geholfen werden kann, weil auch die Hilfskräfte durch das Erdbeben getroffen wurden. Was für ein Unglück ist über dieses ohnedies geschundene Land hereingebrochen! Weinen wir mit den Weinenden. „Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden." - Die Liebe erschließt uns die Fülle des Lebens, weil sie uns für die Gefühle des anderen sensibel macht. Der andere ist mir nicht mehr fremd. Er ist wie ich. Seine Gefühle, sein Leid, sein Glück geht mich etwas an. Deshalb nehme ich mich auch seiner Not an und suche ihm zu helfen. Wenn wir von hier aus schon sonst nichts tun können, dann können wir wenigstens mit unserer Kollekte andere in die Lage versetzen zu helfen und die Not zu lindern.
Was könnten wir alles erreichen, wenn wir uns dieses Idealbild der Gemeinde zu eigen machen könnten.? Einfach ist es nicht. Wir brauchen Fantasie dafür.
Allerdings: wenn alles - auch mit mir selbst - so bleiben soll, wie es ist, dann brauche ich keine Ermahnungen und keine Ideale. Jedoch schon eine einzige dieser Ermahnungen eine Woche lang im Herzen
- und sei´s bloß: mit den Fröhlichen mich freuen
und mit den Weinenden weinen“
das verändert die Welt. Amen.
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